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Loi Garot: 10 Jahre gegen Lebensmittelverschwendung
2016 verbot Frankreich, genießbare Supermarktware absichtlich zu zerstören. Zwischen 2015 und 2018 stiegen die Spenden großer Märkte an Lebensmittelbanken um 23 Prozent. Zehn Jahre später zeigen neue Zahlen, was aus der Idee geworden ist – und wo sie noch an Grenzen stößt.
Von Max ·
10 Jahre Loi Garot: Wie Frankreichs Supermärkte Lebensmittel retten Was früher im Müll landete, erreicht heute immer häufiger Menschen, die es brauchen: Seit zehn Jahren verpflichtet Frankreich große Supermärkte, Lebensmittelverschwendung aktiv zu bekämpfen. Die sogenannte Loi Garot hat nicht nur Lebensmittelspenden gefördert, sondern auch neue wirtschaftliche Lösungen entstehen lassen. Eine Erfolgsgeschichte mit Vorbildcharakter – und noch viel Potenzial.
Ein Gesetz, das den Handel veränderte Am 11. Februar 2016 setzte Frankreich ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung. Das nach dem Politiker Guillaume Garot benannte Gesetz untersagte Supermärkten, noch genießbare Lebensmittel absichtlich unbrauchbar zu machen. Geschäfte mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche müssen geeigneten Hilfsorganisationen zudem eine Spendenvereinbarung anbieten.
Die Idee dahinter: Was nicht mehr verkauft wird, muss nicht automatisch im Müll landen. Stattdessen sollen überschüssige Lebensmittel möglichst Menschen zugutekommen oder sinnvoll weiterverwertet werden.
Die ersten Ergebnisse waren ermutigend. Zwischen 2015 und 2018 stiegen die Spenden großer Supermärkte an die französischen Lebensmittelbanken ( Banques Alimentaires ) um 23 Prozent. Die Hilfsorganisation Restos du Cœur verzeichnete zwischen 2016 und 2018 sogar ein Plus von 24 Prozent. Nicht der gesamte Zuwachs lässt sich eindeutig auf das Gesetz zurückführen, doch die Entwicklung zeigt, wie sich die Lebensmittelrettung etablierte.
Aus Lebensmittelspenden wurde professionelle Logistik Zehn Jahre später ist die Rettung überschüssiger Lebensmittel für zahlreiche Handelsunternehmen Teil des Alltags. Supermärkte, Hilfsorganisationen und spezialisierte Dienstleister koordinieren Abholung, Kühlung und Verteilung.
Wie groß die Dimension inzwischen ist, zeigen aktuelle Zahlen der Banques Alimentaires: Im Jahr 2025 bewahrte das Netzwerk mehr als 78.000 Tonnen Lebensmittel vor Verschwendung, verteilte 220 Millionen Mahlzeiten und unterstützte rund 2,4 Millionen Menschen. Die Zahlen umfassen sämtliche Bezugsquellen des Netzwerks, nicht ausschließlich Supermärkte.
Auch wirtschaftlich entstehen Vorteile. Unternehmen wie das französische Phenix helfen Händlern, überschüssige Produkte durch Preisnachlässe, Spenden und andere Verwertungswege sinnvoll zu nutzen.
Eine Phenix-Auswertung aus dem Jahr 2025 zeigt: Besonders engagierte Märkte konnten durchschnittlich 82 Prozent ihrer unverkauften Produkte einer weiteren Nutzung zuführen. Das spart potenziell Entsorgungskosten und kann zusätzliche Verkaufserlöse ermöglichen. Allerdings handelt es sich um Ergebnisse ausgewählter Märkte, nicht um einen landesweiten Durchschnitt.
Auch Deutschland kann davon lernen Trotz der Fortschritte bleibt viel zu tun. Laut französischem Statistikdienst entstanden 2024 rund zehn Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle, darunter etwa 3,9 Millionen Tonnen essbare Lebensmittel. Das Gesetz hat die Verschwendung also nicht beseitigt, aber wichtige Strukturen für einen besseren Umgang geschaffen.
Auch Deutschland arbeitet an Lösungen. Im Jahr 2023 vereinbarte die Bundesregierung mit 14 Handelsunternehmen einen Pakt gegen Lebensmittelverschwendung. Laut Thünen-Institut erreichten die beteiligten Unternehmen im Berichtsjahr 2024 eine durchschnittliche gewichtete Reduzierung von 25 Prozent gegenüber ihren jeweiligen Basisjahren.
Frankreichs Erfahrung zeigt dabei, was möglich ist, wenn klare Regeln, wirtschaftliche Anreize und soziale Zusammenarbeit ineinandergreifen.
Die vielleicht schönste Erkenntnis nach zehn Jahren: Nachhaltige Veränderungen müssen nicht spektakulär sein. Manchmal beginnen sie damit, dass ein Supermarkt am Abend nicht mehr fragt, was weggeworfen werden muss – sondern wer die Lebensmittel noch gut gebrauchen kann.