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Gebrauchte E-Autos in 48 Stunden verkaufen: Aampere expandiert mit Millionenfinanzierung
Ein Münchner Start-up will eines der größten Hindernisse der Elektromobilität beseitigen: den komplizierten und oft undurchsichtigen Weiterverkauf gebrauchter E-Autos. Mit 4,2 Millionen Euro frischem Kapital plant Aampere nun den Ausbau seiner digitalen Handelsplattform in Europa – und könnte damit Stromer für deutlich mehr Menschen erreichbar machen.
Von Firas ·
Ein zweites Leben für Stromer: Aampere digitalisiert Europas Markt für gebrauchte E-Autos Der entscheidende Durchbruch der Elektromobilität findet möglicherweise nicht im Neuwagenhandel statt. Sondern dann, wenn ein Elektroauto seinen zweiten oder dritten Besitzer findet.
Genau an diesem Punkt setzt das Münchner Start-up Aampere an. Das Unternehmen hat 4,2 Millionen Euro eingesammelt, um seine digitale Plattform für den Verkauf gebrauchter Elektroautos auszubauen und in weitere europäische Märkte zu bringen. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom estnischen Wagniskapitalgeber Trind Ventures. Neu beteiligt sind unter anderem Vend Marketplaces, die nordische Marktplatzgruppe hinter Plattformen wie FINN.no, Blocket und Bilbasen, sowie der Konsumgüterinvestor G-FUND. Bestehende Investoren rund um GIMIC erhöhten ebenfalls ihre Beteiligungen.
Hinter der Investition steckt mehr als die Finanzierung eines weiteren Online-Marktplatzes. Aampere will eine Lücke schließen, die für die Verkehrswende zunehmend wichtig wird: Während immer mehr Elektroautos neu zugelassen werden, ist ihr Weiterverkauf noch häufig kompliziert, national begrenzt und mit Unsicherheiten verbunden.
Warum der Gebrauchtmarkt so wichtig wird Elektromobilität wird erst dann zum Massenmarkt, wenn sie nicht nur über neue Leasingfahrzeuge und hochpreisige Neuwagen funktioniert. Viele Menschen kaufen grundsätzlich gebraucht. Erst ein ausreichend großer, transparenter und bezahlbarer Zweitmarkt ermöglicht ihnen den Zugang zu elektrischer Mobilität.
Dass dieser Markt an Bedeutung gewinnt, zeigen die Zahlen: Zum 1. Januar 2026 waren in Deutschland rund 2,03 Millionen rein elektrische Pkw zugelassen. Im Jahr 2025 erreichten Elektroautos bereits einen Anteil von 19,1 Prozent an allen Neuzulassungen. Im ersten Halbjahr 2026 stieg ihre Zahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal um 48 Prozent.
Damit wächst zeitversetzt auch das Angebot an gebrauchten Stromern. Nach Auswertungen des International Council on Clean Transportation nahmen die europäischen Registrierungen gebrauchter batterieelektrischer Autos von Januar bis April 2026 um 77 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.
Der Markt ist jedoch noch jung. Käufer sorgen sich um den Zustand der Batterie, die reale Reichweite, mögliche Wertverluste und die Frage, wie sich unterschiedliche Modelle fair miteinander vergleichen lassen. Verkäufer wiederum treffen häufig auf stark abweichende Preisangebote und Händler, die beim Ankauf von Elektroautos zurückhaltender sind als bei bekannten Verbrennermodellen.
Ein europaweiter Handel kann solche Unterschiede teilweise ausgleichen. Ein Fahrzeug, das in Deutschland nur schwer einen Käufer findet, kann in Finnland, Schweden oder den Niederlanden stärker gefragt sein. Digitale Plattformen können Angebot und Nachfrage über Ländergrenzen hinweg zusammenbringen.
Ein Verkauf, der weitgehend online funktioniert Aampere richtet sich sowohl an Privatpersonen als auch an gewerbliche Verkäufer. Wer ein Elektroauto verkaufen möchte, gibt zunächst die Fahrzeugdaten und die Fahrzeugidentifikationsnummer online ein. Darüber lassen sich Modell, Ausstattung und ursprünglicher Listenpreis bestimmen.
Ein Algorithmus erstellt anschließend anhand von Faktoren wie Alter, Laufleistung und aktueller Marktnachfrage eine erste Werteinschätzung. Danach wird das Fahrzeug europäischen Händlern in einer Auktion angeboten. Innerhalb von spätestens 48 Stunden soll der Verkäufer ein konkretes Kaufangebot erhalten, das sich am höchsten Händlergebot orientiert.
Nimmt der Eigentümer das Angebot an, wird der Vertrag digital abgeschlossen. Aampere tritt dabei selbst als Vertragspartner und Zwischenhändler auf. Nach Angaben des Unternehmens erfolgt die Zahlung noch vor der Abholung des Autos. Auch den Transport organisiert die Plattform; in der Regel soll das Fahrzeug innerhalb von sieben Tagen abgeholt werden. Für Verkäufer ist der Service kostenlos. Aampere verdient an der Differenz zwischen Händlergebot und dem an den Verkäufer ausgezahlten Kaufpreis.
Das Modell unterscheidet sich damit von klassischen Anzeigenportalen. Dort stellen Autobesitzer ihr Fahrzeug lediglich ein und müssen Preisverhandlungen, Besichtigungen, Kaufvertrag, Zahlung und Übergabe meist selbst organisieren. Aampere versucht dagegen, die gesamte Transaktion digital abzuwickeln.
Frisches Kapital für neue Länder und mehr Fahrzeuge Mit den 4,2 Millionen Euro will das Unternehmen beide Seiten seines Marktplatzes ausbauen. Neue Kooperationen und Vertriebskanäle sollen dafür sorgen, dass mehr Privatpersonen, Flottenbetreiber und gewerbliche Anbieter ihre Elektroautos über die Plattform verkaufen. Gleichzeitig soll das europäische Händlernetz wachsen.
Die aktuelle Runde ist bereits die zweite öffentlich bekannt gewordene Finanzierung innerhalb von neun Monaten. Im Oktober 2025 hatte Aampere 1,6 Millionen Euro erhalten, um unter anderem nach Skandinavien und in die Beneluxstaaten zu expandieren.
Nach eigenen Angaben vermittelt beziehungsweise verkauft das Unternehmen inzwischen mehrere Tausend Elektrofahrzeuge pro Jahr, beschäftigt mehr als 25 Menschen und hat seinen Umsatz innerhalb eines Jahres vervierfacht. Absolute Umsatzzahlen oder testierte Jahresabschlüsse wurden in den Veröffentlichungen allerdings nicht genannt. Die Wachstumsangaben sind deshalb als Unternehmensangaben einzuordnen.
Auch beim Gründungsjahr gibt es eine kleinere Abweichung zwischen den Quellen: Während einzelne aktuelle Finanzierungsberichte 2023 nennen, beschreiben frühere Unternehmensporträts und Interviews den Start durch Florian Reister, Niko Schmidt und Maximilian Rost bereits im Jahr 2022.
Transparenz bleibt die entscheidende Aufgabe Ein schneller digitaler Verkauf allein löst noch nicht alle Probleme des Gebrauchtmarkts. Besonders wichtig ist der nachprüfbare Zustand der Antriebsbatterie. Sie beeinflusst Reichweite, Nutzbarkeit und Restwert eines gebrauchten Elektroautos erheblich.
Aampere spricht von einer digitalen Zustands- und Historienprüfung. Öffentlich ist jedoch nicht im Detail dokumentiert, wie umfassend dabei die tatsächlich nutzbare Batteriekapazität unabhängig gemessen wird. Für Käufer bleibt ein standardisierter Batteriecheck deshalb weiterhin sinnvoll.
In Zukunft könnte der europäische Batteriepass für mehr Klarheit sorgen. Ab dem 18. Februar 2027 soll er für neu auf den EU-Markt gebrachte Elektrofahrzeugbatterien verpflichtend werden. Über einen QR-Code sollen unter anderem technische Merkmale, Leistungs- und Haltbarkeitsdaten sowie Informationen zu Reparatur, Wiederverwendung und Recycling zugänglich sein. Für ältere Fahrzeuge wird dieser Pass die Informationslücke allerdings nicht sofort schließen.
Mehr Nutzung statt schneller Austausch Ein funktionierender Gebrauchtmarkt ist auch aus ökologischer Perspektive relevant. Die Herstellung eines Fahrzeugs und insbesondere seiner Batterie benötigt Energie und Rohstoffe. Je länger ein bereits produziertes Elektroauto sinnvoll genutzt wird, desto länger verteilt sich dieser Herstellungsaufwand über seine gesamte Lebensdauer.
Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur verursacht ein typisches Elektroauto in Europa über seinen gesamten Lebenszyklus weniger Treibhausgase als ein vergleichbares Benzin- oder Dieselfahrzeug. Die höheren Belastungen während der Produktion werden im Laufe der Nutzung durch niedrigere Emissionen ausgeglichen. Die Behörde betont zugleich, dass Elektroautos allein weder Verkehrsprobleme noch den hohen Ressourcenbedarf des gesamten Mobilitätssystems lösen können.
Plattformen wie Aampere sind deshalb kein vollständiger Ersatz für öffentlichen Verkehr, Fahrrad, Carsharing oder weniger Autoverkehr. Sie können aber einen bisher schwach entwickelten Teil der Kreislaufwirtschaft stärken: Fahrzeuge, die bereits hergestellt wurden, schneller dorthin zu bringen, wo sie tatsächlich gebraucht werden.
Die Millionenfinanzierung ist noch kein Beweis dafür, dass sich das Geschäftsmodell europaweit durchsetzen wird. Sie zeigt jedoch, dass Investoren den Gebrauchtmarkt nicht länger als Nebenschauplatz der Elektromobilität betrachten. Denn die Verkehrswende entscheidet sich nicht nur daran, wie viele neue Stromer verkauft werden – sondern auch daran, ob gebrauchte Elektroautos bezahlbar, verständlich und vertrauenswürdig weitergegeben werden können.
Warum das Hoffnung macht
Ein besser organisierter Gebrauchtmarkt kann Elektroautos für Menschen zugänglich machen, die keinen Neuwagen kaufen können oder möchten. Gleichzeitig werden bereits produzierte Fahrzeuge länger genutzt, statt vorschnell ersetzt oder unter Wert verkauft zu werden.
Gebrauchte E-Autos in 48 Stunden verkaufen: Aampere expandiert mit Millionenfinanzierung