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Kunstleihe Harburg: In Heimfeld hängt für 6 Euro im Quartal ein Original an der eigenen Wand
Ein Verein in Heimfeld verleiht Werke Harburger Kunstschaffender. Die Sammlung wächst, nur der Platz wird knapp.
Von Michael Beier ·
Sechs Euro. So viel kostet in Heimfeld ein Vierteljahr mit einem Original an der Wohnzimmerwand. Kein Druck aus dem Möbelhaus, sondern ein Bild, das eine Künstlerin oder ein Künstler aus der Gegend selbst gemalt, gedruckt oder gestaltet hat. Nach drei Monaten bringt man es zurück und nimmt das nächste mit. Oder man verlängert, weil man sich an das Bild gewöhnt hat.
Möglich macht das die Kunstleihe Harburg in der Meyerstraße 26, getragen vom gemeinnützigen Verein Kunstleihe Hamburg e. V. Das Prinzip funktioniert wie in einer Bücherhalle, nur eben mit Kunst. Und es kommt an: Der Kreis der Kunstfreunde und die Sammlung sind stetig gewachsen, inzwischen umfasst der Bestand mehr als 400 Werke in ganz unterschiedlichen Formaten, Techniken und Motiven. Die Nachfrage reicht nach Angaben des Vereins inzwischen über die Elbe hinaus.
Eine Idee aus dem Harburger Kulturleben Angefangen hat alles 2017. Aus dem Umfeld der Harburger Kulturinitiative SuedKultur entstand damals der Plan für einen Kunstverleih ohne Gewinnabsicht. Vorbild waren die Artotheken, die sich seit den 1980er-Jahren in gut 140 deutschen Städten etabliert haben. Die Gründer holten sich Rat in Köln, Kiel, Eckernförde, Buxtehude und Marburg und testeten das Konzept in der leerstehenden Dreifaltigkeitskirche in der Neuen Straße. Im Januar 2019 eröffnete die Kunstleihe offiziell im Gemeindesaal, unterstützt unter anderem von der ZEIT-Stiftung. Nach zwei Umzügen fand sie Anfang 2020 ihr heutiges Zuhause in Heimfeld.
Einen Ankaufsetat hat der ehrenamtlich geführte Verein bis heute nicht. Die meisten Arbeiten sind Dauerleihgaben der Künstlerinnen und Künstler selbst, überwiegend zeitgenössische Kunst aus Harburg. Für die Kunstschaffenden ist das eine Chance, ihre Werke in fremden Wohnungen und Büros wirken zu lassen statt im Atelierregal.
Ein Bühnenbildner in Farbe Ganz frisch in der Sammlung sind Arbeiten von Carl Ihrke, einem früheren Harburger Künstler und Bühnenbildner. Darunter ein Akt und ein Farbdruck. Das ist eine kleine Rarität, denn bekannt ist Ihrke vor allem für Schwarz-Weiß-Arbeiten.
Der Erfolg hat allerdings eine Kehrseite: Die Räume in Heimfeld werden zu eng. Für Workshops, Kurse, Künstlergespräche wie bei den früheren Kunstsalons mit der Harburger Künstlerin Petra Hagedorn oder thematische Sonderausstellungen fehlt schlicht der Platz. In den vergangenen Monaten hat der Verein nach größeren Räumen gesucht, auch für Zwischennutzungen, etwa im ehemaligen Karstadt-Gebäude, im früheren Miskatonic-Theater und in leerstehenden Läden. Gefunden hat er bisher nichts Passendes. Der Vorstand um Heiko Langanke, Sabine Schnell und Peter Leibrock wurde bei der Jahresversammlung im Amt bestätigt und will in Harburg bleiben. Die Suche geht weiter.
So kommt das Bild an die Wand Wer ausleihen möchte, braucht einen Leihausweis. Er kostet 12 Euro und gilt laut den Leihbedingungen ein Jahr. Ausgestellt wird er gegen Vorlage des Personalausweises, gedacht ist er für Hamburgerinnen und Hamburger ab 18 Jahren. Jedes Werk kostet dann 6 Euro für drei Monate, bis zu zwei Werke lassen sich gleichzeitig mitnehmen. Wichtig zu wissen: Für Schäden haftet, wer ausleiht. Die Bilder sollten also nicht über der Heizung oder in der prallen Sonne hängen. Für Praxen, Büros und Kanzleien gelten eigene Konditionen. Seit 2022 verleiht der Verein außerdem Videokunst.
Geöffnet ist freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 12 bis 18 Uhr, die S-Bahn-Station Heimfeld liegt in der Nähe. Am Feiertag, Samstag, 31. Oktober, bleibt die Kunstleihe geschlossen. Rückgaben und Neuausleihen kündigt man am besten vorher an, per E-Mail oder telefonisch unter 040 300 969 48. Einen Blick in den Bestand gibt es vorab online auf der Website der Kunstleihe Harburg .
Themen: Kunstleihe Harburg, Kunstleihe Hamburg e. V., Heimfeld, Harburg, Artothek, Kunst, Ehrenamt
Kunstleihe Harburg: In Heimfeld hängt für 6 Euro im Quartal ein Original an der eigenen Wand