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Hitzeschutz NRW: 500.000 Euro schützen Wohnungslose
Hitzeschutz NRW: Das Land verdoppelt die Sommerhilfe für wohnungslose Menschen auf 500.000 Euro. Was die Maßnahme leistet – und was fehlt.
Von Max ·
Mehr Geld für akute Sommerhilfe Das Sozialministerium hatte Ende Juni zunächst 250.000 Euro freigegeben und den Betrag am 29. Juli um weitere 250.000 Euro erhöht. Freie Träger und Initiativen der Wohnungslosenhilfe können damit unter anderem Trinkwasserflaschen, leichte Schutzkleidung, Sonnensegel und Sonnencreme beschaffen. Die Organisationen dürfen bereits vor dem formalen Förderbescheid beginnen, damit Hilfe während einer laufenden Hitzephase nicht an Verwaltungsfristen scheitert.
Die Aufstockung trifft auf einen großen Bedarf. In Nordrhein-Westfalen waren Ende Januar 2025 insgesamt 117.885 Menschen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Das waren 12.765 mehr als ein Jahr zuvor. Mehr als ein Viertel der erfassten Personen waren minderjährig. Diese Statistik umfasst allerdings keine Menschen, die ohne Unterkunft auf der Straße leben, und auch keine verdeckte Wohnungslosigkeit bei Bekannten oder Angehörigen.
Für Menschen ohne geschützten Rückzugsort ist Hitze besonders riskant. Fehlendes Trinkwasser, chronische Erkrankungen, eingeschränkte Mobilität sowie Alkohol- oder Drogenkonsum können Dehydrierung, Kreislaufprobleme und Infektionen verschärfen. Hilfsorganisationen weisen zudem darauf hin, dass Warnzeichen einer Überhitzung zu spät erkannt werden können. Schutz braucht deshalb mehr als Material: erreichbar geöffnete Räume, Duschen und aufsuchende medizinische Angebote.
Akuthilfe ersetzt keine Wohnung Das Landesamt für Gesundheit und Arbeitsschutz NRW ergänzt die Förderung durch eine neue Handlungshilfe für Kommunen. Sie bündelt Maßnahmen wie aufsuchende Versorgung, verlässliche Informationen, kühle Aufenthaltsorte und die Beteiligung Betroffener an lokalen Schutzkonzepten. Damit geht der Ansatz über das Verteilen einzelner Hilfsgüter hinaus.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe bewertet lokale Hitzehilfen grundsätzlich positiv, fordert aber verbindliche und dauerhaft finanzierte Strukturen. Geschäftsführerin Sabine Bösing bringt die Grenze der Akuthilfe auf den Punkt: „Ausreichend bezahlbarer Wohnraum ist der beste Hitzeschutz.“ Sommerprogramme können unmittelbare Gefahren mindern, beenden jedoch weder Obdachlosigkeit noch den Mangel an geschützten Räumen.
Was noch offen ist: Das Land nennt bislang keine öffentlich ausgewiesenen Ziele dazu, wie viele Menschen mit den zusätzlichen Mitteln erreicht werden sollen. Auch belastbare Daten zur Wirkung der geförderten Maßnahmen fehlen. Zudem entspricht die Zahl der untergebrachten Wohnungslosen nicht der besonders gefährdeten Gruppe der Menschen, die tatsächlich draußen lebt.
Als nächste Schritte können Träger die zusätzlichen Mittel unmittelbar einsetzen. Parallel sollen Kommunen die neue Handlungshilfe in ihre Hitzeaktionsplanung aufnehmen. Entscheidend wird sein, ob aus der kurzfristigen Sommerhilfe dauerhafte Zugänge zu Wasser, Schatten, medizinischer Versorgung und Wohnraum entstehen.