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Innere Stimme: Was unsere Pupillen über das Denken verraten
Unsere Augen verraten mehr über unsere Gedanken als vermutet. Forschende in Japan zeigen: Beim lauten und stillen Zählen reagieren die Pupillen unterschiedlich. Die Entdeckung könnte helfen, die Entwicklung unserer inneren Stimme besser zu verstehen.
Von Tobias ·
Unsere Augen verraten, wie wir mit uns selbst sprechen „Was wollte ich gerade noch erledigen?“ Oder: „Eins, zwei, drei … bloß nichts vergessen!“ Fast ständig führen wir kleine Gespräche mit uns selbst. Niemand hört sie, niemand sieht sie. Doch ganz unsichtbar bleiben unsere Gedanken offenbar nicht. Denn unsere Pupillen reagieren darauf, wie wir innerlich sprechen.
Forschende der japanischen Universität Tsukuba und der Ritsumeikan-Universität haben herausgefunden, dass sich unsere Augen unterschiedlich verhalten, je nachdem, ob wir laut sprechen oder lediglich im Kopf Wörter formen. Die am 15. Oktober 2026 vorgestellte Untersuchung erschien im Fachjournal iScience .
Drei Experimente, überraschend unterschiedliche Reaktionen Für ihre Untersuchung ließen die Wissenschaftler junge Erwachsene Zahlen zählen. Mal laut, mal ausschließlich in Gedanken. Zusätzlich gab es Ruhephasen als Vergleich.
Dabei verwendeten sie drei unterschiedliche Aufgaben: einfaches Zählen von eins aufwärts, das Verbinden von Zahlen mit Begriffen wie „eine Katze, zwei Katzen“ und anspruchsvolleres Zählen in Dreierschritten.
Währenddessen zeichneten Messgeräte kleinste Veränderungen der Pupillengröße auf.
Das auffälligste Ergebnis: Beim lauten Zählen erweiterten sich die Pupillen in allen drei Experimenten. Beim stillen Zählen sah das überraschend anders aus.
Bei einfachen Zahlenfolgen wurden die Pupillen sogar kleiner. Beim Zählen mit Begriffen blieb ihre Größe weitgehend unverändert. Erst beim anspruchsvolleren Zählen in Dreierschritten erweiterten sie sich.
Und selbst dann fiel die Reaktion schwächer aus als beim lauten Sprechen.
Warum unsere Augen beim Denken mitmachen Die Pupillen reagieren nicht nur auf Helligkeit, sondern auch auf geistige Anstrengung und den Aktivierungszustand unseres Nervensystems.
Die Ergebnisse deuten deshalb darauf hin, dass unsere innere Stimme mit einer geringeren physiologischen Aktivierung verbunden ist als ausgesprochenes Sprechen.
Interessant ist das, weil beide Sprachformen teilweise dieselben neuronalen Netzwerke nutzen. Die Stimme in unserem Kopf ist demnach keine physiologisch identische, nur stumm geschaltete Version unserer gesprochenen Sprache.
Gedanken lassen sich damit allerdings nicht einfach ablesen. Die Pupillengröße verrät weder bestimmte Wörter noch persönliche Gefühle. Sie liefert lediglich zusätzliche Hinweise auf Prozesse, die unser Denken begleiten.
Eine neue Möglichkeit, Kinder besser zu verstehen Besonders interessant könnte die Methode für die Entwicklungsforschung werden.
Kleine Kinder können oft noch nicht erklären, welche Wörter sie in Gedanken verwenden. Eine Untersuchung der Pupillen könnte künftig helfen, die Entwicklung dieser inneren Sprache besser zu erforschen.
Dass sich hier spannende Fragen stellen, zeigte bereits eine weitere Studie aus Tsukuba: Demnach wird das stille Zählen während der frühen Kindheit zunehmend zuverlässiger. Etwa im Alter von fünf Jahren gelingt es Kindern häufiger, vollständig im Kopf zu zählen.
Ob die neue Pupillenmethode auch bei kleinen Kindern zuverlässig funktioniert, muss allerdings erst untersucht werden.
Langfristig könnte sie zudem neue Erkenntnisse darüber liefern, wie wir uns mit inneren Worten motivieren, beruhigen oder bei schwierigen Aufgaben konzentrieren.
Die schöne Erkenntnis dieser Forschung: Selbst wenn wir schweigen, ist in unserem Kopf einiges los. Und manchmal erzählen unsere Augen ein kleines Stück davon.