Sport
Gold und Silber am Rio Gualeguaychú: Para-Kanutin Anja Adler verteidigt ihren WM-Titel
Wind, Wellen, Hochwasser: Anja Adler vom SV Halle wird erneut Marathon-Weltmeisterin im Para-Kanu – und legt Silber nach.
Von Firas ·
Von Halle an der Saale bis an den Rio Gualeguaychú in Argentinien ist es ein weiter Weg. Für Anja Adler hat er sich gelohnt: Bei der Kanu- und Para-Kanu-Marathon-Weltmeisterschaft hat die Athletin des SV Halle ihren Titel im Kajak der Startklasse KL2 verteidigt – und zwei Tage später im Auslegerboot noch Silber dazugeholt.
Ein Fluss, der nicht mitspielen wollte Das Goldrennen am Mittwoch, 21. Oktober, war alles andere als eine ruhige Ausfahrt. Der Fluss führte Hochwasser, dazu kamen kräftiger Seitenwind, Böen und Wellen. Besonders heikel waren die Wenden an den Bojen: Mal drückten Wind und Wellen die Boote weg, mal schoben sie sie heran. Eine Betonmauer am Ufer warf die Wellen zusätzlich zurück auf die Strecke.
Elf Athletinnen aus den Klassen KL1 bis KL3 gingen gemeinsam auf die 8,2 Kilometer lange Marathonstrecke. Eine Französin kam Adler in der zweiten Runde recht nahe, doch bis zur nächsten Wende hatte die Paddlerin aus Halle schon 19 Sekunden Vorsprung herausgearbeitet. Am Ende stand ihr Sieg in 44:46,11 Minuten. „Ich bin jetzt überglücklich als Weltmeisterin“, sagte Adler nach dem Rennen.
Vom Kajak ins Auslegerboot Ausruhen war danach nicht. Am Freitag, 23. Oktober, wechselte Adler das Boot und startete im Va'a, einem Auslegerkanu, in der Klasse VL3 – erneut über 8,2 Kilometer. Früh im Rennen verspannte sich ihre Muskulatur, trotzdem paddelte sie in 52:33,54 Minuten auf Rang zwei. Schneller war nur die Brasilianerin Thais Freitas. Gegenüber der Europameisterschaft in Rumänien steigerte sich Adler damit um mehr als zwei Minuten.
Mit dem Doppelerfolg hat sie in diesem Jahr einen kompletten Satz WM-Medaillen beisammen: Bereits im August hatte sie bei der Sprint-WM im polnischen Poznań Bronze gewonnen.
Starke Bilanz für das deutsche Para-Team Adler war in Argentinien nicht die einzige erfolgreiche Para-Kanutin. Lillemor Köper verteidigte ebenfalls ihren Titel, und zwar im Va'a der Klasse VL1. In der offenen Para-Kanu-Klasse der Frauen holten Leona Johs Silber und Martina Willing bei ihrem ersten Marathonrennen Bronze. Zusammen kamen die deutschen Para-Kanutinnen auf fünf Medaillen: zweimal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze. Ausgetragen wurde die Marathon-WM übrigens zum ersten Mal in Südamerika.
Sportlerin, Klinikmitarbeiterin, Ehrenamtliche Neben dem Leistungssport arbeitet Adler am BG Klinikum Bergmannstrost in Halle. Und sie will, dass mehr Menschen den Weg in ihren Sport finden: Seit Ende September ist sie Referentin für Para-Kanu im Landes-Kanu-Verband Sachsen-Anhalt, ab November kümmert sie sich zusätzlich als Fachwartin Para-Kanu im Behinderten- und Rehabilitations-Sportverband Sachsen-Anhalt darum, neue Vereine und Aktive für das Paddeln zu gewinnen. Mit zwei frischen WM-Medaillen im Gepäck hat sie dafür beste Argumente.
Themen: Para-Kanu, Anja Adler, Kanu-WM, Marathon-Kanu, Sport Halle, Behindertensport, Weltmeisterin
Gold und Silber am Rio Gualeguaychú: Para-Kanutin Anja Adler verteidigt ihren WM-Titel