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Klimaretter Boden: Wie Humus CO₂ bindet und Landschaften kühlt
Gesunde Böden speichern Kohlenstoff und Wasser – und können ihre Umgebung durch Verdunstung abkühlen. Neue Programme und ein EU-weites Gesetz sollen dieses bislang unterschätzte Klimapotenzial besser schützen.
Von Denise ·
Klimaschutz beginnt unter unseren Füßen Wenn Wasser über Pflanzen und Boden verdunstet, wird der Umgebung Wärme entzogen. Dieser natürliche Vorgang heißt Evapotranspiration. Er sorgt dafür, dass bewachsene, ausreichend feuchte Landschaften an heißen Tagen deutlich kühler bleiben können als trockene oder versiegelte Flächen.
Welche Rolle der Boden dabei spielt, wird häufig unterschätzt. Ein humusreicher, gut durchwurzelter Boden nimmt Regenwasser auf, hält es länger in der Landschaft und versorgt Pflanzen auch während trockener Phasen. So bleibt die Verdunstungskühlung länger erhalten. Gleichzeitig gelangt über Pflanzenreste und Wurzeln Kohlenstoff in den Boden, wo ein Teil davon als Humus gespeichert wird.
Die Dimension ist beachtlich: Böden enthalten weltweit fast viermal so viel Kohlenstoff wie die gesamte Vegetation und etwa doppelt so viel wie die Atmosphäre. In Deutschland speichern allein Moorböden rund 1,3 Milliarden Tonnen Kohlenstoff – ungefähr so viel wie die Biomasse sämtlicher deutscher Wälder.
Kühlung mit Grenzen Dass feuchte, bewachsene Böden lokal und regional kühlen können, ist wissenschaftlich gut belegt. Eine Untersuchung für Afrika kam zu dem Ergebnis, dass großflächige Renaturierung die Landoberfläche im Mittel um etwa 0,2 Grad abkühlen könnte. Die Wirkung unterscheidet sich jedoch stark nach Region, Vegetation und Wasserverfügbarkeit.
Nicht ausreichend belegt ist dagegen die pauschale Behauptung, restaurierte Böden könnten weltweit eine dreimal stärkere Kühlwirkung entfalten als die gesamte menschengemachte Treibhausgas-Erwärmung. Diese Hochrechnung stammt aus einem Bericht der Initiative Save Soil und ist bislang kein wissenschaftlicher Konsens. Bodenschutz ergänzt deshalb die notwendige Senkung fossiler Emissionen – er ersetzt sie nicht.
Europa beginnt genauer hinzusehen Nach Angaben der EU-Kommission befinden sich 60 bis 70 Prozent der europäischen Böden in keinem gesunden Zustand. Seit Dezember 2025 gilt erstmals ein EU-weiter Rechtsrahmen zur einheitlichen Überwachung der Bodengesundheit. Ziel sind gesunde Böden bis 2050.
Besonders wirksam ist der Schutz von Moorböden. Rund 92 Prozent der 1,8 Millionen Hektar Moorböden Deutschlands sind entwässert. Das neue Förderprogramm „Palu“ soll die Wiedervernässung von etwa 90.000 Hektar ermöglichen und langfristig jährlich rund 2,25 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente einsparen. Landwirtschaft soll dort teilweise mit Schilf, Rohrkolben oder anderen nässeverträglichen Pflanzen weiter möglich bleiben.
Auch Zwischenfrüchte, vielfältige Fruchtfolgen, Hecken, Agroforstsysteme, dauerhaftes Grünland und weniger Bodenversiegelung helfen. Gesunde Böden lösen die Klimakrise nicht allein – aber sie verbinden Klimaschutz, Wasservorsorge, Artenvielfalt und Ernährungssicherheit auf derselben Fläche.
Klimaretter Boden: Wie Humus CO₂ bindet und Landschaften kühlt