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Hilfsbereiter als vor Corona: Gute Taten weltweit noch rund 10 Prozent häufiger
Während der Pandemie haben Menschen weltweit öfter gespendet, sich engagiert und Fremden geholfen. Laut World Happiness Report 2025 ist davon viel geblieben: 2024 lagen gute Taten noch rund zehn Prozent über dem Niveau von 2017 bis 2019.
Von Madalina ·
Die Pandemie war für viele Menschen eine Zeit der Not. Zugleich war es eine Zeit, in der andere mit anpackten. Wie viel von dieser Hilfsbereitschaft geblieben ist, lässt sich inzwischen messen. Die Bilanz des World Happiness Report 2025 fällt erfreulich aus: Menschen weltweit tun noch immer spürbar mehr Gutes als in den Jahren vor Corona.
Drei Fragen, jedes Jahr Die Daten stammen aus dem Gallup World Poll. Dafür werden in jedem Land in der Regel jährlich rund 1.000 Menschen befragt. Drei Fragen drehen sich um Hilfsbereitschaft: Hast du im vergangenen Monat Geld für einen guten Zweck gespendet? Hast du dich ehrenamtlich engagiert? Hast du einem Fremden geholfen?
Herausgegeben wird der Bericht vom Wellbeing Research Centre der Universität Oxford, gemeinsam mit Gallup und dem Netzwerk für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDSN).
Der Schub kam 2020 und hielt an Ab 2020 nahmen gute Taten in jeder Weltregion zu. Angeführt wurde der Anstieg vom Helfen gegenüber Fremden. Bemerkenswert finden die Forschenden vor allem, wie lange der Effekt anhielt. Im Bericht ist von einem „benevolence bump“ die Rede, einem Schub an Wohlwollen, der sich seitdem gehalten hat.
2024 lagen Spenden, Ehrenamt und Hilfe für Fremde weltweit noch rund zehn Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. Beim Helfen von Fremden beträgt das Plus im weltweiten Schnitt sogar 18 Prozent, und höher als vor der Pandemie liegt es hier in allen Weltregionen. Laut Bericht zieht sich der Anstieg durch alle Generationen und fast alle Regionen.
Ehrlich gesagt: Der Effekt wird kleiner Zur ganzen Wahrheit gehört: Von 2023 auf 2024 gingen gute Taten in den meisten Regionen messbar zurück. Stabil blieben sie nur in Südostasien, Südasien und Afrika südlich der Sahara. In Nordamerika, Australien und Neuseeland lag der Gesamtwert 2024 nicht mehr signifikant über dem Niveau vor der Pandemie. Das Helfen von Fremden allerdings schon.
Die Forschenden sehen also eine Bewegung zurück in Richtung der Zeit vor Corona. Abgeschlossen ist sie aber noch nicht.
Wir unterschätzen einander Ein zweiter Befund des Berichts passt dazu: Wir halten andere für weniger hilfsbereit, als sie tatsächlich sind. Das zeigen Experimente mit absichtlich „verlorenen“ Geldbörsen. In einer Studie in 40 Ländern kamen 1,8-mal so viele Geldbörsen zurück, wie Befragte erwartet hatten. In Toronto rechneten die Menschen mit einer Rückgabequote von 23 Prozent. Tatsächlich kamen mehr als 80 Prozent zurück.
Das ist mehr als eine Kuriosität. Laut Bericht hängt unser Wohlbefinden auch davon ab, wie wir die Freundlichkeit anderer einschätzen. Zu viel Pessimismus kann also unnötig auf die Stimmung drücken.
Und Deutschland? Eine eigene Zeitreihe für Deutschland enthält der Bericht nicht. In seiner Ländertabelle mit Daten von 2022 bis 2024 steht Deutschland beim Spenden auf Rang 26, beim Ehrenamt auf Rang 67 und beim Helfen von Fremden auf Rang 82. Bei der Lebenszufriedenheit lag Deutschland in diesem Bericht auf Platz 22.
Auffällig ist das Vertrauen: In einer Befragung von 2019 sollten Menschen einschätzen, ob eine verlorene Geldbörse zu ihnen zurückkäme. Besonders zuversichtlich waren die Deutschen, wenn die Polizei sie findet: Hier liegt Deutschland auf Platz 3. Bei Nachbarn reicht es für Platz 6, bei Fremden für Platz 15.
Helfen, das auch den Helfenden guttut Der Bericht nennt auch Bedingungen, unter denen Hilfe beide Seiten glücklicher macht: wenn sie freiwillig geschieht, wenn es wirklich um die andere Person geht und nicht um das eigene gute Gefühl, und wenn die Wirkung klar erkennbar ist. Und noch etwas: In Ländern mit viel Hilfsbereitschaft profitieren am stärksten die, denen es am schlechtesten geht. Glück ist dort gleichmäßiger verteilt.
Die Krise hat also etwas hinterlassen, das bis heute nachwirkt. Und wer das nächste Mal das Portemonnaie verliert, darf zuversichtlicher sein, als das Bauchgefühl sagt.
Themen: Hilfsbereitschaft, Gute Taten, World Happiness Report, Nach Corona, Ehrenamt, Menschlichkeit
Hilfsbereiter als vor Corona: Gute Taten weltweit noch rund 10 Prozent häufiger