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Krebsrisiko früher erkennen: MHH entwickelt neues KI-Modell
Diagnosen, Behandlungen und weitere Krankenkassendaten könnten künftig helfen, ein erhöhtes Krebsrisiko früher zu erkennen. Ein MHH-Team entwickelt dafür ein KI-Modell – und untersucht zugleich, wie solche sensiblen Hinweise fair und verständlich kommuniziert werden können.
Von Denise ·
Kann KI ein Krebsrisiko erkennen, bevor die Krankheit auffällt? In den Daten der Krankenkassen steckt möglicherweise mehr medizinisches Wissen, als bisher genutzt wird. Diagnosen, verordnete Leistungen und frühere Behandlungen könnten Muster enthalten, die auf ein erhöhtes Krebsrisiko hinweisen. Ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover will nun herausfinden, ob künstliche Intelligenz solche Zusammenhänge zuverlässig erkennen kann.
Das auf drei Jahre angelegte Projekt ROKAVI nutzt pseudonymisierte Routinedaten der Krankenkassen Pronova BKK und mkk – meine krankenkasse. Zusammen versichern sie mehr als 1,3 Millionen Menschen. Zunächst prüfen die Forschenden, für welche Krebsart – etwa Brust-, Darm-, Lungen- oder Prostatakrebs – sich ein Vorhersagemodell besonders eignen könnte.
Anschließend entstehen zwei Modelle: ein klassisches statistisches Verfahren und ein KI-basierter Algorithmus. Beide sollen anhand ihrer Vorhersagegenauigkeit verglichen werden. So lässt sich überprüfen, ob die technisch aufwendigere KI tatsächlich einen medizinischen Mehrwert bietet – oder ob traditionelle Methoden ähnlich gute Ergebnisse erzielen.
Wichtig ist die Unterscheidung: Das System soll keinen Krebs diagnostizieren. Es könnte vielmehr Menschen identifizieren, bei denen eine ärztliche Abklärung oder eine reguläre Früherkennungsuntersuchung besonders sinnvoll erscheint.
Mindestens ebenso entscheidend ist die Frage, wie ein solcher Risikohinweis übermittelt wird. Möchten Versicherte überhaupt erfahren, dass ein Algorithmus bei ihnen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit errechnet hat? Wie lassen sich unnötige Ängste und Fehlalarme vermeiden? ROKAVI untersucht deshalb auch das Recht auf Nichtwissen, die informationelle Selbstbestimmung und eine verständliche Risikokommunikation.
Internationale Forschung zeigt bereits, dass KI beispielsweise bei der Auswertung von Mammografien oder anderen medizinischen Aufnahmen die Erkennung unterstützen und Fachkräfte entlasten kann. Solche Ergebnisse lassen sich jedoch nicht automatisch auf Vorhersagen aus Abrechnungsdaten übertragen. Das Hannoveraner Projekt ist daher vor allem eines: ein sorgfältiger Praxistest für eine vielversprechende Idee.
Das Vorhaben wird mit rund einer Million Euro aus dem Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Gelingt es, verlässliche Modelle zu entwickeln, könnten Vorsorgeangebote künftig gezielter diejenigen Menschen erreichen, die sie besonders benötigen.