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Klostergarten am Michel: Kirchplatz wird grüner – und ganz Hamburg kann mitbauen
Brunnen, Bäume, grüner Wall: Vor dem Michel entsteht ab 2027 ein Klostergarten. Hamburg kann per Spende mitbauen.
Von Denise ·
Wer heute auf dem Platz vor dem Hamburger Michel steht, hat Pflaster und Betonplatten unter den Füßen und den Verkehr der Ludwig-Erhard-Straße im Ohr. Das soll sich ändern: Die Hauptkirche St. Michaelis will ihren Kirchplatz in einen Garten nach dem Vorbild eines Klosterinnenhofs verwandeln – mit Brunnen, Bäumen und einem begrünten Wall gegen den Lärm. Am 22. Oktober haben Hauptpastor Alexander Röder und Michael Kutz, Geschäftsführer der Stiftung St. Michaelis, die Pläne vorgestellt und zugleich die Spendenkampagne „Unser Platz am Michel“ gestartet.
Röder setzt die Latte hoch: „Der Michel-Kirchplatz soll einer der schönsten Plätze Hamburgs werden“, sagt er. Er nennt die Neugestaltung das größte Bauprojekt seit der Innensanierung der Kirche.
Ein Brunnen aus norwegischem Granit Herzstück wird ein Brunnen in der Mitte des neuen Gartens vor dem Gemeindehaus. Entworfen hat ihn der Berliner Bildhauer Raphael Beil gemeinsam mit dem Landschaftsarchitekturbüro POLA. Dafür wurde in einem Steinbruch bei Larvik in Norwegen bereits ein 40 Tonnen schwerer Granitstein gebrochen. Aus zwölf Öffnungen am Rand der gewölbten Brunnenschale soll Wasser fließen.
Rund um den Brunnen entstehen drei sogenannte Erinnerungsinseln unter neu gepflanzten Bäumen, umgeben von Sitzplätzen. Dort bekommen die Michel-Tafeln ihren neuen Ort: 222 Messingtafeln mit bislang 12.500 persönlichen Gravuren, die derzeit vor dem Nordeingang der Kirche liegen.
Grün statt Beton, Ruhe statt Lärm Zur Ludwig-Erhard-Straße hin soll ein 85 Zentimeter hoher „Michel-Wall“ den Platz abschirmen. Er bekommt Rasen, niedrige Büsche und wenige Bäume – dafür werden rund 485 Quadratmeter Fläche entsiegelt, die bisher mit Betonplatten belegt sind. Am Wall ist eine 21 Meter lange Bank geplant. Darunter entsteht eine Zisterne, die 86.000 Liter Regenwasser für die Bewässerung der Grünflächen fasst.
Zwei breite Durchgänge links und rechts des Walls machen den Platz barrierefrei zugänglich, die Sichtachse vom Michel zum Großneumarkt bleibt frei. Außerdem wird die nächtliche Beleuchtung von Turm, Kirche und Platz neu gestaltet; laut Hauptkirche soll sie ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden.
Eine Idee aus den 1950er-Jahren Ganz neu ist der Gedanke nicht. In den 1950er-Jahren entwickelte der Architekt Gerhard Langmaack die Idee einer „Kircheninsel“: Eine Randbebauung mit Arkadengängen nach dem Vorbild eines Kreuzgangs sollte rund um den Michel einen geschützten Innenhof bilden und die Kirche vor dem Lärm der damals geplanten Ost-West-Straße abschirmen. Das Ensemble steht seit 2013 unter Denkmalschutz. Vor dem Gemeindehaus hatte Langmaack bereits einen Brunnen und Grünflächen vorgesehen – der Brunnen wurde nie gebaut. Rund 70 Jahre später soll er nun kommen.
Der Zeitplan Nach sieben Jahren Vorbereitung sind alle Genehmigungen erteilt. Ausführungsplanung und Ausschreibungen sollen im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden, im Frühjahr 2027 sollen die Arbeiten auf dem nördlichen Kirchplatz beginnen. Die Planer rechnen mit rund 15 Monaten Bauzeit und einer Winterpause. Fertig sein soll der Platz im Sommer 2028, die Einweihung ist für den Michaelistag am 29. September 2028 geplant.
So kann man mitmachen Insgesamt kostet der Umbau 8 Millionen Euro. 3,5 Millionen Euro kommen als Zuschuss vom Bund, 2,1 Millionen Euro bringt die Hauptkirche aus Eigenmitteln auf – damit sind rund 70 Prozent gedeckt. Die fehlenden 2,4 Millionen Euro sollen bis Ende 2027 über Spenden an die Stiftung St. Michaelis zusammenkommen. Es ist die bislang größte Kampagne der Stiftung.
Mitbauen kann jede und jeder, zumindest symbolisch: 35 Euro finanzieren eine halbe Arbeitsstunde am neuen Platz, 70 Euro eine ganze, 210 Euro drei Stunden. Gespendet werden kann über die Kampagnenseite st-michaelis.de/kirchplatz. Wer eine bleibende Spur hinterlassen möchte, kann außerdem eine Michel-Tafel mit eigener Gravur bestellen; mit den Erlösen fördert die Stiftung Projekte am Michel. Neue Tafeln werden nach dem Ende der Bauarbeiten im Sommer 2028 an ihrem endgültigen Platz verlegt.
Dass Hamburg für seinen Michel zusammenlegt, hat Tradition: Für die Sanierung von Rissen an Gesims und Mauerwerk des Turms kamen über die Aktion „Himmlischer Bautrupp“ 1,3 Millionen Euro an Spenden zusammen. Derzeit unterstützen rund 1.500 Spenderinnen und Spender die Projekte der Kirche. Hauptpastor Röder gibt sich entsprechend zuversichtlich: „Jede Spende hilft. Wenn viele geben, schaffen wir es!“
Themen: Klostergarten Michel, St. Michaelis Hamburg, Kirchplatz Gestaltung, Spendenaktion, Stadtbegrünung, Hamburg Michel
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