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Hib-Impfung: Hirnhautentzündung durch Hib ist bei Kleinkindern selten geworden
Vor 1990 erkrankten in Deutschland Schätzungen zufolge jedes Jahr über tausend Menschen, vor allem Kleinkinder, durch das Bakterium Hib an Hirnhaut- oder Kehldeckelentzündung. Seit es die Impfung gibt, ist die Hib-Hirnhautentzündung bei Kindern unter fünf Jahren stark zurückgegangen – eine stille Erfolgsgeschichte.
Von Ulrike ·
Drei Buchstaben, die in den meisten Impfpässen von Kindern stehen: Hib. Dahinter steckt das Bakterium Haemophilus influenzae Typ b – und eine leise Erfolgsgeschichte der deutschen Kindermedizin.
Denn bevor es eine Impfung gab, war Hib für Kleinkinder eine echte Gefahr. Heute ist die Hib-Hirnhautentzündung bei Kleinkindern in Deutschland selten geworden. Wie kam es dazu?
Ein Erreger, der vor allem die Kleinsten traf Hib kann eine eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) auslösen. Laut Robert Koch-Institut (RKI) beginnt sie oft schlagartig: plötzliches Fieber, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit, nicht selten Bewusstseinsstörungen bis zum Koma. Selbst in Industrieländern mit guter medizinischer Versorgung sterben etwa fünf Prozent der Erkrankten. Von den Überlebenden behalten bis zu 25 Prozent einen bleibenden Hörverlust oder andere neurologische Schäden.
Gefürchtet war auch die Kehldeckelentzündung (Epiglottitis), die meist ebenfalls auf Hib zurückgeht. Sie kann sich innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich zuspitzen.
Wie verbreitet das war, zeigen ältere Studien: Vor Einführung der Impfung erkrankten in Deutschland je nach Erhebung zwischen 23 und 50 von 100.000 Kindern unter fünf Jahren an einer Hib-Meningitis, so das RKI. Eine Übersichtsarbeit von Forschenden um R. von Kries nennt eine ältere Schätzung, nach der es in Deutschland damals rund 1.600 Fälle von Hib-Meningitis und -Epiglottitis pro Jahr gab.
1990: Die Impfung kommt in den Kalender Seit 1990 wird die Hib-Impfung in Deutschland für Säuglinge und Kleinkinder unter fünf Jahren empfohlen. Möglich machte das ein sogenannter Konjugatimpfstoff, der Ende der 1980er-Jahre entwickelt wurde.
Die Wirkung zeigte sich schnell. Nach Einführung der Impfung sank die Häufigkeit der Hib-Meningitis bei Kindern unter fünf Jahren laut RKI auf 0,7 pro 100.000. Die bundesweite Überwachung über Kinderkliniken und Labore (ESPED) zählte Ende der 1990er-Jahre nur noch 28 invasive Hib-Erkrankungen im Jahr 1998 und 13 im Jahr 1999. Rund 1.600 geschätzte Fälle pro Jahr vorher, keine 30 danach: Auch wenn beide Zahlen nicht ganz dasselbe erfassen, ist der Unterschied nach nicht einmal einem Jahrzehnt enorm.
Die Kehldeckelentzündung, einst in Kinderkliniken gefürchtet, tritt laut RKI heute praktisch nur noch bei ungeimpften Kindern oder bei Erwachsenen auf.
Ein weltweiter Erfolg Deutschland steht damit nicht allein. 2013 hatten laut RKI 95 Prozent der Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Hib-Impfung in ihren Impfkalender aufgenommen. Wo das geschah, sanken invasive Hib-Erkrankungen um bis zu 90 Prozent. Wo nicht geimpft wird, ist Hib dagegen bis heute die Hauptursache bakterieller Hirnhautentzündungen außerhalb von Epidemien bei Babys im ersten Lebensjahr – ein Hinweis darauf, was die Impfung hierzulande verhindert.
Weniger Spritzen, gleicher Schutz Heute wird Hib in Deutschland zusammen mit anderen Impfungen in einem Kombinationsimpfstoff gegeben; Einzelimpfstoffe sind laut RKI derzeit nicht im Handel. Seit August 2020 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für reif geborene Babys drei Dosen: mit zwei, vier und elf Monaten. Frühgeborene bekommen eine zusätzliche Dosis. Wer als Kleinkind zwischen einem und vier Jahren noch nicht geimpft ist, kann die Impfung mit einer einzigen Dosis nachholen.
Was noch zu tun bleibt Ganz verschwunden ist Hib nicht. Das RKI nennt für Deutschland etwa 20 bis 50 Hib-Erkrankungen pro Jahr; 2024 waren es nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts insgesamt 33. Säuglinge haben laut RKI weiterhin das höchste Risiko. In Hamburg kam es 2024/2025 zudem zu einer Häufung von Hib-Infektionen vor allem bei Menschen, die Drogen konsumieren oder wohnungslos sind. In zwei Hamburger Drogenkonsumräumen wurden daraufhin Impfungen angeboten.
Auch beim Impfschutz der Kleinsten gibt es Luft nach oben: Laut RKI lag die Hib-Impfquote bei Kindern im Alter von 24 Monaten 2024 bei 75 Prozent, bei Schulanfängern 2023 dagegen bei 94 Prozent. Das deutet darauf hin, dass viele Kinder den Schutz erst später erhalten – obwohl gerade Säuglinge am stärksten gefährdet sind.
Bemerkenswert bleibt, wie still dieser Erfolg ist. Eine Krankheit, die einst jedes Jahr über tausend Mal vor allem Kleinkinder schwer traf, dürfte für viele junge Eltern heute nur noch ein Kürzel im Impfpass sein. Genau das ist die gute Nachricht: Was nicht mehr passiert, macht keine Schlagzeilen.
Themen: Hib-Impfung, Hirnhautentzündung, Kleinkinder, Impfschutz, Kindermedizin, Gesundheit, Erfolgsgeschichte
Hib-Impfung: Hirnhautentzündung durch Hib ist bei Kleinkindern selten geworden