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Magenkrebs: Ein Drittel weniger Todesfälle als vor 20 Jahren
2023 starben in Deutschland 34 Prozent weniger Menschen an Magenkrebs als 2003, und der Rückgang läuft schon seit Jahrzehnten. Eine wichtige Rolle spielen wohl ein seltener gewordenes Bakterium und die Art, wie wir Essen haltbar machen.
Von Denise ·
Manche guten Nachrichten kommen nicht mit einem Knall, sondern schleichend. Magenkrebs ist so ein Fall: Seit Jahrzehnten erkranken und sterben in Deutschland immer weniger Menschen daran. Das Statistische Bundesamt hat es im Frühjahr 2025 in Zahlen gefasst: 2023 starben gut ein Drittel weniger Menschen an Magenkrebs als 20 Jahre zuvor, ein Minus von 34 Prozent.
Das fällt umso mehr auf, weil die Zahl aller Krebstodesfälle im selben Zeitraum gestiegen ist, von 209.300 auf 230.300. Magenkrebs dagegen geht gegen den Trend zurück.
Ein Rückgang auf breiter Front Das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD) am Robert Koch-Institut beschreibt bei Magenkrebs einen stetigen Rückgang der Erkrankungs- und Sterberaten seit Jahrzehnten, wie in anderen Industrieländern auch. Bemerkenswert: Er zeigt sich in allen Altersgruppen, bei Frauen wie bei Männern. Am deutlichsten sind die Tumoren am Magenausgang zurückgegangen.
Zum Vergleich: 2013 erhielten nach damaligen RKI-Angaben rund 15.600 Menschen die Diagnose Magenkrebs, etwa 9.600 starben daran. Für 2023 meldet das ZfKD 14.620 Neuerkrankungen (5.580 Frauen, 9.040 Männer) und 7.808 Sterbefälle. Schon 2017 berichtete das Deutsche Ärzteblatt, dass nur noch etwa halb so viele Menschen erkranken wie vier Jahrzehnte zuvor.
Ein Bakterium verliert an Boden Als wichtigsten Risikofaktor nennt das ZfKD eine Infektion mit Helicobacter pylori. Der Keim siedelt sich in der Schleimhaut des Magens an, schädigt sie und kann eine chronische Entzündung verursachen. Entdeckt wurde er erst in den 1980er-Jahren.
Schon 2017 galt das Bakterium in Deutschland, wie in den meisten wohlhabenden Ländern, als auf dem Rückzug. Das RKI führte den Rückgang von Magenkrebs laut Ärzteblatt unter anderem auf die "verringerte Verbreitung von Helicobacter pylori" zurück. Als Grund dafür werden bessere Lebensverhältnisse und mehr Hygiene vermutet. Damals waren Schätzungen zufolge 20 bis 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland infiziert, unter Grundschulkindern mit deutscher Staatsangehörigkeit nur noch etwa 5 Prozent.
Und noch etwas hilft: Eine Infektion lässt sich mit Antibiotika behandeln. Das Gesundheitsportal des Bundes schreibt dazu knapp: "Das senkt das Risiko für Magenkrebs." Einen Test für alle empfehlen Fachleute allerdings nicht, denn längst nicht jeder Infizierte erkrankt. Gezielt getestet werden etwa Menschen mit dauerhaft entzündeter Magenschleimhaut oder mit Magenkrebs bei Eltern, Kindern oder Geschwistern.
Kühlen statt Pökeln Der zweite Erklärungsstrang führt in die Küche. Früher wurden Lebensmittel oft geräuchert oder gepökelt, um sie haltbar zu machen. Dabei können krebsfördernde Stoffe wie Nitrosamine entstehen. Das RKI nannte laut Ärzteblatt auch das Verschwinden solcher traditioneller Konservierungsmethoden als Grund für den Rückgang. Heute lässt sich vieles einfach durch Kühlung haltbar machen, Räuchern und Pökeln haben an Bedeutung verloren.
Das passt zur heutigen Liste der Risikofaktoren: Eingesalzene Lebensmittel, verarbeitete Fleischprodukte und viel Salz gelten laut ZfKD als Risiko. Dazu kommen Rauchen und Alkohol. Wie groß der Anteil jedes einzelnen Faktors am Rückgang ist, lässt sich aus den Daten nicht genau ablesen.
Ehrlich bleiben: Die Krankheit bleibt ernst So erfreulich der Trend ist: Wer an Magenkrebs erkrankt, hat es weiterhin schwer. Die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt laut ZfKD bei 41 Prozent für Frauen und 36 Prozent für Männer; sie berücksichtigt, dass auch Gleichaltrige ohne Krebs in dieser Zeit sterben. Bei knapp 40 Prozent der Fälle mit ausreichender Dokumentation hat der Tumor bei der Diagnose bereits Metastasen gebildet (Stadium IV).
Ein Grund: Im frühen Stadium macht Magenkrebs vielen Betroffenen keine Beschwerden, später sind die Anzeichen oft unspezifisch. Wer Probleme beim Schlucken, wiederkehrendes Erbrechen, unerklärten Gewichtsverlust oder schwarzen, teerartigen Stuhl bemerkt, sollte das deshalb ärztlich abklären lassen.
Was die Geschichte zeigt Nach allem, was Fachleute vermuten, verdankt sich der Rückgang von Magenkrebs nicht einem einzelnen Medikament oder Programm. Er ist eher die Nebenwirkung von Dingen, die das Leben insgesamt besser gemacht haben: bessere Lebensverhältnisse, mehr Hygiene und Kühlung statt Pökeln. Und die aktuellen Registerdaten zeigen: Der Rückgang setzt sich fort.
Themen: Magenkrebs, Todesfälle, Helicobacter pylori, Lebensmittelkonservierung, Krebsprävention, Gesundheitsstatistik, Deutschland
Magenkrebs: Ein Drittel weniger Todesfälle als vor 20 Jahren