Hamburg · Hamburger Geschichte
Hamburger Stadtwappen: Landesarchäologe erklärt in Harburg, welches Stadttor im Siegel steckt
Hamburgs Staatssiegel ist älter als gedacht. Landesarchäologe Rainer-Maria Weiss erklärt am 29.10. in Harburg sein Motiv.
Von Michael Beier ·
Eine Burg ohne Fenster, dahinter drei Türme, das Tor fest verschlossen. Mit diesem Bild hat Hamburg über Jahrhunderte seine wichtigsten Verträge besiegelt, und bis heute steckt die Burg im Landeswappen. Eine echte Burg hat dafür allerdings wohl nie Modell gestanden.
So sieht es Prof. Dr. Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg und Landesarchäologe der Stadt. Am Donnerstag, 29. Oktober, erklärt er um 18 Uhr im Planet Harburg, welches Bauwerk stattdessen hinter dem Motiv stecken dürfte. Der Vortrag dauert eine Stunde, kostet nichts und ist ohne Anmeldung offen.
Ein Bronzestempel als Unterschrift der Stadt Im Mittelalter wurden Urkunden mit Siegelstempeln beglaubigt. Fachleute nennen einen solchen Stempel Typar, und auf diese Stempel gehen das Hamburger Wappen und das heutige Stadtlogo zurück. Der älteste bekannte Abdruck eines Hamburger Bürgersiegels findet sich nach Angaben des Auktionshauses Lempertz an einer Urkunde von 1241, die einen Vertrag mit Lübeck absicherte.
Erhalten ist das Typar des vierten Hamburgischen Staatssiegels. Die Handelskammer nennt es das älteste erhaltene Werk mittelalterlicher Hamburger Stempelschneidekunst: Bronze, knapp neun Zentimeter Durchmesser, mit Resten einer Feuervergoldung. Die älteste Urkunde mit seinem Abdruck stammt vom 25. Dezember 1304, darin ging es um gemeinsames Münzprägen mit Lübeck und die Sicherheit der Landstraße zwischen beiden Städten. Ausgemustert wurde der Stempel erst 1811, als Napoleon Hamburg dem französischen Kaiserreich einverleibte.
Älter als bisher angenommen Lempertz und die Handelskammer setzen den Beginn des Stempels bislang um 1300 an. Die neuen Untersuchungen des Archäologischen Museums kommen zu einem früheren Datum. Nach den Angaben des Museums, wie sie harburg-aktuell wiedergibt, entstand der Stempel schon vor 1256 und wurde zwischen 1296 und 1304 nachgraviert.
Warum keine Burg als Vorbild taugt Was also hatte der Graveur vor Augen? Für Weiss kommt eine Burg nicht in Frage, denn eine steinerne Festung als Sitz der weltlichen Stadtherren hat es in Hamburg nie gegeben. Die Hammaburg fällt ebenso weg wie die Neue Burg, die auf sie folgte. Beide waren Anlagen aus Holz und Erde und sahen dem Siegelbild nicht ähnlich. Das Museum erkennt darauf stattdessen ein Stadttor mit zwei mächtigen Rundtürmen aus Stein.
Die Spur führt zum ältesten Stadttor Hamburgs. Um 1240 entstand die erste Stadtmauer, und dieses Tor war ihr Kernstück. Zeitlich passt das gut, denn in diesen Jahren taucht auch das Siegelmotiv zum ersten Mal auf. Welche archäologischen Entdeckungen die These stützen, will Weiss am Donnerstag zeigen.
Gestohlen, versteigert, zurückgeholt Dass sich der Stempel heute überhaupt untersuchen lässt, ist keine Selbstverständlichkeit. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zusammen mit Archivalien und anderen Wertsachen nach Grasleben gebracht, in ein stillgelegtes Salzbergwerk. Dort verschwand er. Erst 1986 tauchte er wieder auf und wechselte bei einer Auktion im niedersächsischen Ahlden für rund 2.000 Mark den Besitzer. Hamburg verlangte ihn als rechtmäßige Eigentümerin zurück, unterlag aber vor dem Bundesgerichtshof: Wer bei einer öffentlichen Versteigerung kauft, kann demnach auch an gestohlenen Sachen gutgläubig Eigentum erwerben.
Im Mai 2012 bot das Kölner Auktionshaus Lempertz das Typar erneut an. Daraufhin organisierte die Handelskammer eine Rückholaktion, um das Siegel für Hamburg zu erhalten. Die eine Hälfte der Ankaufskosten trug die Hubertus Wald Stiftung, die andere ein Zusammenschluss Hamburger Kaufleute und Unternehmen. Heute ist das Original in der Handelskammer am Adolphsplatz zu sehen.
So kommen Sie zum Vortrag „Die Ursprünge des Hamburger Stadtwappens“ beginnt am Donnerstag, 29. Oktober, um 18 Uhr im Planet Harburg am Herbert-und-Greta-Wehner-Platz, 21073 Hamburg. Die gemeinsame Außenstelle von Archäologischem Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg hat im Februar 2025 im Erdgeschoss des früheren Karstadt-Hauses eröffnet. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht nötig. Details stehen auf der Veranstaltungsseite des Museums .
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Hamburger Stadtwappen: Landesarchäologe erklärt in Harburg, welches Stadttor im Siegel steckt