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Kliniknannys: Wie Medizinstudierende kranken Kindern den Klinikalltag leichter machen
Studierende spielen und basteln mit Kindern in Kliniken. Dafür gab es den 1. Preis beim Charity Award von Springer Medizin.
Von Madalina ·
Manchmal beginnt eine gute Idee mit einem Weinen. Am Universitätsklinikum Rostock war es das eines sechs Monate alten Jungen, der allein im Krankenhaus lag. Medizinstudierende, die dort gerade ein Blockpraktikum machten, wurden auf ihn aufmerksam und taten etwas, das in keinem Lehrplan steht: Sie wechselten sich ab, um bei ihm zu sein. Der Kleine lebte auf.
Aus dieser spontanen Hilfe ist ein Projekt geworden, das heute an fünf Universitätskliniken läuft. Am 3. November wurde es in Berlin ausgezeichnet.
Von der Kinderstation zum Verein Im April 2015 setzten sich die Initiatoren zusammen, einen Monat später gab es die ersten Betreuungen in der Kinder- und Jugendklinik der Universitätsmedizin Rostock. Im Dezember 2021 wurde aus der Initiative der gemeinnützige Verein Tommy Nicht Allein, mit Sitz bis heute in Rostock. Inzwischen sind auch Aachen, Dresden, Greifswald und München dabei. In München etwa engagieren sich Studierende der Humanmedizin an der LMU im Dr. von Haunerschen Kinderspital, vor allem auf der kinderchirurgischen Station.
Spielen, basteln, die Hand halten Die Kliniknannys, so nennen sich die Ehrenamtlichen, kommen in ihrer Freizeit und bleiben jeweils einige Stunden. Sie sind für Kinder und Jugendliche da, deren Eltern oder andere Vertraute gerade nicht kommen können, und verschaffen Familien zeitlich wie emotional etwas Luft. Was dann passiert, klingt erfreulich unmedizinisch: spielen, basteln, vorlesen, kochen, reden. Dazu kommen kleine Höhepunkte im Klinikjahr wie Weihnachts- und Osterbasteln oder Schminken an Halloween.
Mal springen die Ehrenamtlichen kurzfristig ein, mal besuchen sie chronisch oder an Krebs erkrankte Kinder regelmäßig. Bei längeren Aufenthalten lassen sich gemeinsam mit den Familien individuelle Pläne erarbeiten. Und manchmal ist die Aufgabe ganz klein und doch groß: Vorstandsmitglied Jana David erzählt vom gemeinsamen Spielen und Kuscheln und davon, bei einer Spritze die Hand zu halten.
Bleibt die Frage, wie das neben einem anstrengenden Medizinstudium überhaupt gehen soll. Davids Antwort dreht die Perspektive um: Die Zeit mit den Kindern sei „ein guter Ausgleich, mal rauszukommen“.
Erster Preis in Berlin Bei der Gala im Berliner Admiralspalast erhielt der Verein den 1. Preis beim Charity Award des Verlags Springer Medizin. Unter 34 Bewerbern wurden drei ausgezeichnet. Die frühere Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hielt die Laudatio. Sie lobte das Engagement und betonte, dass es sich von professionellen Akteuren gar nicht finanzieren ließe. Ihre Botschaft: „Füreinander einstehen ist das, was uns in einer sozialen Demokratie ausmacht.“
Nach den Worten des ersten Vorsitzenden Dr. Gernot Rücker soll das Preisgeld dorthin fließen, wo die Idee noch fehlt: Der Verein will damit versuchen, an weiteren Unikliniken Fuß zu fassen. Außerdem versucht er, schwerstkranken Patientinnen und Patienten letzte Wünsche unbürokratisch zu erfüllen, wenn sich das machen lässt.
Ein großes Ziel, noch viel Weg Der Anspruch des Vereins ist hoch gesteckt: Künftig soll in ganz Deutschland kein Kind mehr einen meist anstrengenden Krankenhausaufenthalt allein durchstehen müssen. Davon ist das Projekt mit fünf Standorten noch ein gutes Stück entfernt, zumal es ausschließlich von Spenden lebt. Auch ersetzen ein paar Stunden Besuch keine Familie.
Für das Kind im Bett kann es trotzdem viel bedeuten, wenn jemand kommt, der keine Spritze und kein Fieberthermometer dabei hat, sondern ein Buch oder einen Bastelbogen. Und einfach mal Zeit.
Themen: Kliniknannys, Kinderklinik, Medizinstudierende, Ehrenamt, Kinderbetreuung, Tommy Nicht Allein, Charity Award
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