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Industrie holt auf: 4,4 Prozent mehr Aufträge – doch das August-Minus war größer
Autobau und Maschinenbau treiben das Plus im September. Den Einbruch vom August gleicht es aber noch nicht aus.
Von Max ·
Die deutsche Industrie hat im September wieder deutlich mehr Bestellungen erhalten: Real, also um Preisänderungen bereinigt, und saison- sowie kalenderbereinigt waren es 4,4 Prozent mehr als im August. Das geht aus vorläufigen Zahlen hervor, die das Statistische Bundesamt am 5. November veröffentlicht hat. Wer jetzt schon die Sektkorken knallen lassen möchte, sollte kurz nachrechnen: Im August waren die Aufträge um 10,1 Prozent gefallen. Das Plus macht den Rückgang also nicht wett. Trotzdem steckt in den neuen Zahlen eine gute Nachricht, und sie liegt eine Ebene tiefer.
Das eigentlich Erfreuliche: das Plus ohne Großaufträge Großaufträge können die Statistik kräftig durchschütteln. Bestellungen von Flugzeugen oder Schiffen etwa können die Monatsbilanz stark verschieben. Deshalb lohnt der Blick auf die Zahl ohne solche Ausreißer, und die fällt mit einem Plus von 5,1 Prozent sogar höher aus als der Gesamtwert. Auch ohne Großaufträge sind die Bestellungen also spürbar gestiegen.
Auch der Einbruch im August hatte viel mit diesem Effekt zu tun. Im Juli waren außergewöhnlich viele Großaufträge im Sonstigen Fahrzeugbau eingegangen, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge zählen. Danach ging es dort im August steil abwärts. Ohne Großaufträge lag das Minus damals nach den ersten Zahlen nur bei 0,1 Prozent.
Autobau und Maschinenbau ziehen an Einen großen Anteil am Plus im September hatte die Autoindustrie, deren Bestellungen um 10,5 Prozent zum Vormonat stiegen. Ganz so glänzend, wie es klingt, ist das allerdings nicht: In den beiden Monaten zuvor hatten unter anderem Produktionsumstellungen und Werksferien die Bestellungen gedrückt. Der Zuwachs setzt also auf einem niedrigen Niveau auf.
Der Maschinenbau kam auf 8,3 Prozent, wobei ein Großauftrag für Verbrennungsmotoren und Turbinen mithalf. Im Sonstigen Fahrzeugbau gingen die Aufträge dagegen um 10,4 Prozent zurück; dort hatte es in diesem Jahr bereits teils sehr umfangreiche Großaufträge gegeben.
Im Inland fiel das Plus deutlich höher aus als im Ausland: Die Inlandsaufträge stiegen um 6,6 Prozent, die Auslandsaufträge um 2,8 Prozent. Aus der Eurozone kamen 4,5 Prozent mehr Bestellungen, von außerhalb der Eurozone 1,6 Prozent mehr. Auch im Vergleich zum September des Vorjahres ergibt sich ein Zuwachs, und zwar von 3,3 Prozent.
Ökonomen sehen Licht, aber auch Grenzen Von Reuters befragte Fachleute hatten sogar mit 4,8 Prozent gerechnet, die Erwartung wurde also knapp verfehlt. Mehrere Volkswirte zeigen sich dennoch angetan. „Die Sommerflaute ist vorbei“, urteilt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, hält es für wahrscheinlicher geworden, dass die Aufträge ihren Seitwärtstrend der vergangenen anderthalb Jahre verlassen und steigen. Seine Begründung: „Auch ohne die stark schwankenden Großaufträge zogen die Orders im September kräftig an.“
Ein Monat macht allerdings noch keine Trendwende. Im gesamten dritten Quartal lagen die Aufträge nur 0,2 Prozent über dem Vorquartal, ohne Großaufträge waren es 0,1 Prozent. Und Bestellungen sind noch keine fertigen Produkte: Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Bank Bethmann HAL, gibt zu bedenken, dass Standortnachteile und Energiepreise die Produktion bremsen. Auch Marc Schattenberg von Deutsche Bank Research sieht im Strukturwandel, etwa in der Autobranche, eine große Herausforderung. Die vorhandenen Auftragsbestände in vielen Branchen dürften aus seiner Sicht aber die Grundlage für eine baldige Erholung der Industrie legen.
Beim Umsatz geht es unterdessen in kleinen Schritten voran: Das Verarbeitende Gewerbe setzte im September real 0,2 Prozent mehr um als im Vormonat und 2,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Kein Feuerwerk, aber immerhin ein Plus. Ob der Schwung bleibt, zeigen die kommenden Monate. Die September-Zahlen sind zudem vorläufig und können sich noch ändern, wie gerade der August gezeigt hat: Sein Minus wurde von zunächst 10,6 auf 10,1 Prozent korrigiert.
Themen: Industrie, Auftragseingang, Konjunktur, Statistisches Bundesamt, Autoindustrie, Maschinenbau, Wirtschaft Deutschland
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