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Mehr Tierschutz in der Manege: Ungarn verbietet zahlreiche Wildtiere ab 2027 im Zirkus
Ab 2027 dürfen viele Wildtiere in Ungarns Zirkussen nicht mehr auftreten – ein wichtiger Schritt für mehr Tierwohl.
Von Silvia ·
Mehr Tierschutz in der Manege: Ungarn verbietet zahlreiche Wildtiere ab 2027 im Zirkus Elefanten, Löwen oder Bären, die Kunststücke in einer Manege vorführen: Was über Generationen zum klassischen Bild eines Zirkus gehörte, wird in Ungarn bald weitgehend Vergangenheit sein. Ab dem 1. Januar 2027 gelten dort deutlich strengere Regeln für Wildtiere in Zirkusbetrieben. Für zahlreiche Tierarten werden Haltung, Zucht, Training und Auftritte verboten.
Damit verändert sich nicht der Zirkus an sich – wohl aber die Vorstellung davon, welche Rolle Tiere darin spielen sollen. Akrobatik, Clownerie, Musik und Artistik bleiben. Für viele Wildtiere fällt dagegen künftig der Vorhang.
Elefanten, Großkatzen, Bären und Giraffen auf der Verbotsliste Die neue ungarische Regelung ist erstaunlich detailliert. Insgesamt nennt sie 25 Tiergruppen , deren Angehörige künftig nicht mehr für Zirkusbetriebe angeschafft, gezüchtet, gehalten, trainiert oder öffentlich vorgeführt werden dürfen.
Dazu gehören unter anderem Elefanten, Primaten, Groß- und andere Wildkatzen, Bären, Giraffen, Flusspferde, Nashörner, Tapire, Robben, Kängurus, Hyänen, Wildhunde sowie verschiedene Greifvögel und Eulen . Auch bestimmte gefährliche Reptilien werden erfasst. Selbst Kreuzungen mit Wildtierarten können bis zur vierten Generation unter die neuen Bestimmungen fallen.
Hauskatzen, Hunde, Hauspferde, Esel und andere ausdrücklich ausgenommene domestizierte Formen fallen dagegen nicht unter dieses neue Verbot. Von einem vollständigen Verbot jeglicher Tierhaltung im Zirkus kann deshalb nicht gesprochen werden.
Was passiert mit Tieren, die bereits im Zirkus leben? Für vorhandene Tiere sieht die Verordnung eine Übergangsregelung vor. Wildtiere, die am 1. Januar 2027 bereits rechtmäßig in einem ungarischen Zirkusbetrieb gehalten werden, müssen nicht automatisch abgegeben werden. Sie dürfen dort grundsätzlich bis an ihr Lebensende beziehungsweise solange sie zum jeweiligen Betrieb gehören bleiben.
Auf die Bühne dürfen sie allerdings nicht mehr: Zucht, weiteres Training, öffentliche Präsentation und Auftritte werden untersagt. Eine begrenzte Ausnahme betrifft Tiere, für die bereits vor Inkrafttreten eine gültige Zuchtgenehmigung besteht. Diese darf noch bis zu ihrem Ablauf genutzt werden; neue Genehmigungen werden anschließend nicht mehr erteilt.
Damit setzt Ungarn nicht auf eine abrupte Entfernung vorhandener Tiere, sondern auf einen schrittweisen Ausstieg.
Warum Wildtiere im Wanderzirkus besonders problematisch sind Hinter der Entscheidung stehen nicht nur veränderte Vorstellungen darüber, wie Unterhaltung aussehen sollte. Auch Tiermedizin und Verhaltensforschung beschäftigen sich seit Langem mit den besonderen Anforderungen nicht domestizierter Tiere.
Die Federation of Veterinarians of Europe (FVE) kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass die physiologischen, psychischen und sozialen Bedürfnisse vieler Wildsäugetiere in reisenden Zirkussen kaum angemessen erfüllt werden können. Begrenzter Raum, häufige Transporte und fehlende Möglichkeiten für arttypisches Verhalten gehören zu den zentralen Kritikpunkten.
Auch die ungarische Regierung begründet die Neuregelung mit dem Schutz der Tiere, den Belastungen durch Transport und Auftritte sowie mit Sicherheitsaspekten für das Publikum.
Ungarn folgt einem europäischen Wandel Mit der Entscheidung steht Ungarn in Europa nicht allein. Zahlreiche Staaten haben den Einsatz von Wildtieren in Zirkussen bereits vollständig oder teilweise eingeschränkt. Die Europäische Kommission verwies 2024 auf 23 nationale Verbote beziehungsweise Einschränkungen innerhalb Europas und bezeichnete solche Entscheidungen grundsätzlich als Angelegenheit der Mitgliedstaaten.
Ein einheitliches EU-weites Verbot gibt es bislang nicht. Die Europäische Union regelt allerdings unter anderem den grenzüberschreitenden Transport und die gesundheitliche Überwachung von Zirkustieren.
Der größere Trend ist dennoch deutlich: Immer mehr Länder trennen das Erlebnis Zirkus von der Präsentation exotischer Wildtiere.
Warum das Hoffnung macht Die ungarische Entscheidung zeigt, wie sich gesellschaftliche Vorstellungen verändern können, ohne eine jahrhundertealte Kulturform gleich mit abzuschaffen. Zirkus muss nicht verschwinden – er kann sich weiterentwickeln.
Moderne Shows demonstrieren längst, dass Staunen auch ohne Elefanten auf Podesten oder Raubkatzen im Käfig funktioniert. Spektakuläre Artistik, Licht, Musik, Tanz und menschliche Höchstleistungen können die Manege genauso füllen.
Für die betroffenen Tiere bedeutet die neue Regelung vor allem eines: In Zukunft sollen ihre natürlichen Bedürfnisse stärker wiegen als ihr Unterhaltungswert.
Was du tun kannst Wer Zirkus liebt und gleichzeitig auf Tierwohl achten möchte, kann gezielt Produktionen besuchen, die ohne Wildtiere arbeiten. Schon die Nachfrage des Publikums beeinflusst, welche Formen von Unterhaltung sich langfristig durchsetzen.
Mehr Tierschutz in der Manege: Ungarn verbietet zahlreiche Wildtiere ab 2027 im Zirkus