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Lungenkrebs früh erkennen: MHH bietet Zweitblick für das neue Raucher-Screening
Seit April zahlen die Kassen ein Lungen-CT für starke Raucher. In Hannover prüft nun die MHH auffällige Befunde mit.
Von Andre ·
Wer jahrzehntelang geraucht hat, kennt das mulmige Gefühl beim Gedanken an die eigene Lunge. Seit April 2026 gibt es dafür ein neues Angebot der gesetzlichen Krankenkassen: eine jährliche Lungenuntersuchung mit einer besonders strahlenarmen Computertomografie, kurz Niedrigdosis-CT. Im Großraum Hannover kommt jetzt ein weiterer Baustein dazu. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) schaut sich auffällige Aufnahmen aus niedergelassenen Radiologiepraxen ein zweites Mal genau an.
Ein zweiter Blick, der beruhigen soll Ein Niedrigdosis-CT zeigt selbst winzige Veränderungen in der Lunge. Das ist seine Stärke, aber auch eine Herausforderung: Längst nicht jeder kleine Fleck auf dem Bild ist Krebs. Manche Befunde werden nur beobachtet, andere genauer abgeklärt. Deshalb ist für solche kontroll- oder abklärungsbedürftigen Rundherde eine unabhängige Zweitbefundung gesetzlich vorgeschrieben.
Genau diese übernimmt nun das Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie der MHH. Praxen im Großraum Hannover, mit denen die Hochschule Kooperationsverträge geschlossen hat, fordern die Zweitbefundung an und übermitteln die CT-Bilddaten an die MHH. Erste Praxen haben bereits Fälle geschickt. Die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen.
Ziel sei es, Patientinnen und Patienten „zusätzliche Sicherheit zu geben“ und unnötige Untersuchungen und Eingriffe zu vermeiden, erklärt PD Dr. Julian Glandorf, Oberarzt und Leiter der Sektion für pulmonale Bildgebung an der MHH. Auch aus Sicht der Praxen zählt der kurze Draht: Die Radiologin Dr. Lotte Thöne von der Röntgenpraxis Am Marstall in Hannover betont, wie wichtig ihr der direkte Austausch mit den MHH-Kolleginnen und -Kollegen ist, damit sich Fragen zu einem Befund unkompliziert besprechen lassen.
Ist ein Befund auffällig, können Betroffene direkt an die Lungenheilkunde der MHH angebunden werden. Das Lungenkrebszentrum der Hochschule ist von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert. Dort stimmen Fachleute verschiedener Disziplinen in gemeinsamen Tumorkonferenzen ab, wie es weitergeht.
Für wen das Screening gedacht ist Das Lungen-CT ist keine Untersuchung für alle. Weil jede CT mit Röntgenstrahlung arbeitet, ist sie nur für Menschen mit deutlich erhöhtem Risiko vorgesehen. Rechtliche Grundlage ist eine Verordnung des Bundesumweltministeriums, die seit dem 1. Juli 2024 gilt. Für die Kassenleistung gelten diese Voraussetzungen:
Alter: zwischen 50 und 75 Jahren. Rauchdauer: mindestens 25 Jahre Zigarettenkonsum. Wer aufgehört hat, kommt nur infrage, wenn der Rauchstopp weniger als zehn Jahre zurückliegt. Rauchmenge: mindestens 15 sogenannte Packungsjahre. Gesundheitszustand: Er muss eine Teilnahme zulassen. Packungsjahre klingen kompliziert, sind aber schnell ausgerechnet: Man multipliziert die Jahre, in denen man geraucht hat, mit der durchschnittlichen Zahl an Packungen pro Tag, eine Packung mit 20 Zigaretten gerechnet. Wer 30 Jahre lang täglich zehn Zigaretten geraucht hat, kommt auf 15 Packungsjahre.
Der Weg führt zuerst in eine hausärztliche oder internistische Praxis, die am Programm teilnimmt. Dort wird geprüft, ob die Voraussetzungen erfüllt sind, und ausführlich über Nutzen und Risiken aufgeklärt. Erst dann gibt es eine Überweisung zu einer Radiologie mit spezieller Genehmigung. Die Aufnahme selbst ist schmerzfrei und dauert nur wenige Minuten. Das Ergebnis kommt in der Regel innerhalb von 14 Tagen.
Was die Untersuchung bringt und wo ihre Grenzen liegen Lungenkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland. Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz erkranken jedes Jahr etwa 57.000 Menschen neu. Rund 85 von 100 Erkrankungen werden auf das Rauchen zurückgeführt. Weil der Krebs oft erst spät Beschwerden macht, setzt die Früherkennung früher an.
Die Versicherteninformation des G-BA nennt dazu ehrliche Zahlen. Nehmen 1.000 starke Raucherinnen zehn Jahre lang regelmäßig teil, sterben 19 statt 24 an Lungenkrebs. Bei 1.000 Männern sind es 23 statt 29. Fünf Frauen und sechs Männer von je 1.000 werden also vor dem Tod durch Lungenkrebs bewahrt.
Dem stehen Nachteile gegenüber. Bei der ersten Untersuchung haben etwa 220 von 1.000 Teilnehmenden einen auffälligen Befund. Bei den allermeisten davon stellt sich nach einer Kontrolle heraus, dass alles unauffällig ist. Etwa 14 von 1.000 erhalten eine Gewebeentnahme, obwohl sie keinen Krebs haben. Innerhalb von zehn Jahren bekommen etwa sieben von 1.000 eine Krebsdiagnose, die ohne Screening nie aufgefallen wäre, eine sogenannte Überdiagnose. Auch die Strahlendosis ist gering, aber nicht null: Nach 25 Jahren jährlicher Teilnahme könnten laut Schätzung weniger als drei von 1.000 Frauen und etwa einer von 1.000 Männern zusätzlich an Krebs erkranken. Und das CT kann nicht jeden Tumor finden.
Hier soll der Zweitblick aus Hannover helfen: Eine sorgfältige zweite Bewertung auffälliger Bilder soll unnötige Untersuchungen und Eingriffe vermeiden. Das Bundesamt für Strahlenschutz befürwortet die Früherkennung ausdrücklich nur unter höchsten Qualitätsanforderungen.
Der wirksamste Schutz bleibt der Rauchstopp Eines kann kein CT leisten: das Risiko senken. Das gelingt vor allem, wenn man mit dem Rauchen aufhört, darauf weist auch der G-BA hin. Seine Versicherteninformation enthält deshalb ausführliche Hilfen zur Tabakentwöhnung. Die Hausarztpraxis ist für beides der richtige erste Ansprechpartner, für den Rauchstopp ebenso wie für die Frage, ob das neue Screening im eigenen Fall sinnvoll ist.
Themen: Lungenkrebs, Früherkennung, Niedrigdosis-CT, Rauchen, Medizinische Hochschule Hannover, Krankenkasse, Radiologie, Hannover
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