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Helgoländer Düne: Von der ersten Kegelrobben-Geburt 1996/97 zu 1.077 Jungtieren
Im Winter 1996/97 wurde auf der Helgoländer Düne erstmals die Geburt einer Kegelrobbe erfasst. In der Saison 2025/26 zählten Fachleute dort 1.077 Jungtiere, im ganzen Wattenmeer samt Helgoland 3.385. Jetzt beginnt die neue Wurfzeit – und mit 30 Metern Abstand lässt sie sich gut beobachten.
Von Andre ·
Während es an der Küste stiller wird, geht es auf Helgoland erst richtig los. Auf der Düne, der kleinen Nachbarinsel der Hauptinsel, beginnt die Wurfzeit der Kegelrobben. Von November bis Januar bringen die Weibchen dort ihre Jungen zur Welt – in der größten Kegelrobbenkolonie Deutschlands, wie der Helgoland Tourismus-Service schreibt. Manchmal geht es früh los: In der Saison 2020/21 kam das erste Jungtier bereits am 2. November zur Welt.
Dass sich das überhaupt jedes Jahr wiederholt, ist eine der schönsten Naturschutz-Geschichten an der deutschen Küste. Denn die Kegelrobbe, das größte Raubtier Deutschlands, war lange von den hiesigen Küsten verschwunden.
Fast verschwunden, dann zurückgekehrt Einst waren die Meeressäuger nahezu ausgestorben. Seit den 1980er-Jahren besiedeln Kegelrobben das Wattenmeer und Helgoland neu und haben dort wieder Wurfplätze gegründet – so steht es im aktuellen Bericht des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats (CWSS), für den eine Expertengruppe aus den Niederlanden, Deutschland und Dänemark die Zählungen abstimmt. Laut Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein entstanden seither Kolonien unter anderem vor Amrum, Juist, Norderney, Borkum und eben auf der Helgoländer Düne.
Auf Helgoland gilt der Winter 1996/97 als Startpunkt: Damals wurde die erste Kegelrobbengeburt auf der Düne erfasst. Seither ging es aufwärts. Im Winter 2019/20 wurden dort 531 Geburten gezählt, in der Saison 2020/21 bis Anfang Januar bereits 652. In jenem Winter kam zudem erstmals ein Jungtier auf der Hauptinsel zur Welt. Um den Bestand kümmert sich der Verein Jordsand gemeinsam mit der Gemeinde.
1.077 Jungtiere auf Helgoland, 3.385 im Wattenmeer Die neuesten Zahlen stammen aus dem CWSS-Bericht vom 1. Juli 2026. Seit 2008 werden Kegelrobben im Wattenmeer und auf Helgoland länderübergreifend gezählt, aus dem Flugzeug und auf Helgoland zusätzlich vom Land aus. In der Wurfsaison 2025/26 kamen die Zählteams auf insgesamt 3.385 Jungtiere – 10,9 Prozent mehr als im Winter davor. Über die vergangenen fünf Jahre wuchs die Zahl im Schnitt um 12,2 Prozent pro Jahr.
Helgoland steuerte 1.077 Jungtiere bei, ein Plus von 11 Prozent und knapp ein Drittel aller gezählten Jungen. Die meisten wurden im niederländischen Wattenmeer gezählt (1.731), in Niedersachsen waren es 575 – 22,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein wichtiger Ort dort ist die Kachelotplate zwischen Juist und Borkum: In der Wurfsaison 2021/22 entdeckten die Zählflüge fast alle niedersächsischen Jungtiere auf dieser weitgehend störungsfreien Sandbank. „Wir haben eine deutliche und schnelle Vergrößerung der Population“, sagte Christian Abel, Biologe bei der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven, schon 2022 über den Bestand in Niedersachsen.
Zur ehrlichen Einordnung gehört: Die Forschenden verstehen ihre Zahlen als Index, nicht als exakte Bestandsgröße. Bei der Zählung während des Fellwechsels im Frühjahr 2026 lag die Gesamtzahl mit 12.497 Kegelrobben zwar 3,6 Prozent über dem Vorjahr, auf Helgoland wurden aber 6,7 Prozent weniger Tiere gezählt als 2025. Kegelrobben legen in der Nordsee weite Strecken zurück und wechseln ihr Fell oft an anderen Orten als dort, wo sie ihre Jungen bekommen. Die Fachleute halten deshalb die Entwicklung über mehrere Jahre für aussagekräftiger als einzelne Jahreswerte.
Weißer Pelz, drei Wochen Milch Die Weibchen bringen ihre Jungen bevorzugt auf hohen Sandbänken zur Welt, die bei Flut nicht überspült werden. Etwa drei Wochen lang werden die Kleinen gesäugt und bleiben in dieser Zeit auf der Sandbank. Danach tauschen sie ihr weißes Babyfell gegen ein graues – das dauert noch einmal ein bis vier Wochen.
Spannend ist ein Detail aus dem Osten des Wattenmeers: In Schleswig-Holstein und Dänemark werden Jungtiere bislang nur vereinzelt und eher spät in der Saison gesichtet. Die Fachleute verweisen auf neu gegründete Kolonien in Großbritannien, wo weniger erfahrene Weibchen ebenfalls später gebären. Ihr Fazit: Die Kegelrobben-Population im Wattenmeer könnte weiter wachsen, wenn die Tiere zunehmend auch den östlichen Teil besiedeln.
Beobachten mit Abstand Wer die Kegelrobben in diesem Winter auf der Düne erleben möchte, sollte ein paar Regeln kennen. Der Helgoland Tourismus-Service bittet um 30 Meter Abstand zu den Tieren. Kegelrobben sind zwar niedlich, aber Raubtiere mit kräftigem Gebiss; die Bullen wiegen bis zu 300 Kilogramm und verteidigen ihr Revier und ihre Herde. Anfassen ist tabu, Kinder gehören an die Hand, und Füttern ist verboten – Fütterungsversuche und andere Verstöße können empfindliche Geldbußen nach sich ziehen.
In der Hochphase der Wurf- und Paarungszeit, etwa Mitte November bis Mitte Januar, kann es zudem vorübergehende Maßnahmen zur Besucherlenkung geben. Dann führt der ausgeschilderte Dünenrundweg über den Panoramaweg am Nord- und Südstrand und durchs Innere der Düne. So bekommen die Jungtiere ihre Ruhe – und die Menschen trotzdem einen Logenplatz bei einem Naturschauspiel, das es vor 30 Jahren auf Helgoland noch nicht gab.
Themen: Kegelrobben, Helgoland Düne, Naturschutz, Wattenmeer, Tierbeobachtung, Geburtenboom
Helgoländer Düne: Von der ersten Kegelrobben-Geburt 1996/97 zu 1.077 Jungtieren