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Hamburgs erster konzernweiter Green Bond: 500 Mio. Euro für grüne Projekte
Hamburg bringt seine erste grüne Anleihe für den ganzen Stadtkonzern an den Markt. Investoren boten mehr als dreimal so viel Geld an, wie die Stadt aufnehmen wollte.
Von Michael Beier ·
Wenn eine Stadt sich Geld leiht, ist das selten eine Nachricht zum Freuen. Diesmal schon: Hamburg hat seine erste grüne Anleihe für den gesamten Stadtkonzern an den Kapitalmarkt gebracht – und die Nachfrage war weit größer als das Angebot.
Wie die Finanzbehörde am 26. Oktober mitteilte, hat die Freie und Hansestadt einen sogenannten Green Bond über 500 Millionen Euro platziert. Die Anleihe läuft zehn Jahre, der feste Zins liegt bei 3,625 Prozent. Investoren aus dem In- und Ausland gaben Kaufaufträge über insgesamt 1,65 Milliarden Euro ab – die Anleihe war damit mehr als dreifach überzeichnet.
Was ein Green Bond ist Wer eine Anleihe kauft, leiht dem Herausgeber Geld und bekommt dafür Zinsen. Formal ist Hamburgs Green Bond eine börsennotierte Landesschatzanweisung, also ein klassisches Finanzierungsinstrument der Bundesländer. Das Besondere an der grünen Variante: Die Stadt verpflichtet sich, die eingenommene Summe ausschließlich ökologisch nachhaltigen Ausgaben zuzuordnen und öffentlich darüber zu berichten.
„Konzernweit“ heißt: Einbezogen sind nicht nur die Behörden, sondern auch die öffentlichen Unternehmen der Stadt. Vorbereitet und umgesetzt hat die Emission die FinanzServiceAgentur (FSA), die seit Januar 2025 als zentrale Finanzierungseinheit des Stadtkonzerns arbeitet. Im August hatte der Senat sie mit der Vorbereitung beauftragt. Die erste Emission war damals – je nach Finanzierungsbedarf und Lage am Kapitalmarkt – für die Zeit zwischen dem vierten Quartal 2026 und dem ersten Halbjahr 2027 geplant. Hamburg hat also schon früh in diesem Zeitfenster zugegriffen.
Wofür das Geld gedacht ist Grundlage ist ein eigenes Rahmenwerk der Stadt in der Fassung vom Oktober 2026. Es nennt sechs Bereiche: erneuerbare Energien und Stromnetze, saubere Mobilität, Anpassung an den Klimawandel, nachhaltige Wasser- und Abwasserwirtschaft, energieeffiziente Gebäude sowie Forschung und Entwicklung.
Was darunter fallen kann, wird dort konkret: Wind- und Solaranlagen, grüner Wasserstoff, emissionsfreie Bahnen und Busse, Ladestationen, Landstrom für Schiffe und Radwege. Auch die Ausgaben des Landes für das Deutschlandticket zählen dazu. Bei der Anpassung an den Klimawandel geht es um Deiche, Schleusen, Regenrückhaltebecken sowie begrünte Dächer und Fassaden. Ausgeschlossen sind unter anderem Waffen, Strom aus fossilen Brennstoffen oder Atomkraft, Glücksspiel und Tabak.
Welchen Bereichen die Erlöse des ersten Green Bonds vor allem zugeordnet werden sollen, steht im Gutachten der Ratingagentur Moody's zum Rahmenwerk: Den größten Anteil erwartet die Stadt bei der sauberen Mobilität – vor allem beim U-Bahn-Ausbau und beim Deutschlandticket. Danach folgen erneuerbare Energien und Stromnetze.
Das passt zu Hamburgs Klimakurs: Nach dem erfolgreichen Volksentscheid „Hamburger Zukunftsentscheid“ im Oktober 2025 schreibt das Klimaschutzgesetz der Stadt inzwischen vor, bis 2040 netto CO2-neutral zu werden.
Gütesiegel – und das Kleingedruckte In seinem Gutachten bewertet Moody's das Rahmenwerk mit der Nachhaltigkeitsnote SQS2 („Very Good“), der zweitbesten von fünf Stufen. Kritisch merken die Prüfer an, dass die Kriterien nicht überall technische Schwellenwerte vorgeben. Finanzsenator Andreas Dressel sieht in der hohen Nachfrage ein Zeichen, dass Hamburgs Bonität und der Weg zu mehr Nachhaltigkeit „großes Vertrauen genießen“. Für Jörg Arzt-Mergemeier, Vorstand der FSA, zeigt die Emission, dass es „einen echten Mehrwert“ schafft, wenn der Stadtkonzern seinen nachhaltigen Finanzbedarf bündelt. Nach Angaben der Finanzbehörde ist Hamburg eine der ersten deutschen Gebietskörperschaften, die Investitionen von Verwaltung und öffentlichen Unternehmen über ein gemeinsames Rahmenwerk finanzieren.
Zur Einordnung gehört zweierlei. Erstens steigt Hamburgs Kreditaufnahme dadurch nicht: Der Green Bond tritt im Rahmen der regulären Kreditaufnahme an die Stelle einer gewöhnlichen Landesschatzanweisung derselben Höhe. Zweitens landen die 500 Millionen Euro nicht auf einem Sonderkonto. Weil im Haushalt alle Einnahmen alle Ausgaben decken, ordnet die Stadt die Erlöse den grünen Ausgaben rechnerisch zu. Dazu können auch Ausgaben aus den zwei Haushaltsjahren vor der Emission zählen. Wie viel Geld welchen Bereichen zugeordnet wurde, soll ein Bericht spätestens ein Jahr nach der Emission zeigen – mit zusammengefassten Zahlen statt Einzelprojekten und, soweit möglich, mit Angaben zur Wirkung. Veröffentlicht wird er auf der Website der FSA.
Unterm Strich bleibt eine gute Nachricht für die Stadt: Klimaschutz kostet Geld – und diesmal boten Anleger Hamburg mehr als dreimal so viel an, wie die Stadt sich leihen wollte.
Themen: Green Bond, Hamburg, Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Grüne Projekte, Finanzierung, Stadtkonzern
Hamburgs erster konzernweiter Green Bond: 500 Mio. Euro für grüne Projekte