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Gesunder Lebensstil: Geringeres Risiko bei 13 von 27 Krebsarten – auch bei selteneren Tumoren
Nicht rauchen, normales Gewicht, Bewegung: Eine Heidelberger Auswertung zeigt, mit wie vielen Krebsarten gesunde Gewohnheiten zusammenhängen.
Von Ulrike ·
Dass Rauchen Lungenkrebs begünstigt, weiß fast jedes Kind. Doch wie viele verschiedene Krebsarten hängen eigentlich mit unserem Alltag zusammen – mit dem, was wir essen und trinken, und damit, wie viel wir uns bewegen? Ein Forschungsteam des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg hat genau das in einer großen Analyse durchgerechnet. Das Ergebnis macht Mut: Wer mehrere gesunde Gewohnheiten pflegte, hatte in der Studie bei einer erstaunlich breiten Palette von Krebsarten ein geringeres Risiko.
Fünf Gewohnheiten, 27 Krebsarten Die Forschenden um Jie Ding, Ben Schöttker, Hermann Brenner und Michael Hoffmeister werteten Daten von 287.745 Teilnehmenden der britischen Langzeitstudie UK Biobank aus. Für jede Person vergaben sie einen Lebensstil-Punktwert, der fünf Bereiche abbildet: Rauchen, Alkohol, Ernährung, körperliche Aktivität und Körpergewicht (gemessen am Body-Mass-Index). Anschließend verglichen sie, wie häufig 27 verschiedene Krebsarten auftraten.
Die mittlere Beobachtungszeit (Median) betrug 11,5 Jahre. In dieser Zeit erkrankten 12.947 Teilnehmende an Krebs. Die Studie ist im September 2026 im Fachjournal „British Journal of Cancer“ erschienen.
Weniger Erkrankungen bei 13 Krebsarten Verglichen wurden Menschen mit vier bis fünf gesunden Verhaltensweisen mit denen, die höchstens eine davon erfüllten. Bei 13 der 27 untersuchten Krebsarten war das Risiko in der gesünder lebenden Gruppe niedriger. Dazu gehören Krebs von Mund und Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Magen, Darm, Leber, Bauchspeicheldrüse, Lunge, Niere und Blase, außerdem Brustkrebs nach den Wechseljahren und Weichteilsarkome – eine seltene Krebsform des Weichgewebes.
Die sogenannten Hazard Ratios, ein Maß für das relative Risiko im Vergleich der beiden Gruppen, lagen je nach Krebsart zwischen 0,12 und 0,79. Übersetzt heißt das: Das Risiko war in der gesünder lebenden Gruppe relativ betrachtet um 21 bis 88 Prozent niedriger. Wichtig dabei: Es handelt sich um relative Werte. Wie stark sich das persönliche Risiko tatsächlich verändert, hängt davon ab, wie häufig eine Krebsart überhaupt ist.
Am häufigsten tauchten in der Analyse zwei Faktoren auf: Rauchen und Übergewicht waren mit den meisten Krebsarten verknüpft. Das Team folgert daraus, dass der Rauchstopp und ein gesundes Körpergewicht bei der Vorbeugung Vorrang haben sollten.
Neu: der Blick auf seltenere Tumoren Dass ein gesunder Lebensstil mit einem geringeren Krebsrisiko einhergeht, ist an sich keine Neuigkeit. Der Wert der Heidelberger Arbeit liegt in ihrer Breite: Sie betrachtet nicht nur die großen, gut erforschten Krebsarten, sondern auch seltenere, zu denen bislang wenig Daten vorlagen. Nach Einschätzung der Autoren stützen die Ergebnisse einen Zusammenhang sowohl bei häufigen als auch bei selteneren Krebsarten.
Was die Studie zeigt – und was nicht Die Analyse beschreibt einen statistischen Zusammenhang, keinen direkten Beweis für Ursache und Wirkung. Menschen, die gesünder leben, unterscheiden sich womöglich auch in anderen Punkten von den übrigen Teilnehmenden. Zudem stammen die Daten aus Großbritannien und lassen sich nicht eins zu eins auf jede Bevölkerung übertragen. Bei den übrigen 14 Krebsarten zeigte sich in dieser Auswertung kein eindeutig niedrigeres Risiko.
Mehr als ein Drittel der Fälle gilt als vermeidbar Die Ergebnisse passen zu Angaben des DKFZ: Danach sind mindestens 37 Prozent aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland vermeidbar oder zumindest durch beeinflussbare Risikofaktoren erklärbar. Jedes Jahr werden hierzulande rund 510.000 Krebsneuerkrankungen diagnostiziert.
Die gute Nachricht dahinter: Viele wichtige Stellschrauben liegen im eigenen Alltag. Nicht rauchen, auf das Gewicht achten, sich regelmäßig bewegen, wenig oder gar keinen Alkohol trinken und ausgewogen essen – keine dieser Gewohnheiten ist eine Garantie gegen Krebs. Gemeinsam gingen sie in der Studie aber bei vielen Krebsarten mit einem geringeren Risiko einher.
Themen: Krebsprävention, Gesunder Lebensstil, DKFZ, Krebsrisiko, Rauchen, Übergewicht, Bewegung, Ernährung
Gesunder Lebensstil: Geringeres Risiko bei 13 von 27 Krebsarten – auch bei selteneren Tumoren