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Gen Z und Geld: Warum junge Menschen überraschend klug sparen
Verschwenderisch, konsumfixiert und ständig auf der Jagd nach Luxus? Aktuelle Untersuchungen widersprechen vielen Vorurteilen über die Generation Z. Junge Erwachsene sparen überdurchschnittlich häufig, investieren langfristig und gehen vorsichtiger mit Schulden um, als ihr Ruf vermuten lässt.
Von Tobias ·
Generation ETF: Die Gen Z geht klüger mit Geld um als ihr Ruf Das neueste Smartphone, teure Reisen und ein Leben wie aus einem Hochglanz-Feed: Soziale Netzwerke vermitteln schnell den Eindruck, junge Menschen gäben ihr Geld vor allem für kurzfristigen Konsum aus.
Doch aktuelle Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild. Viele Angehörige der Generation Z beschäftigen sich früh mit Rücklagen, Geldanlage und Altersvorsorge. Laut einer deutschen Anlagestudie aus dem Jahr 2026 sparen 82 Prozent der Gen Z – zehn Prozentpunkte mehr als der Durchschnitt aller Befragten. 48 Prozent investieren in Wertpapiere , besonders häufig in breit gestreute ETFs.
Die Generation Z ist damit nicht automatisch finanziell perfekt aufgestellt. Aber sie plant langfristiger, als viele Vorurteile vermuten lassen.
Sicherheit statt Status Eine repräsentative Forsa-Umfrage unter rund 1.000 Menschen zwischen 18 und 30 Jahren zeigt, wofür junge Erwachsene tatsächlich Geld zurücklegen:
71 Prozent sparen für Notfälle, 55 Prozent für die Altersvorsorge und 40 Prozent für eine Immobilie. Ein neues Smartphone nennen dagegen nur vier Prozent als Sparziel, Kleidung lediglich zwei Prozent.
Auch bei der Geldanlage steht Sicherheit im Vordergrund. 92 Prozent der Befragten bewerten sie als wichtig. Tagesgeld, Aktien, Fonds und ETFs gehören zu den bevorzugten Anlageformen. Unter jungen Depotkundinnen und -kunden der ING investierte fast die Hälfte ausschließlich in breit gestreute ETFs.
Das spricht weniger für kurzfristige Spekulation als für eine einfache Strategie: regelmäßig investieren, Risiken verteilen und langfristig denken.
Gelassen trotz fallender Kurse Wie ernst viele junge Anleger diesen Ansatz nehmen, zeigte sich während der Marktschwankungen im Frühjahr 2025. Nach Angaben der ING nutzten 69 Prozent der jungen Depotkundschaft fallende Kurse zum Nachkaufen. Nur 17 Prozent verkauften Wertpapiere.
Zudem beschäftigen sich junge Anleger vergleichsweise intensiv mit ihren Finanzen. Rund 40 Prozent wenden nach eigener Aussage ein bis zwei Stunden pro Woche für das Thema Geldanlage auf. Bei älteren Generationen bleibt es häufig bei weniger als 30 Minuten.
Interesse ersetzt zwar keine unabhängige Finanzbildung. Es zeigt aber, dass Sparen und Investieren für viele junge Erwachsene längst zum Alltag gehören.
Schulden meist nur für größere Ausgaben Auch beim Thema Kredite fällt das Bild zurückhaltender aus als erwartet. Junge Menschen betrachten Schulden vor allem bei außergewöhnlichen oder langfristigen Ausgaben als vertretbar – etwa beim Immobilienkauf oder in persönlichen Notlagen.
Kurzfristige Bezahlmodelle bleiben dennoch ein Risiko. In einer Befragung hatten zwölf Prozent offene Beträge aus „Buy now, pay later“-Angeboten, vier Prozent ihr Girokonto überzogen. Klassische Konsumentenkredite spielten dagegen eine kleinere Rolle.
Die Zahlen widerlegen nicht jedes Problem. Sie widersprechen aber der pauschalen Behauptung, die Generation Z finanziere ihren Lebensstil grundsätzlich auf Pump.
Geld bedeutet vor allem Freiheit Eine weitere repräsentative Untersuchung unter 2.000 Menschen in Deutschland zeigt, was junge Erwachsene mit Geld verbinden: Für 66,7 Prozent der Gen Z gehört finanzielle Unabhängigkeit zu den wichtigsten Zielen .
Danach folgen persönliche Wünsche, ein selbstbestimmtes Leben, Wohneigentum und Investitionen in Bildung. Geld wird damit weniger als Statussymbol verstanden, sondern als Werkzeug für Sicherheit und Entscheidungsfreiheit.
Gleichzeitig bleibt der Einfluss sozialer Medien spürbar. 21,2 Prozent sagen, dass soziale Netzwerke ihre finanziellen Entscheidungen beeinflussen. 27,8 Prozent geben an, gelegentlich spontan Geld auszugeben, obwohl sie eigentlich für langfristige Ziele sparen wollen.
Die Gen Z bewegt sich damit zwischen zwei Welten: dem Wunsch nach Sicherheit und einer digitalen Umgebung, die permanent neue Konsumbedürfnisse erzeugt.
Der Druck durch den Vergleich In sozialen Medien sind vor allem Reisen, Wohnungen, Kleidung und erfolgreiche Investments sichtbar. Schulden, familiäre Unterstützung oder finanzielle Sorgen bleiben meist verborgen.
Eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse mit mehr als 36.000 Teilnehmenden zeigt, dass häufige Vergleiche mit scheinbar erfolgreicheren Menschen in sozialen Medien mit mehr Ängsten, negativen Gefühlen und geringerem Wohlbefinden zusammenhängen können. Eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Der ständige Vergleich kann dennoch erklären, warum sich Menschen finanziell unzureichend fühlen, obwohl sie sparen und ihre Rechnungen bezahlen.
Der Wunsch nach Reichtum richtig eingeordnet Besonders häufig wird in diesem Zusammenhang eine US-Umfrage zitiert. Darin gaben 44 Prozent der befragten Gen-Z-Angehörigen an, stark von der Vorstellung fasziniert zu sein, reich zu werden. 43 Prozent berichteten von einer unsicheren oder verzerrten Wahrnehmung ihrer finanziellen Situation.
Dafür wird häufig der Begriff „Money Dysmorphia“ verwendet. Er beschreibt das Gefühl, finanziell nicht gut genug aufgestellt zu sein. Es handelt sich jedoch nicht um eine anerkannte medizinische Diagnose .
Zudem ist die Aussagekraft begrenzt: Die Umfrage wurde bereits im Dezember 2023 unter 1.006 Erwachsenen in den USA durchgeführt. Ihre Ergebnisse können nicht direkt auf junge Menschen in Deutschland übertragen werden.
Eine Generation übernimmt Verantwortung Die Gen Z ist weder eine verschwenderische Luxusgeneration noch eine vollständig aufgeklärte Anlegergeneration. Doch viele junge Erwachsene haben verstanden, dass finanzielle Sicherheit nicht von allein entsteht.
Sie legen Notgroschen an, investieren regelmäßig, beschäftigen sich mit langfristigen Strategien und vermeiden unnötige Konsumschulden. Gleichzeitig kämpfen sie mit hohen Lebenshaltungskosten, unsicheren Zukunftsaussichten und dem Vergleichsdruck sozialer Medien.
Die gute Nachricht: Viele reagieren darauf nicht mit Resignation. Sie übernehmen früh Verantwortung und verstehen Wohlstand zunehmend nicht als sichtbaren Luxus, sondern als Freiheit, Stabilität und Selbstbestimmung.
Gen Z und Geld: Warum junge Menschen überraschend klug sparen