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Laub liegen lassen: Wie ein unaufgeräumter Garten Tieren durch den Winter hilft
Ein Laubhaufen in der Ecke, verblühte Stauden, ein Stapel Äste: Naturschutzverbände raten, den Garten im Herbst nicht blitzblank zu machen. Igel, Marienkäfer und Rotkehlchen finden dort Schutz und Futter – und wer weniger aufräumt, spart sich Arbeit.
Von Andre ·
Jetzt, Ende Oktober, liegt in vielen Gärten das Laub. Und mit ihm kommt bei vielen der Reflex: Rechen raus, Garten sauber machen, bevor der Winter kommt. Naturschutzverbände haben dazu eine entspannte Botschaft. Wer einen Teil des Laubs, der Stängel und Äste einfach liegen lässt, schafft Winterquartiere für eine erstaunlich große Gemeinschaft von Tieren.
Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) hat erst Anfang Oktober daran erinnert, verblühte Stauden, Gräser, Beerensträucher und Laubhaufen möglichst stehen oder liegen zu lassen. LBV-Biologin Angelika Nelson bringt es auf den Punkt: „Wer jetzt zu gründlich aufräumt, der tut den Gartenvögeln keinen Gefallen.“
Wer im Laub überwintert Eine Laubschicht ist alles andere als leer. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung überwintern darin Schmetterlingslarven, Marienkäfer und andere Insekten, außerdem Asseln und Spinnentiere. Auch Frösche und Kröten verbringen den Winter gern im dichten Laub.
Der bekannteste Gast ist der Igel. Er beginnt laut der Stiftung im Oktober seinen Winterschlaf, in einem Nest, das er mit Blättern auspolstert. Dabei fährt er Stoffwechsel, Herzschlag und Atmung herunter. Wird er gestört, muss er alles wieder hochfahren – und verbraucht Energie, die ihm später im Winter fehlen kann. Ein ungestörter Laubhaufen ist für ihn deshalb Gold wert.
Auch Vögel profitieren. Rotkehlchen, Amseln und Zaunkönige finden im Laub gerade in der mageren Winterzeit eiweißreiche Nahrung, schreibt die Deutsche Wildtier Stiftung. Laubhaufen schützen laut LBV Insekten, Igel und Amphibien vor Frost und sind zugleich eine Futterquelle für Vögel.
Und der Boden freut sich mit: Wo das Laub auf unversiegelten Flächen liegen bleibt, machen Regenwürmer und andere Kleinstlebewesen daraus im nächsten Jahr wertvollen Humus. Wolfgang Dötsch von der Nürnberger Kreisgruppe des BUND Naturschutz weist außerdem darauf hin, dass die Laubschicht den Boden vor Austrocknung und extremer Kälte schützt.
Stängel, Samen und Totholz Nicht nur das Laub ist wertvoll. In verblühten Blüten und Pflanzenstängeln finden viele Insekten ein Winterquartier, erklärt der BUND Naturschutz in Nürnberg. Die NABU-Gartenexpertin Marja Rottleb rät laut Öko-Test, Stauden nicht im Herbst zurückzuschneiden: In den Stängeln überwintern unter anderem Marienkäfer, die im Frühjahr Blattläuse fressen.
Die Samenstände von Sonnenblumen und Gräsern sind laut LBV natürliches Winterfutter für Vögel. Früchte wie Hagebutten, Weißdorn oder Vogelbeere liefern vielen Arten Energie – deshalb sollten beim Heckenschnitt möglichst fruchttragende Zweige stehen bleiben.
Äste, Zweige und Stängel vom Rückschnitt müssen ebenfalls nicht weg. In einer Gartenecke aufgeschichtet und mit altem Laub bedeckt, werden sie zu einem Reisighaufen, den der BUND Naturschutz als idealen Platz für den Winterschlaf der Igel beschreibt. Auch Kröten oder Eidechsen finden dort Schutz und Nahrung. Totholz wie Baumstümpfe und Stämme ist laut NABU-Expertin Rottleb ein Lebensraum etwa für Holzbienen, Blattschneiderbienen und Goldwespen.
So geht's im eigenen Garten Ganz ohne Rechen geht es trotzdem nicht. Die Empfehlungen der Verbände lassen sich so zusammenfassen:
Einen Laubhaufen in einer ruhigen Ecke anlegen – laut NABU-Expertin Rottleb mindestens einen Quadratmeter groß, mit Ästen beschwert, und bis Mai in Ruhe lassen. Laub auf Beeten und unter Sträuchern liegen lassen oder als Mulch nutzen. Das schützt Pflanzen und Boden, und laut BUND Naturschutz kommen Wildkräuter darunter kaum hoch, was Jäten spart. Vom Rasen das Laub abrechen: Eine dichte Schicht kann dort faulen und das Gras darunter absterben lassen. Stauden, Gräser und Samenstände über den Winter stehen lassen. Besen und Rechen statt Laubbläser oder Laubsauger verwenden. Beim letzten Punkt sind sich Deutsche Wildtier Stiftung, BUND Naturschutz und Umweltbundesamt einig. Laubbläser erreichen laut Deutscher Wildtier Stiftung Luftgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde, die kleine Tiere im Zweifel nicht überstehen. Das Umweltbundesamt nennt Geräte mit Häckselfunktion eine tödliche Gefahr für kleine Gartentiere wie Frösche, Spinnen oder Regenwürmer – und weist darauf hin, dass Laubsauger und -bläser 90 bis 120 Dezibel laut werden können. Was wirklich weg muss, gehört laut Umweltbundesamt auf den Kompost, in die Biotonne oder in die Grünabfallsammlung.
Und was ist mit dem Gehweg? Auf befestigten Wegen hat das Laub nichts verloren. Nasse Blätter werden schnell rutschig, darauf weisen auch die Naturschützer hin. Wer den öffentlichen Gehweg vor dem Haus reinigen muss, regelt die Straßenreinigungssatzung der jeweiligen Gemeinde. In Köln etwa ist die Reinigung für einen Teil der Straßen den Eigentümern der angrenzenden Grundstücke übertragen, und die Satzung nennt Laub ausdrücklich als Gefahr für den Verkehr. Die Deutsche Wildtier Stiftung regt an, Laub von Geh- und Radwegen an den Rand oder unter Hecken zu schieben. Ob das vor der eigenen Haustür erlaubt ist, steht ebenfalls in der Satzung – in Köln zum Beispiel darf zusammengekehrter Schmutz nicht unter Bäumen und Büschen abgelagert werden. Was genau bei dir gilt, erfährst du bei deiner Stadt oder Gemeinde.
Der Garten darf also ruhig ein bisschen wild in den Winter gehen. Was für uns nach liegen gebliebener Arbeit aussieht, ist für Igel, Käfer und Rotkehlchen ein warmes Zuhause und eine gedeckte Tafel.
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