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Hamburg Airport: Kleinflugzeuge tanken erstmals erneuerbaren Diesel HVO
Der Hanseatische Flieger Club betankt ausgewählte Cessna-Trainingsflugzeuge ab sofort mit HVO aus Reststoffen – und will damit Vorbild für die Allgemeine Luftfahrt sein.
Von Michael Beier ·
Was am Hamburger Flughafen seit Jahren in Feuerwehrwagen und Spezialfahrzeugen steckt, landet jetzt auch im Tank von Flugzeugen: Der Hanseatische Flieger Club (HFC) betankt ausgewählte Kleinflugzeuge mit HVO, einem Dieselkraftstoff aus erneuerbaren Rohstoffen. Das teilt der Hamburg Airport mit. Damit tanken dort erstmals auch Kleinflugzeuge den Kraftstoff, der bisher nur am Boden im Einsatz war.
Diesel, der fliegen kann Wer bei Flugzeugen an Kerosin denkt, liegt meist richtig. Doch es gibt auch Kleinflugzeuge mit Dieselmotor, und für sie kommt HVO infrage. Beim HFC sind es Maschinen vom Typ Cessna 172, die der Club für Ausbildungs- und Trainingsflüge nutzt. In ihre Tanks fließt nun ein HVO-Produkt namens CAIR XTL, geliefert von TOOL-FUEL Services. Für die Betankung bekommt der Club einen eigenen Tankwagen.
Voraussetzung waren technische Prüfungen und eine Freigabe durch den Motorenhersteller Continental. Laut Enrico Hemling, Vorstand Technik beim HFC, müssen die vorhandenen Flugzeuge dafür nicht grundlegend umgebaut werden. Der Club will mit dem Schritt nach eigenen Worten eine „Vorbildfunktion für die Allgemeine Luftfahrt“ übernehmen – also für den privaten und sportlichen Flugverkehr abseits der großen Airlines.
Zehn Jahre Erfahrung am Boden Ganz neu ist HVO am Flughafen nicht. Seit 2016 laufen nach Angaben des Airports alle Dieselmotoren im eigenen Betrieb damit, sofern es für sie noch keine Alternative mit Batterie oder Wasserstoff gibt – darunter große Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr und Spezialfahrzeuge der Bodenverkehrsdienste. Jan Eike Blohme-Hardegen, Leiter der Umweltabteilung, beziffert die Ersparnis seit der Umstellung auf rund 15.000 Tonnen CO₂. Die Zahl ist eine Angabe des Flughafens. Über den gesamten Lebenszyklus senke HVO die Treibhausgase gegenüber fossilem Diesel deutlich, heißt es in der Mitteilung – eine Prozentzahl nennt sie dafür nicht.
Was HVO ist – und wo die Grenzen liegen HVO steht für „Hydrotreated Vegetable Oil“, auf Deutsch hydriertes Pflanzenöl. Hergestellt wird es zum Beispiel aus gebrauchten Speiseölen und anderen pflanzlichen Reststoffen. Der in Hamburg eingesetzte Kraftstoff ist laut Flughafen palmölfrei und erfüllt die Norm für paraffinische Dieselkraftstoffe. Der Airport weist selbst darauf hin, dass die tatsächliche Klimawirkung von Rohstoff, Produkt und Lieferkette abhängt und über extern geprüfte Nachhaltigkeitsnachweise belegt wird.
Genau hier setzt die Kritik von Umweltverbänden an. Die Deutsche Umwelthilfe und der NABU warnten 2024 mit Blick auf HVO im Straßenverkehr, dass Abfall- und Reststoffe nur begrenzt verfügbar sind, dass Altfette teils über weite Strecken importiert werden und dass bei der Herkunft ein hohes Betrugsrisiko besteht. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass Palmöl als Rohstoff für HVO im Jahr 2020 noch eine entscheidende Rolle spielte. Wegen der Regenwaldrodung ist seine Verwendung durch die Neuregelung der Treibhausgasquote seit 2022 deutlich beschränkt und seit 2023 beendet.
HVO ist damit kein Wundermittel, aber eine Übergangslösung für Motoren, für die es bisher kaum Alternativen gibt. Dass ein Hamburger Fliegerclub sie jetzt im Flugbetrieb einsetzt, ist ein kleiner, konkreter Schritt. Ob andere Vereine der Allgemeinen Luftfahrt folgen, wird sich zeigen.
Themen: Hamburg Airport, HVO, Klimaschutz, Luftfahrt, Kleinflugzeuge, Hanseatischer Flieger Club, Erneuerbare Kraftstoffe, Allgemeine Luftfahrt
Hamburg Airport: Kleinflugzeuge tanken erstmals erneuerbaren Diesel HVO