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Mediterrane Ernährung: Studie zeigt 29 Prozent geringeres Rheuma-Risiko
Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und Olivenöl könnten nicht nur Herz und Stoffwechsel schützen. Eine große Langzeitstudie deutet darauf hin, dass Menschen mit einer mediterranen Ernährungsweise seltener an rheumatoider Arthritis erkranken. Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Prävention – müssen jedoch differenziert betrachtet werden.
Von Max ·
Mediterrane Ernährung könnte das Risiko für rheumatoide Arthritis deutlich verringern Ein Teller mit Tomaten, Linsen, Vollkornbrot, frischen Kräutern und Olivenöl wirkt zunächst nicht wie ein medizinisches Präventionsprogramm. Doch genau diese alltägliche Form der Ernährung könnte langfristig einen Beitrag dazu leisten, das Risiko für eine schwere entzündliche Gelenkerkrankung zu reduzieren.
Eine umfangreiche Untersuchung aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen, die sich besonders konsequent nach dem mediterranen Ernährungsmuster richteten, ein deutlich geringeres Risiko hatten, an rheumatoider Arthritis zu erkranken. Entscheidend scheint dabei weniger ein einzelnes „Superfood“ zu sein als das Zusammenspiel vieler überwiegend pflanzlicher Lebensmittel.
Mehr als 117.000 Menschen über Jahre beobachtet Für die im European Journal of Clinical Nutrition veröffentlichte Studie wertete ein internationales Forschungsteam Daten der britischen UK Biobank aus. In die Untersuchung flossen Informationen von 117.341 Erwachsenen ein, die zu Beginn nicht an rheumatoider Arthritis erkrankt waren.
Ihre Ernährungsgewohnheiten wurden mithilfe wiederholter 24-Stunden-Ernährungsprotokolle erfasst. Anschließend beobachteten die Forschenden die Teilnehmenden über einen mittleren Zeitraum von 9,42 Jahren. In dieser Zeit erhielten 773 Menschen erstmals eine Diagnose der rheumatoiden Arthritis.
Das Ergebnis: Teilnehmende aus der Gruppe mit der stärksten Orientierung an der mediterranen Ernährung hatten gegenüber der Gruppe mit der geringsten Übereinstimmung ein rund 29 Prozent niedrigeres relatives Erkrankungsrisiko . Die Berechnungen berücksichtigten unter anderem Alter, Geschlecht, Bildung, Bewegung, Rauchen, Schlaf, Energieaufnahme, Vorerkrankungen und die genetische Veranlagung.
Wichtig ist das Wort „relativ“: Die Zahl bedeutet nicht, dass bei 100 Menschen automatisch 29 Erkrankungen verhindert werden. Insgesamt erkrankten während der Beobachtung etwa 0,66 Prozent der untersuchten Personen. Wie groß der absolute Unterschied zwischen den einzelnen Ernährungsgruppen war, lässt sich aus der zentralen Ergebnisdarstellung nicht unmittelbar ableiten.
Sechs Studien bestätigen den grundsätzlichen Zusammenhang Das Forschungsteam beschränkte sich nicht auf die britischen Daten. Zusätzlich wurden sechs bereits vorhandene Untersuchungen aus Großbritannien, den USA, Schweden und Frankreich in einer Meta-Analyse zusammengeführt.
Diese Studien umfassten insgesamt 362.268 Menschen und 4.273 Fälle von rheumatoider Arthritis. Über alle Untersuchungen hinweg war eine hohe Übereinstimmung mit der mediterranen Ernährung mit einem rund 16 Prozent niedrigeren relativen Risiko verbunden. Die Unterschiede zwischen den Studien waren vergleichsweise gering.
Der Gesamteffekt fiel damit kleiner aus als in der UK-Biobank-Analyse, blieb aber statistisch bedeutsam. Das stärkt die Annahme, dass der beobachtete Zusammenhang nicht ausschließlich auf Besonderheiten einer einzelnen Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist.
Was mediterrane Ernährung eigentlich bedeutet Mediterrane Ernährung besteht nicht einfach aus Pasta, Pizza und gelegentlichem Rotwein. Im wissenschaftlichen Sinn beschreibt sie ein Ernährungsmuster mit:
viel Gemüse und Obst,
Hülsenfrüchten wie Bohnen, Linsen und Kichererbsen,
Vollkorngetreide,
Nüssen und Samen,
pflanzlichen Ölen, insbesondere Olivenöl,
regelmäßigem Fisch,
wenig rotem und verarbeitetem Fleisch,
möglichst wenigen stark verarbeiteten Produkten.
Auch die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung setzen auf viele pflanzliche Lebensmittel, regelmäßige Hülsenfrüchte und Nüsse, Vollkorn, pflanzliche Öle sowie einen begrenzten Konsum von Fleisch und Wurst.
Alkohol ist dagegen kein notwendiger Bestandteil einer gesunden mediterranen Ernährung. Obwohl moderate Alkoholmengen in manchen wissenschaftlichen Ernährungsindizes Punkte erhalten, sollte niemand aus gesundheitlichen Gründen mit dem Trinken beginnen. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass auch geringe Mengen Alkohol mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können.
Weshalb dieses Ernährungsmuster die Gelenke schützen könnte Rheumatoide Arthritis ist keine gewöhnliche altersbedingte Abnutzung der Gelenke. Es handelt sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Dadurch können Gelenke anschwellen, schmerzen und langfristig geschädigt werden.
Die mediterrane Ernährung liefert zahlreiche Stoffe, die Entzündungsprozesse beeinflussen könnten. Dazu gehören Ballaststoffe, Polyphenole, Carotinoide, Vitamine, Magnesium und ungesättigte Fettsäuren. Gleichzeitig enthält dieses Ernährungsmuster meist weniger gesättigte Fette und stark verarbeitetes Fleisch.
Ballaststoffe aus Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkorn dienen zudem bestimmten Darmbakterien als Nahrung. Daraus entstehende Stoffwechselprodukte können auf das Immunsystem einwirken. Ob und in welchem Ausmaß das Darmmikrobiom den beobachteten Schutz vor rheumatoider Arthritis vermittelt, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt.
Auch das Körpergewicht könnte eine Rolle spielen. Eine mediterrane Ernährung kann dabei helfen, eine hohe Energiedichte und stark verarbeitete Lebensmittel zu reduzieren. Übergewicht steht seinerseits mit entzündlichen Stoffwechselprozessen in Verbindung und wird als möglicher Risikofaktor für die Entstehung rheumatoider Arthritis untersucht.
In der britischen Untersuchung waren vor allem ein höherer Verzehr von Hülsenfrüchten und Olivenöl mit einem geringeren Erkrankungsrisiko verbunden. Die Forschenden betonen jedoch, dass wahrscheinlich das gesamte Ernährungsmuster wichtiger ist als einzelne Lebensmittel.
Kein Beweis für einen direkten Schutzeffekt So positiv die Ergebnisse sind: Die Untersuchung war eine Beobachtungsstudie. Die Teilnehmenden wurden nicht per Zufall verschiedenen Ernährungsformen zugeteilt. Deshalb kann sie zeigen, dass zwei Faktoren gemeinsam auftreten – aber nicht zweifelsfrei beweisen, dass die mediterrane Ernährung die Erkrankungen verursacht oder verhindert hat.
Menschen, die sich besonders ausgewogen ernähren, bewegen sich möglicherweise mehr, rauchen seltener, verfügen über bessere medizinische Versorgung oder haben andere gesundheitsfördernde Gewohnheiten. Zwar versuchte das Forschungsteam viele dieser Einflüsse statistisch zu berücksichtigen, vollständig ausschließen lassen sie sich nicht.
Hinzu kommt, dass die Ernährung nur zu Beginn beziehungsweise in einem begrenzten Erhebungszeitraum dokumentiert wurde. Veränderungen während der folgenden Jahre konnten daher nur unzureichend erfasst werden. Die Teilnehmenden der UK Biobank waren außerdem im Durchschnitt gesünder und besser gebildet als die britische Gesamtbevölkerung. Die meisten ausgewerteten Studien stammten aus westlichen Ländern.
Auch frühere Untersuchungen kamen nicht immer zu einheitlichen Ergebnissen. Zwei große US-amerikanische Kohorten mit Krankenpflegerinnen fanden beispielsweise keinen klaren Zusammenhang. Erst die gemeinsame Betrachtung mehrerer Studien ergab den statistisch signifikanten Gesamteffekt.
Ernährung ist ein Baustein – keine Garantie Ob ein Mensch an rheumatoider Arthritis erkrankt, hängt von einem komplexen Zusammenspiel aus Genetik, Immunsystem, Umwelt und Lebensstil ab. Ein besonders gut belegter vermeidbarer Risikofaktor ist das Rauchen. Menschen, die über längere Zeit rauchen, haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko; bei Erkrankten kann Rauchen zudem mit schwereren Verläufen verbunden sein.
Eine mediterrane Ernährung kann deshalb keine Garantie geben und eine bereits bestehende rheumatoide Arthritis nicht heilen. Sie ersetzt weder ärztliche Diagnostik noch Medikamente. Für Betroffene kann eine ausgewogene Ernährung jedoch Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein, zu dem auch Bewegung, Rauchstopp und die Kontrolle des Körpergewichts gehören. Europäische Rheumatologie-Empfehlungen betrachten solche Lebensstilmaßnahmen als Ergänzung zur medizinischen Therapie.
Große Veränderungen beginnen auf dem Teller Das Ermutigende an den neuen Ergebnissen ist ihre Alltagstauglichkeit. Niemand muss exotische Nahrungsergänzungsmittel kaufen oder einen komplizierten Diätplan befolgen. Schon einfache Veränderungen können die Ernährung stärker in Richtung des mediterranen Musters verschieben:
Eine Portion Linsen statt verarbeitetem Fleisch. Eine Handvoll ungesalzene Nüsse statt Süßigkeiten. Mehr Gemüse auf dem Teller. Vollkornbrot statt Weißbrot. Oliven- oder Rapsöl statt großer Mengen Butter. Wasser statt Softdrinks oder Alkohol.
Ob dadurch tatsächlich jede einzelne rheumatoide Arthritis verhindert werden kann, ist offen. Doch das Ernährungsmuster bringt zugleich gut belegte Vorteile für Herz, Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit mit sich. Das macht es zu einem Präventionsansatz, bei dem mögliche Vorteile weit über die Gelenke hinausgehen.
Was du tun kannst
Was du tun kannst Beginne mit einer konkreten Veränderung: Ersetze an zwei Tagen pro Woche Fleisch durch Linsen, Bohnen oder Kichererbsen und ergänze jede Hauptmahlzeit um Gemüse. Wer raucht, kann sein Rheuma-Risiko wahrscheinlich stärker durch einen Rauchstopp beeinflussen als durch ein einzelnes Lebensmittel.
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Mediterrane Ernährung: Studie zeigt 29 Prozent geringeres Rheuma-Risiko