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Hella Jongerius im MK&G Hamburg: Über 400 Objekte von der KLM-Kabine bis zum Polder-Sofa
Die niederländische Designerin gestaltete für Ikea, Vitra und das MoMA. Das MK&G zeigt jetzt ihr Werk und lädt zum Weben ein.
Von Michael Beier ·
Ein Sofa für Vitra, die Kabineneinrichtung der KLM World Business Class, farbige Vasen und ein Stuhl namens Kasese Chair: All das stammt von derselben Designerin. Seit dem 23. Oktober ist ihr Werk in Hamburg zu sehen, nur ein paar Schritte vom Hauptbahnhof entfernt.
Das Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G) am Steintorplatz zeigt bis zum 13. Juni 2027 die Ausstellung „Hella Jongerius: Whispering Things“. Die Stadt Hamburg kündigt sie als erste umfassende Retrospektive der niederländischen Designerin an, also als Rückblick auf ihr bisheriges Gesamtwerk. Mehr als 400 Objekte sind zu sehen: Möbel, Textilien, Keramik, dazu Prototypen, Skizzen, Collagen und Filme. Erarbeitet hat die Schau das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, wo sie von März bis Anfang September lief. Kurator ist der Designhistoriker Glenn Adamson.
Was hinter dem Titel „Whispering Things“ steckt Übersetzt heißt der Titel „Flüsternde Dinge“. Das Vitra Design Museum beschreibt die Entwürfe der 1963 geborenen Niederländerin so, dass sie zum Hinsehen einladen, statt Aufmerksamkeit einzufordern. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sie sich mit Farbe, Material und der Frage, wie Dinge hergestellt werden. Das MK&G rückt außerdem ihr Verantwortungsbewusstsein in den Blick: Design soll lange halten, und es hat eine kulturelle Bedeutung.
Von Droog Design bis zur Flugzeugkabine Angefangen hat Jongerius in den frühen 1990er Jahren beim niederländischen Kollektiv Droog Design, wo sie mit Handwerk und Material experimentierte. Später kamen Aufträge aus der Industrie, etwa von Maharam, KLM, Camper, IKEA und Vitra, dazu Arbeiten für das Museum of Modern Art in New York. Das MK&G nennt unter anderem das Polder Sofa für Vitra aus dem Jahr 2015, die KLM-Kabine von 2011, die „Coloured Vases“ und den Kasese Chair von 1999.
Dass so viel Werkstattmaterial gezeigt werden kann, hat einen Grund: 2024 hat das Vitra Design Museum ihr Studioarchiv erworben. Darin stecken neben fertigen Produkten auch Tests, Prototypen und Experimente, die ihr Studio Jongeriuslab schlicht aus Neugier unternommen hat. Dem nss magazine sagte die Designerin zur Eröffnung in Weil am Rhein, es sei eine Erleichterung gewesen, ihr Archiv dem Museum anzuvertrauen. Und was würde sie ihrem jüngeren Ich zuflüstern? Es solle auf seine eigene flüsternde Stimme hören.
Führungen, Web-Workshops und ein Keramikkurs Zum Begleitprogramm gehören viele Angebote zum Mitmachen. Die nächste öffentliche Führung beginnt am 1. November um 12 Uhr, weitere folgen am 14. und 26. November. Der Kreativ-Workshop „Kette und Schuss“ startet am 7. November, die Offene Werkstatt „Wilde Gewächse“ am 22. November und der Workshop „Verknüpft und verknotet“ am 13. Dezember. Im Januar steht ein Keramikkurs mit dem Titel „Channel das wütende Tier in dir“ auf dem Plan. Schulklassen können über den Museumsdienst Hamburg zum Beispiel einen zweistündigen Einstieg ins Weben buchen.
Das MK&G hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21 Uhr, montags ist geschlossen. Der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 8 Euro. Unter 18 Jahren ist er frei, am ersten Donnerstag im Monat ab 18 Uhr für alle. Termine und Tickets gibt es auf der Ausstellungsseite des MK&G .
Themen: Hella Jongerius, Museum für Kunst und Gewerbe, Design, Ausstellung, Vitra Design Museum, Hamburg, Kunsthandwerk
Hella Jongerius im MK&G Hamburg: Über 400 Objekte von der KLM-Kabine bis zum Polder-Sofa