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Krankenhaus Geesthacht: Nach dem harten Schnitt bekommt die Altersmedizin eine neue Station
Notaufnahme und Geburtshilfe sind weg, die Altersmedizin wächst: Eine Klinik im Norden findet eine neue Rolle.
Von Ulrike ·
Im März sah es am Krankenhaus Geesthacht nach dem Gegenteil einer guten Nachricht aus: Geburtshilfe und Gynäkologie, Intensivstation, chirurgische Stationen, Notaufnahme und Kardiologie stellten den Regelbetrieb sofort ein. Gut sieben Monate später meldet dasselbe Haus im Kreis Herzogtum Lauenburg Wachstum: Im November soll eine vierte Station für Altersmedizin öffnen. Beides gehört zur selben Geschichte. Sie handelt davon, wie eine Klinik weitermacht, indem sie vieles nicht mehr macht.
Ein Schnitt mit Folgen Die Geschäftsführung begründete den Schritt im März mit der Personallage: Ein verlässlicher Dienst über das Wochenende sei nicht mehr möglich, die Sicherheit der Patientinnen und Patienten habe Vorrang. Termine fielen aus, Betroffene wurden an andere Häuser verwiesen. Wer ein Kind erwartet oder einen schweren Notfall hat, muss seither anderswo hin. Schon vorher hatte die Lokalpresse über große Sorge in der Bevölkerung berichtet.
Reibungslos lief das nicht. Das Gesundheitsministerium in Kiel erklärte damals, der Versorgungsauftrag gelte noch bis zum 31. März, die vorzeitige Einstellung sei nicht abgestimmt gewesen, und kündigte an, weitere Schritte zu prüfen. Auch für die Belegschaft war der Umbau hart: Von annähernd 700 Beschäftigten sind rund 400 geblieben. Zwei Insolvenzverfahren liegen hinter dem Haus, die Trägerschaft ging von den Johannitern an die CTP-Gruppe über.
Seit April konzentriert sich die Klinik auf drei Bereiche: Altersmedizin, Psychiatrie und Innere Medizin. Ist das eher eine Art „Gesundschrumpfen“, wollte das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt im April von Chefarzt und Ärztlichem Direktor Martin Willkomm wissen. Seine Antwort: Ja, als Geriater sehe er die Entwicklung positiv.
Wo das Haus jetzt wächst Die Altersmedizin, auch Geriatrie genannt, ist auf kranke ältere Menschen ausgerichtet. „Unser Ziel ist, dass sie danach wieder selbstständig zu Hause leben können“, sagt Willkomm.
Die Zahlen zeigen die Richtung. Im April waren von 104 eingeplanten Betten 60 in Betrieb, im September nannte das Haus 78. Bis Ende September seien in der Altersmedizin bereits so viele Menschen behandelt worden wie im gesamten Jahr 2025, im Schnitt seien mehr als 80 Betten belegt. Absolute Patientenzahlen nennt die Klinik dazu nicht, auch den genauen Eröffnungstag und die Größe der neuen Station lässt sie offen. Die Angaben stammen vom Haus selbst; eine unabhängige Bestätigung haben wir bislang nicht gefunden.
Warum gerade ältere Menschen „Unsere Region wird älter, und die Altersmedizin wird zur Grundversorgung“, sagt Willkomm. Das Krankenhaus versteht sich inzwischen nicht mehr als Erstversorger, sondern als Weiterversorger: Es übernimmt Menschen, deren Akutbehandlung in einer anderen Klinik abgeschlossen ist. Geplant war im April, dass rund 70 Prozent der geriatrischen Patientinnen und Patienten von anderen Kliniken kommen. Das Einzugsgebiet reicht demnach von Boizenburg bis Schwerin, in die niedersächsische Elbmarsch und nach Hamburg-Harburg.
Hinzu kommt eine internistische Aufnahme, die rund um die Uhr geöffnet ist und über die laut Klinik etwa 30 Menschen pro Woche ins Haus kommen. Geschäftsführer Lars Timm sieht in Aufnahme und Weiterbehandlung auch eine Entlastung für die Notaufnahmen und Betten der Nachbarhäuser: „So ergänzen wir das System, statt mit anderen zu konkurrieren.“ Wie die umliegenden Kliniken das beurteilen, ist nicht bekannt.
Was noch kommen soll Die Psychiatrie bleibt ein zweites Standbein: Im Regionalbudget verantwortet das Haus die psychiatrische Versorgung von rund 205.000 Menschen im Kreis, mit Tageskliniken in Geesthacht, Mölln, Schwarzenbek und Lauenburg. Eine weitere ist in Ratzeburg geplant. Vorgesehen sind außerdem eine Tagesklinik für Altersmedizin und eine ambulante geriatrische Reha, Termine dafür nennt die Klinik nicht. Ab November entsteht zudem gemeinsam mit einer Praxis ein Zentrum für ambulante Operationen.
Wirtschaftlich sieht sich die Klinik über den Berg: Die Geschäftsführung meldete im September positive Monatsergebnisse, während laut Deutschem Krankenhausinstitut für das Jahr 2024 rund zwei Drittel der deutschen Krankenhäuser Verluste schrieben. „Gegen den Trend“ überschreibt das Haus seine Mitteilung. Der Preis dafür ist allerdings hoch: Das Wachstum findet in einem deutlich kleineren Haus statt. Für die Region bleibt die Hoffnung auf etwas, das in der Kliniklandschaft nicht selbstverständlich ist: ein Krankenhaus, das bleibt, und ältere Menschen, denen es hilft, wieder nach Hause zu kommen.
Themen: Altersmedizin, Geriatrie, Krankenhaus Geesthacht, Klinik Umstrukturierung, Gesundheitswesen, Geesthacht, Schleswig-Holstein
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