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Männer holen auf: Lebenserwartung steigt in jedem Bundesland, bei Frauen nicht überall
Erstmals liegen alle Länder bei Männern über dem Vor-Corona-Stand. Bei Frauen zeigt die Kurve teils nach unten.
Von Ulrike ·
Für Männer in Deutschland hat die Statistik gute Nachrichten: Ihre Lebenserwartung ist 2025 in jedem einzelnen Bundesland gestiegen. Damit liegen erstmals alle 16 Länder über dem Stand von 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Das zeigen neue Berechnungen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden. Bei den Frauen fällt die Bilanz gemischter aus: In einigen Ländern ging der Wert zurück, in sieben liegt er noch unter dem Vor-Corona-Niveau.
Bayerns Männer knacken die 80 Besonders schön rund ist die Zahl aus Bayern: Männer kommen dort nun auf 80,0 Jahre. Nur Baden-Württemberg hatte diese Marke zuvor überschritten und liegt inzwischen bei 80,6 Jahren. Am unteren Ende stehen Sachsen-Anhalt mit 76,8 und Mecklenburg-Vorpommern mit 77,0 Jahren.
Den größten Sprung gegenüber 2024 machte Bremen mit einem Plus von 0,8 Jahren, also knapp zehn Monaten.
Auch der Blick auf ganz Deutschland passt ins Bild. Das Statistische Bundesamt hatte im Juli für 2025 neue Höchstwerte gemeldet: 79,1 Jahre bei Männern, 83,6 Jahre bei Frauen. Männer gewannen gegenüber dem Vorjahr etwa drei Monate, Frauen knapp zwei. Seit 2022 sind es bei Männern knapp 13 Monate, bei Frauen rund neun.
Bei den Frauen geht es nicht überall aufwärts Frauen leben weiterhin in allen Bundesländern länger als Männer. An der Spitze stehen Baden-Württemberg mit 84,6 sowie Sachsen und Bayern mit je 84,3 Jahren. Das Saarland (82,1) und Bremen (82,3) bilden den Schluss.
Doch der Trend ist uneinheitlich. Am deutlichsten fiel der Rückgang in Thüringen aus, wo die Lebenserwartung von Frauen um ein halbes Jahr sank. Auch Brandenburg (minus 0,2) sowie Schleswig-Holstein und Bremen (je minus 0,1) verloren. In Sachsen, Hessen und Sachsen-Anhalt blieb der Wert gerundet unverändert. Den stärksten Zuwachs verbuchte Mecklenburg-Vorpommern mit 0,4 Jahren.
Unter dem Stand von 2019 liegen laut BiB noch sieben Länder. Einzelne Jahre können allerdings schwanken, weshalb die amtliche Statistik ihre vollständigen Sterbetafeln standardmäßig über drei Jahre berechnet. Ob aus einem Rückgang ein Trend wird, zeigen also erst die nächsten Jahre.
Die Zigarette als mögliche Erklärung Warum entwickeln sich beide Geschlechter so unterschiedlich? Die Fachleute des BiB nennen das Rauchen als eine der möglichen Erklärungen, bewiesen ist der Zusammenhang für diese Zahlen damit nicht. Starkes Rauchen war im 20. Jahrhundert vor allem Männersache, ging bei ihnen aber schon vor Jahrzehnten zurück. Das wirkt nun nach, „so dass die negativen Folgen bereits zurückgehen“, sagt Pavel Grigoriev, Leiter der Forschungsgruppe Mortalität am BiB. Unter Frauen verbreitete sich das Rauchen erst ab etwa 1970, und die Folgen nehmen aktuell noch zu.
Dazu passt der Tabakatlas 2025 des Deutschen Krebsforschungszentrums. Danach gingen 2023 rund 131.000 Todesfälle in Deutschland auf das Rauchen zurück, also etwa jeder siebte. Bei Männern sinkt diese Zahl, bei Frauen steigt sie noch.
Wohnort und Geschlecht bleiben wichtig Angeglichen hat sich das Land damit nicht. „Die regionalen Unterschiede innerhalb Deutschlands bleiben weitgehend bestehen“, sagt BiB-Forscher Michael Mühlichen. Zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Länderwert liegen bei Männern etwa 3,9 Jahre, bei Frauen rund 2,6 Jahre. Gegenüber 2024 sind diese Abstände sogar leicht gewachsen.
Auch die Lücke zwischen den Geschlechtern ist je nach Region sehr verschieden. Am kleinsten ist sie im Saarland mit 3,7 Jahren, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 3,9 Jahren. In Ostdeutschland leben Männer fast überall mehr als fünf Jahre kürzer als Frauen, in Mecklenburg-Vorpommern sind es sogar 6,4 Jahre.
Was die Zahl verrät und was nicht Ein Geburtstagsversprechen ist die Lebenserwartung übrigens nicht. Sie ist ein Modellwert: Er gibt an, wie alt Neugeborene im Schnitt würden, wenn die heutigen Sterblichkeitsverhältnisse unverändert blieben. Eine Prognose für einzelne Menschen ist sie also nicht. Als Gradmesser taugt sie trotzdem. Und der zeigt für 2025 bei den Männern überall nach oben, bei den Frauen immerhin bundesweit und in der Mehrzahl der Länder.
Themen: Lebenserwartung, Deutschland, Männer, Frauen, Bevölkerungsentwicklung, Gesundheitsstatistik, Rauchen
Männer holen auf: Lebenserwartung steigt in jedem Bundesland, bei Frauen nicht überall