Politik | Wirtschaft | Finanzen
ifo-Umfrage: Firmen wollen weniger Stellen abbauen – Dienstleister planen mehr Personal
Das ifo-Beschäftigungsbarometer steigt auf 95,5 Punkte. Noch kein Jobaufschwung – aber ein Lichtblick für den Herbst.
Von Max ·
Es ist keine Schlagzeile, die Sektkorken knallen lässt. Aber nach einem schwierigen Jahr für den Arbeitsmarkt ist es eine, die aufatmen lässt: Die Unternehmen in Deutschland wollen weniger Stellen streichen als zuletzt. Das zeigt das ifo-Beschäftigungsbarometer, das das ifo Institut am 28. Oktober 2026 veröffentlicht hat. Der Wert stieg im Oktober auf 95,5 Punkte, nach 95,1 Punkten im September.
„Die Unternehmen werden beim Stellenabbau etwas vorsichtiger“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. Er bremst allerdings auch gleich die Euphorie: Für einen breiten Aufbau von Arbeitsplätzen sei der Aufschwung noch nicht stark genug.
Vom Tiefpunkt im April langsam nach oben Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein Blick zurück. Im April war das Barometer auf 91,3 Punkte gefallen – den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Damals machte das ifo vor allem die geopolitische Unsicherheit dafür verantwortlich, die bis in die Personalplanung der Firmen durchschlug. Seit dem Sommer hat sich der Wert erholt: von 93,0 Punkten im Juli auf 94,8 im August, 95,1 im September und nun 95,5 im Oktober.
Das sind kleine Schritte, aber sie zeigen in dieselbe Richtung. Schon im September hatte Wohlrabe von einer Stabilisierung gesprochen, zugleich aber betont, dass eine echte Erholung noch nicht in Sicht sei.
Wer einstellen will – und wer nicht Am freundlichsten sieht es bei den Dienstleistern aus: Sie planen eher, zusätzliches Personal einzustellen. Auch bei den Zeitarbeitsfirmen wächst laut ifo die Zuversicht, weil sich die Konjunkturaussichten verbessert haben.
In der Industrie sieht es gemischter aus. Insgesamt planen die Unternehmen dort weiter mit weniger Personal, die Lage hat sich gegenüber September sogar leicht verschlechtert. Vor allem in der Autoindustrie sollen weitere Stellen wegfallen. Es gibt aber auch Gegenbeispiele: Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie von elektronischen und optischen Erzeugnissen wollen mehr Menschen einstellen. Einen Personalaufbau hatte die Industrie insgesamt zuletzt Anfang 2023 geplant.
Im Handel planen die Firmen unverändert mit weniger Beschäftigten, im Baugewerbe deutet sich ein leichter Stellenabbau an.
Rückenwind aus dem Export Ein zweites Signal aus derselben Woche passt ins Bild. Am 27. Oktober meldete das ifo, dass die Exporterwartungen der Industrie im Oktober von 9,0 auf 12,2 Punkte gestiegen sind – der höchste Wert seit Februar 2022. „Vor allem die Automobilindustrie hat ihre Exportaussichten deutlich nach oben korrigiert“, sagt Wohlrabe dazu. Auch Maschinenbauer, Hersteller elektrischer Ausrüstungen und die Getränkeindustrie rechnen mit gutem Geschäft im Ausland. Die Chemie und das Papiergewerbe erwarten dagegen sinkende Ausfuhren.
Bemerkenswert ist der Blick auf die Autobranche: Sie hofft auf mehr Exporte, will aber trotzdem weiter Stellen abbauen. Bessere Aussichten kommen also nicht automatisch sofort als neue Jobs an.
So entsteht das Barometer Das ifo-Beschäftigungsbarometer beruht auf rund 9.500 Antworten von Unternehmen, die das Institut jeden Monat befragt. Die Firmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen geben an, wie sie ihre Beschäftigtenzahl in den kommenden drei Monaten planen. Das Barometer misst also Absichten, keine tatsächlich geschaffenen oder gestrichenen Stellen. Weil die Firmen dabei nach vorn blicken, liefert es einen frühen Hinweis darauf, wohin sich der Arbeitsmarkt bewegen könnte.
Und dieser Hinweis ist im Oktober ein vorsichtig guter: Der Abbau verliert an Tempo, die Dienstleister wollen wachsen, und die Exporteure blicken so optimistisch nach vorn wie seit über vier Jahren nicht. Ein Jobwunder ist das noch nicht – aber eine Richtung, die Mut macht.
Themen: ifo-Beschäftigungsbarometer, Arbeitsmarkt, Konjunktur, Stellenabbau, Dienstleister, Exporterwartungen, ifo Institut, Wirtschaft Deutschland
ifo-Umfrage: Firmen wollen weniger Stellen abbauen – Dienstleister planen mehr Personal