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Jugendliche trinken so selten regelmäßig Alkohol wie nie seit 1979
Nur noch 6,8 Prozent der 12- bis 17-Jährigen in Deutschland trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol – der niedrigste Wert, seit die Langzeitstudie Jugendliche dazu befragt. Die neuen Zahlen zeigen einen großen Erfolg und eine Baustelle, die bleibt.
Von Denise ·
Manche Entwicklungen sieht man nicht von Jahr zu Jahr, sondern erst, wenn man ein halbes Jahrhundert zurückblickt. Der Alkoholkonsum junger Menschen in Deutschland ist so eine Geschichte. Seit 1973 befragt das heutige Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) in Köln alle paar Jahre Jugendliche und junge Erwachsene. Im September 2026 erschien der Teilband Alkohol zur Befragung von 2025 – und er zeigt einen Wert, den es in dieser Reihe noch nie gab.
Von fast einem Drittel auf unter zehn Prozent Die Forschenden fragen unter anderem, wer in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal pro Woche Alkohol getrunken hat. Für die 12- bis 17-Jährigen lässt sich diese Zahl bis 1979 zurückverfolgen.
Damals traf das auf 32,8 Prozent der Jungen zu, also fast auf jeden dritten. 2025 waren es 9,2 Prozent. Bei den Mädchen sank der Anteil von 17,6 auf 4,1 Prozent. Über alle 12- bis 17-Jährigen hinweg trinken heute 6,8 Prozent wöchentlich Alkohol – 1979 waren es 25,4 Prozent, also etwa jeder Vierte.
Das BIÖG spricht von einem historischen Tiefstand. Auch gegenüber der vorigen Befragung von 2023 ist der Anteil noch einmal gesunken.
Warum junge Menschen heute seltener trinken, lässt sich aus den Befragungsdaten allein nicht ablesen. Sie zeigen, wie sich der Konsum verändert hat, nicht, wodurch.
Später, seltener – oder gar nicht Der lange Trend zeigt sich auch in anderen Zahlen. 2001 hatten 87,0 Prozent der 12- bis 17-Jährigen schon einmal Alkohol getrunken, 2025 waren es 58,9 Prozent. Immer mehr Jugendliche probieren Alkohol also gar nicht erst.
Das erste Glas trinken junge Menschen heute im Schnitt mit 15,1 Jahren – 2004 waren es 14,1 Jahre. Den Anteil der Jugendlichen, die in den letzten 30 Tagen vor der Befragung Alkohol getrunken hatten, beziffert die Studie für 2004 auf 58,4 Prozent, für 2025 auf 32,9 Prozent.
Auch bei den 18- bis 25-Jährigen ist der wöchentliche Konsum auf dem tiefsten Stand der Reihe: 25,0 Prozent trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol.
„Die Entwicklung geht in die richtige Richtung“, kommentierte Hendrik Streeck, der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, die Ergebnisse.
Die Baustelle: Rauschtrinken Zur ehrlichen Bilanz gehört die andere Seite. Beim Rauschtrinken – vier bis fünf Gläser oder mehr bei einer Gelegenheit – sieht die Studie in den letzten zehn Jahren bei Jugendlichen keinen Rückgang. 14,7 Prozent der 12- bis 17-Jährigen hatten sich in den 30 Tagen vor der Befragung in einen Rausch getrunken. Bei den 16- und 17-Jährigen war es fast ein Drittel (32,5 Prozent).
Auch der Rückgang beim gelegentlichen Trinken stockt: Der 30-Tage-Wert der Jugendlichen stagniert laut Studie seit 2016. Streeck warnte, es wäre falsch, aus den Zahlen Entwarnung abzuleiten.
Einen politischen Schritt gibt es bereits: Im August 2026 hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf gebilligt, der das sogenannte begleitete Trinken abschafft. Bisher dürfen 14- und 15-Jährige in Begleitung ihrer Sorgeberechtigten Bier, Wein oder Sekt trinken – diese Ausnahme soll entfallen. Beschlossen ist das noch nicht, als Nächstes berät der Bundestag. Für Streeck ist die Abschaffung „ein längst überfälliger Schritt“.
Wie belastbar sind die Zahlen? Für die aktuelle Welle hat das Institut zwischen April und Juli 2025 insgesamt 7.001 junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren am Telefon befragt, die Stichprobe gilt als repräsentativ für Deutschland. Wie bei jeder Befragung beruhen die Angaben auf dem, was die jungen Menschen selbst berichten. Und nicht alle machen mit: Am Festnetz nahm gut ein Drittel der Angefragten teil, am Handy gut ein Viertel.
Unterm Strich bleibt ein Langzeittrend, der sich sehen lassen kann: Regelmäßiges Trinken ist unter Jugendlichen in Deutschland heute die Ausnahme. Beim Rauschtrinken ist die Entwicklung noch nicht so weit.
Themen: Alkoholkonsum Jugendliche, Suchtprävention, Rauschtrinken, Jugendgesundheit, BIÖG Studie, Deutschland
Jugendliche trinken so selten regelmäßig Alkohol wie nie seit 1979