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Kleine Maus, große Hoffnung: Auf den Orkney-Inseln kehrt eine seltene Art zurück
Auf den Orkney-Inseln zeigt sich, was möglich wird, wenn Artenschutz konsequent, wissenschaftlich und gemeinsam mit der Bevölkerung umgesetzt wird: Der seltene Orkney-Vole, der nur dort vorkommt, kehrt in sichtbaren Spuren zurück.
Manchmal beginnt eine große gute Nachricht sehr klein: mit winzigen Nagespuren im Gras, ein paar Halmen, sauber abgebissen, und unscheinbaren Kötteln in einem Quadrat aus schottischem Moorland. Für viele Menschen wären das Details, an denen sie achtlos vorbeigehen. Für die Naturschützerinnen und Naturschützer auf den Orkney-Inseln sind sie ein Signal, auf das sie seit Jahren gehofft haben.
Der Orkney-Vole, eine besondere Wühlmaus-Unterart, die nirgendwo sonst auf der Welt lebt, zeigt wieder deutlich mehr Aktivität. Die aktuellen Monitoringdaten des Orkney Native Wildlife Project deuten darauf hin: Dort, wo invasive Hermeline zurückgedrängt werden, gewinnt ein empfindliches Insel-Ökosystem wieder Luft zum Atmen.
Das klingt nach einer kleinen Geschichte. In Wahrheit erzählt sie von etwas Großem: davon, dass Artensterben nicht immer eine Einbahnstraße sein muss.
Ein Tier, das nur hier lebt Die Orkney-Inseln liegen nördlich des schottischen Festlands. Wind, Meer, Grasland, Klippen, Moore und alte Steinlandschaften prägen diese raue Inselwelt. Für viele Vögel sind die Inseln ein wichtiger Lebensraum, für Zugvögel ein Rastplatz, für Naturfreunde ein Sehnsuchtsort. Und für den Orkney-Vole sind sie die ganze Welt.
Der kleine Nager ist größer als viele andere Wühlmäuse, lebt oft verborgen in Gras und Tunneln und spielt eine erstaunlich wichtige Rolle im Ökosystem. Er ist nicht nur selbst eine seltene Art, sondern auch Nahrung für Greifvögel wie die Kornweihe und die Sumpfohreule. Wenn es dem Orkney-Vole gut geht, profitieren also auch andere Arten.
Genau deshalb war seine Lage so heikel, als ein neuer Räuber auf den Inseln auftauchte.
Als das Gleichgewicht kippte Hermeline wurden 2010 erstmals auf Orkney nachgewiesen. Für das schottische Festland sind sie nichts Ungewöhnliches. Für eine Inselgruppe wie Orkney aber, deren Tierwelt sich ohne solche bodennah jagenden Räuber entwickelt hatte, wurden sie zu einem ernsten Problem.
Hermeline sind wendig, schnell, gute Schwimmer und effiziente Jäger. Sie fressen kleine Säugetiere, Eier und Jungvögel. Auf Orkney fanden sie ideale Bedingungen: viel Nahrung, wenige natürliche Gegenspieler und zahlreiche Bodenbrüter, die auf einen solchen Räuber nicht vorbereitet waren.
Die Sorge war groß: Wenn sich die Hermeline weiter ausbreiten, könnten sie nicht nur den Orkney-Vole stark dezimieren, sondern auch seltene Vogelarten unter Druck setzen. Inselökosysteme reagieren besonders empfindlich auf invasive Arten, weil ihre Bewohner oft über Jahrtausende ohne bestimmte Fressfeinde gelebt haben.
Ein Projekt, das Geduld braucht 2019 startete das Orkney Native Wildlife Project mit einem ehrgeizigen Ziel: invasive Hermeline von den betroffenen Inseln entfernen und die heimische Tierwelt schützen. Dahinter stehen RSPB Scotland, NatureScot und der Orkney Islands Council, unterstützt von Förderern und vielen Menschen vor Ort.
Das Projekt ist aufwendig. Es braucht Fallen, Monitoring, Fachwissen, Spürhunde, digitale Technik, freiwillige Helferinnen und Helfer, Zugang zu Landflächen und vor allem Ausdauer. Denn invasive Arten verschwinden nicht, weil man einmal eingreift. Sie verschwinden nur, wenn man lange genug dranbleibt.
Genau das scheint nun Wirkung zu zeigen.
Seit Beginn des Projekts wurden Tausende Hermeline entfernt. Gleichzeitig erfassen Teams regelmäßig, wie sich wichtige Arten entwickeln. Beim Orkney-Vole geschieht das nicht durch einfaches Zählen der Tiere – dafür leben sie zu versteckt. Stattdessen suchen die Teams nach Aktivitätszeichen: Kot, frisch geschnittene Grashalme und andere Spuren, die zeigen, ob die Tiere in einem Gebiet aktiv sind.
Und diese Spuren erzählen eine ermutigende Geschichte.
Die Spuren im Gras werden mehr Im Frühjahr 2025 erreichte die Aktivität des Orkney-Vole auf den untersuchten Flächen den höchsten Stand seit Beginn der regelmäßigen Erhebungen im Jahr 2019. Auch im Herbst blieb die Aktivität hoch, auch wenn die Daten dort komplexer ausfallen.
Das ist kein Grund für Entwarnung ohne Einschränkung. Es bedeutet nicht automatisch, dass alle Bestände vollständig gesichert sind. Aber es ist ein starkes Zeichen: Weniger Druck durch invasive Räuber kann heimischen Arten helfen, sich zu erholen.
Besonders spannend ist, dass die Rückkehr des Orkney-Vole offenbar auch anderen Tieren zugutekommt. Kornweihen und Sumpfohreulen, die auf Orkney stark mit dem Vorkommen der Wühlmäuse verbunden sind, zeigen ebenfalls positive Entwicklungen. Bei den Kornweihen wurden 2025 so viele Brutversuche bestätigt wie seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr. Die Zahl der Sumpfohreulen an Brutstandorten hat sich seit den schwachen Jahren 2019 und 2020 ebenfalls erholt.
Das ist die eigentliche Kraft dieser Nachricht: Es geht nicht nur um ein einzelnes Tier. Es geht um ein Netzwerk aus Leben, das wieder stabiler wird.
Warum diese Geschichte über Orkney hinaus wichtig ist Weltweit zählen invasive Arten zu den großen Treibern des Biodiversitätsverlusts. Besonders Inseln sind gefährdet. Dort können eingeschleppte Räuber, Pflanzen oder Krankheitserreger ganze Populationen innerhalb kurzer Zeit verändern oder auslöschen.
Die Orkney-Inseln zeigen nun, dass Gegenmaßnahmen wirken können – wenn sie gut geplant, wissenschaftlich begleitet und gesellschaftlich getragen werden. Artenschutz ist dabei selten romantisch einfach. Er ist oft mühsam, technisch, teuer und voller schwieriger Abwägungen. Auch die Entfernung invasiver Tiere ist ethisch nicht leichtfertig zu betrachten. Doch bei Inseln kann sie der entscheidende Unterschied sein zwischen dauerhaftem Verlust und echter Erholung.
Die gute Nachricht ist deshalb nicht: Alles ist gelöst. Die gute Nachricht ist: Eine bedrohte Natur bekommt wieder eine Chance.
Ein leises Comeback mit großer Botschaft Der Orkney-Vole wird vermutlich nie ein Symboltier wie der Panda oder der Tiger. Er ist klein, scheu und lebt größtenteils verborgen. Aber vielleicht macht ihn genau das so passend für diese Geschichte.
Denn viele Fortschritte im Naturschutz beginnen nicht spektakulär. Sie beginnen mit Datenreihen, mit Freiwilligenarbeit, mit Menschen, die bei schlechtem Wetter über Wiesen laufen und nach Spuren suchen. Sie beginnen mit Gemeinden, die mitmachen. Mit Forschenden, die genau hinschauen. Mit der Entscheidung, ein Problem nicht hinzunehmen.
Auf Orkney zeigt sich: Wenn der Mensch ein Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringt, kann er auch Verantwortung übernehmen, um es wieder zu stabilisieren.
Und manchmal sieht Hoffnung aus wie ein kleines Tier im Gras.
Warum das Hoffnung macht
Weil die Entwicklung zeigt, dass gezielter, langfristiger Naturschutz messbare Wirkung haben kann. Wenn invasive Arten reduziert werden, können bedrohte heimische Tiere zurückkehren – und mit ihnen ganze ökologische Beziehungen, von kleinen Wühlmäusen bis zu seltenen Greifvögeln.
Was du tun kannst
nformiere dich über invasive Arten in deiner Region, unterstütze seriöse Naturschutzprojekte und achte bei Reisen, Gartenpflanzen oder Haustieren darauf, keine Arten unbeabsichtigt in empfindliche Lebensräume zu bringen. Auch kleine Entscheidungen können helfen, biologische Vielfalt zu schützen.
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Kleine Maus, große Hoffnung: Auf den Orkney-Inseln kehrt eine seltene Art zurück