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Hamburg im Kürbisfieber: Süßes, Saures und alte Traditionen
Heute am 31. Oktober 2026 leuchten in Hamburg wieder die Kürbisfratzen und verkleidete Kinder ziehen für „Süßes oder Saures“ durch die Straßen. Das Fest, dessen Wurzeln bis zu irischen Erntebräuchen zurückreichen, ist längst mehr als nur Kommerz: Es hilft uns, in der dunkelsten Zeit des Jahres gemeinsam Ängste spielerisch zu überwinden.
Von Michael Beier ·
Es dämmert über der Elbe und in den Vorgärten zwischen Blankenese und Barmbek flackern kleine Lichter in orangefarbenen Gesichtern. Heute, am 31. Oktober 2026, ist Halloween. Wenn kleine Vampire und Hexen durch Hamburgs Straßen ziehen und an den Haustüren „Süßes oder Saures“ fordern, erleben wir eine Tradition, die erstaunlich alt und zugleich springlebendig ist.
Viele von uns kennen das Fest vor allem aus amerikanischen Filmen. Dass es seit den 1990er-Jahren auch bei uns in Deutschland so populär geworden ist, stößt manchem sauer auf. Doch hinter dem vermeintlichen Plastikgrusel verbirgt sich eine faszinierende Kulturgeschichte, die weit in die Vergangenheit reicht.
Ein Fest der Schwellenzeit Der Name „Halloween“ leitet sich von „All Hallows’ Eve“ ab, dem Vorabend des christlichen Allerheiligenfestes am 1. November. Zugleich vermischen sich darin Elemente, die auf alte gälische Feste wie „Samhain“ zurückgehen. Samhain markierte in Irland und Schottland das Ende der Erntezeit und den Beginn des dunklen Winterhalbjahrs. In dieser sogenannten Schwellenzeit glaubte man, sei der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Toten besonders dünn.
Um böse Geister abzuschrecken, verkleideten sich die Menschen. Die gruseligen Masken dienten also ursprünglich dem Schutz. Heute machen wir uns diesen psychologischen Trick im Alltag zunutze: Indem wir uns als das verkleiden, was uns unheimlich ist, nehmen wir der Dunkelheit den Schrecken. Gerade für Kinder ist das eine wertvolle Erfahrung. Sie schlüpfen in die Rolle des Monsters und lernen spielerisch, dass sie ihren Ängsten nicht machtlos ausgeliefert sind.
Von irischen Rüben zu Hamburger Kürbissen Aber warum schnitzen wir eigentlich Kürbisse? Das verdanken wir einer alten irischen Legende: Die Geschichte von „Stingy Jack“, der den Teufel überlistete und nach seinem Tod mit einer glühenden Kohle in einer ausgehöhlten Rübe durch die Nacht wandern musste. Als irische Einwanderer nach Nordamerika kamen, stellten sie fest, dass sich der dort heimische Kürbis viel leichter aushöhlen und schnitzen ließ als eine harte Rübe.
Wenn wir heute in Hamburg den Kürbis aufstellen, knüpfen wir an diese uralte Erzählung an. Und statt uns vor der dunklen Jahreszeit zu verschließen, erhellen wir sie mit Kerzenschein, schönen Nachbarschaftsbegegnungen an der Haustür und einer Extraportion Schokolade. Ein schöner Gedanke, der das kühle Herbstwetter gleich ein wenig wärmer wirken lässt.
Themen: Halloween Hamburg, Kürbis schnitzen, Halloween Traditionen, Samhain, Ängste überwinden, Hamburg 2026, Herbstfest