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Geben tut gut: Schenken macht auch die Schenkenden oft etwas glücklicher
Wer Geld oder Zeit für andere einsetzt, ist oft etwas glücklicher, das legen Studien aus vielen Ländern nahe. Der Effekt ist eher klein, aber eine schöne Nachricht zum Weltschenktag am Sonntag: Teuer muss es nicht sein, freiwillig dagegen schon.
Von Madalina ·
Am Sonntag, dem 8. November, steht in einem Online-Kalender der Aktionstage der Weltschenktag. Mehr als den Namen verrät der Eintrag nicht, aber er liefert einen guten Anlass für eine Frage, die Forschende seit Jahren beschäftigt: Was macht das Schenken eigentlich mit denen, die geben? Die Antwort fällt erfreulich aus, auch wenn sie bescheidener ist, als es Kalendersprüche versprechen. Geben macht viele Menschen tatsächlich ein wenig glücklicher.
Fünf Dollar und eine falsche Vermutung Bekannt wurde die Idee durch eine kurze Arbeit, die Elizabeth Dunn, Lara Aknin und Michael Norton 2008 im Fachjournal Science veröffentlichten. In einem Experiment bekamen 46 Menschen morgens einen Umschlag mit 5 oder 20 Dollar, den sie bis zum späten Nachmittag ausgeben sollten. Die einen für sich selbst, die anderen für ein Geschenk oder eine Spende. Als alle danach erneut befragt wurden, fühlte sich die zweite Gruppe glücklicher. Die Höhe des Betrags spielte dabei keine Rolle.
Der Aha-Moment kam mit einer Zusatzfrage. Als das Team 109 anderen Studierenden das Experiment beschrieb, tippten die meisten falsch: 69 hielten das Geld für sich selbst für die glücklichere Variante, 94 setzten auf die 20 Dollar. Wir scheinen also schlecht darin zu sein, vorherzusagen, was uns guttut.
Von Kanada bis Uganda Ist das nur eine Eigenheit wohlhabender Länder? Offenbar nicht. In einer 2013 veröffentlichten Arbeit wertete ein Team um Lara Aknin Daten aus den Jahren 2006 bis 2008 aus, von fast 235.000 Befragten in 136 Ländern. In 120 davon ging das Spenden mit höherem Wohlbefinden einher, in armen wie in reichen Staaten, wenn auch nicht überall statistisch gesichert. Solche Umfragen zeigen allerdings nur einen Zusammenhang: Es kann auch sein, dass zufriedene Menschen schlicht eher geben.
Deshalb folgten Experimente. In Kanada, Uganda und Indien erinnerten sich Teilnehmende an einen Kauf für andere oder für sich selbst. Wer an den Kauf für andere dachte, war im Schnitt glücklicher. In Kanada und Südafrika konnten 207 Studierende für einen kleinen Betrag eine Tüte mit Schokolade, Saft oder beidem kaufen. Per Zufall wurde festgelegt, für wen: für sich selbst oder anonym für ein krankes Kind im Krankenhaus. Obwohl sie das Kind nie treffen würden und niemand von ihrem Kauf erfuhr, war die Stimmung bei denen besser, die für das Kind gekauft hatten. Weil hier nur Studierende teilnahmen, raten die Autoren allerdings zu besonderer Vorsicht.
Und schon ganz Kleine scheinen das zu kennen: In einer kanadischen Studie wirkten knapp zweijährige Kinder fröhlicher, wenn sie einer Handpuppe ein Leckerli gaben, als wenn sie selbst eines bekamen. Am fröhlichsten waren sie in dieser Studie, wenn sie ein eigenes abgaben. Mit 20 Kindern ist das allerdings eine kleine Stichprobe.
Was im Gehirn passiert Einen Blick in den Kopf warf ein internationales Team mit Forschenden aus Zürich und Lübeck, dessen Studie 2017 in Nature Communications erschien. Rund 50 junge Erwachsene sagten zu, vier Wochen lang 25 Franken pro Woche auszugeben, die eine Hälfte für andere, die andere für sich. Schon die Zusage machte einen Unterschied: Wer sich auf andere festgelegt hatte, entschied direkt danach im Hirnscanner großzügiger und berichtete einen stärkeren Zuwachs an Glück, noch bevor das Geld ausgegeben war. Dabei veränderte sich das Zusammenspiel einer Hirnregion, die mit Großzügigkeit verknüpft ist, und einer, die mit Glück verbunden wird. Auch diese Stichprobe ist klein. „Man braucht nicht gleich aufopfernd selbstlos zu werden“, sagte Mitautor Philippe Tobler von der Universität Zürich dazu.
Wie belastbar ist das? Jetzt kommt die Einschränkung, und gerade sie macht die Sache glaubwürdig. Das berühmte Experiment von 2008 war sehr klein. Als Forschende es in einer 2022 veröffentlichten Arbeit mit 133 Studierenden der University of California in Berkeley wiederholten, fanden sie in der ursprünglichen Auswertung keinen Unterschied. Nur eine nachträgliche Auswertung mit einer direkten Glücksfrage zeigte ein leichtes Plus für das Geben, und die ist mit Vorsicht zu lesen.
Aknin und Dunn prüften ihre eigene These 2020 mit Kollegen noch einmal in großen, vorab registrierten Versuchen. Im ersten Experiment mit 712 Studierenden bestätigte sie sich. Im zweiten mit 1.950 Erwachsenen, die sich nur an einen früheren Kauf erinnerten, zeigte sich nichts. Im dritten mit 5.199 Teilnehmenden und leicht verändertem Ablauf kam der Effekt zurück, blieb aber klein. Das Fazit des Teams: Geld für andere fördert das Glück, wie stark, hängt aber von der Methode ab.
Dazu passt eine große Übersichtsarbeit, eine Metaanalyse von Forschenden um Bryant Hui aus dem Jahr 2020. Sie fasst 201 Studien mit mehr als 198.000 Teilnehmenden zusammen und betrachtet Hilfsbereitschaft insgesamt, also nicht nur Geld, sondern etwa auch Freiwilligenarbeit. Der Zusammenhang mit dem Wohlbefinden ist gering, aber vorhanden, und informelles Helfen schneidet besser ab als formelles.
Schenken ist also kein Glücksrezept und ersetzt nichts. Es ist eher ein kleiner, freundlicher Schubs für die Stimmung.
Worauf es ankommt Der World Happiness Report 2025 hat die Forschung zu Fürsorge und Teilen ausgewertet und nennt drei Bedingungen, unter denen Geben besonders guttut:
Verbindung: Geben wirkt stärker, wenn eine Beziehung dahintersteht und wenn es wirklich um den anderen Menschen geht. Wahlfreiheit: Wer selbst entscheidet, ob und wie er hilft, hat mehr davon. In einem Versuch mit 80 Studierenden machte Geben nur dann glücklicher, wenn sie die Summe selbst bestimmen durften. Sichtbare Wirkung: Wenn klar ist, was die Gabe bewirkt, wächst die Freude. In einem Experiment mit 120 Studierenden machten höhere Spenden nur dann glücklicher, wenn die Organisation genau sagte, was das Geld leistet, nämlich ein Moskitonetz für ein Kind pro zehn kanadische Dollar. Für den Weltschenktag heißt das: Es muss nichts Gekauftes sein und schon gar nichts Teures. Zeit zählt, ein Handgriff für die Nachbarin ebenso, und wer sich zum Geben gedrängt fühlt, hat den Befunden zufolge vermutlich wenig davon.
Und in Deutschland? Gut zu wissen: Viele tun hierzulande längst, wovon die Studien handeln. Laut dem Deutschen Freiwilligensurvey engagierten sich 2024 36,7 Prozent der Menschen ab 14 Jahren freiwillig, das sind knapp 27 Millionen. 2019 lag der Anteil allerdings noch bei 39,7 Prozent. Im World Happiness Report landet Deutschland für die Jahre 2022 bis 2024 beim Anteil der Menschen, die im Vormonat gespendet haben, auf Platz 26 von 147 Ländern, bei der Freiwilligenarbeit auf Platz 67 und bei der Hilfe für Fremde auf Platz 82. Ob die Engagierten dadurch glücklicher werden, lässt sich aus diesen Zahlen nicht ablesen, die Forschung gibt aber einen freundlichen Hinweis: Was wir für andere tun, kann auch uns selbst ein bisschen guttun.
Themen: Schenken, Glück, Geben, Wohlbefinden, Studien, Hilfsbereitschaft, Weltschenktag
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