Sport
Frauen-Basketball im Höhenflug: Heim-WM in Berlin knackt historischen Zuschauerrekord
Mehr als 200.000 verkaufte Tickets machen die Frauen-Basketball-WM in Berlin schon jetzt zu einem Rekordturnier.
Von Ulrike ·
Über 200.000 Tickets: Frauen-Basketball-WM in Berlin stellt neuen Zuschauerrekord auf Volle Hallen, internationale Stars und ein deutsches Team unter den besten acht der Welt: Die Frauen-Basketball-WM in Berlin erreicht schon vor ihrem Ende eine historische Marke. Mehr als 200.000 Tickets wurden verkauft – so viele wie bei keiner Frauen-WM zuvor.
Manchmal lässt sich ein sportlicher Aufschwung ziemlich einfach messen: an den Schlangen vor den Arenen.
Bei der Basketball-Weltmeisterschaft der Frauen in Berlin sind diese derzeit besonders lang. Schon vor Beginn des Turniers vom 4. bis 13. September waren mehr als 200.000 Eintrittskarten verkauft. Damit steht bereits fest: Keine Frauen-Basketball-Weltmeisterschaft zuvor konnte so viele Tickets absetzen. Der Deutsche Basketball Bund bestätigte das Überschreiten der Marke bereits Ende August. Auch der Weltverband FIBA meldete vor dem ersten Spiel mehr als 200.000 erwartete Besucher.
Zum Vergleich: Die Weltmeisterschaft 2022 in Sydney galt bis dahin als die meistbesuchte der Geschichte. Damals kamen insgesamt 145.519 Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Spielen.
Das ist mehr als nur eine hübsche Zahl auf einer Statistiktafel. Frauenbasketball erreicht in Deutschland gerade ein Publikum, von dem der Sport vor einigen Jahren noch weit entfernt war.
12.550 Fans beim deutschen Auftakt Wie groß die Begeisterung tatsächlich ist, zeigte bereits das erste Spiel der deutschen Mannschaft gegen Spanien. 12.550 Menschen kamen in die ausverkaufte Berlin Arena – laut FIBA eine der größten Kulissen der modernen WM-Geschichte.
Auch danach blieb die Unterstützung groß. Beim Sieg gegen Japan waren 8.367 Plätze in der Max-Schmeling-Halle besetzt – ebenfalls ausverkauft. Deutschland gewann 74:58 und feierte damit seinen ersten WM-Sieg seit 1998.
Inzwischen ist aus der guten Stimmung sogar eine kleine sportliche Erfolgsgeschichte geworden: Am 8. September besiegte das deutsche Team Südkorea deutlich mit 94:56 und zog damit unter die besten acht Mannschaften der Welt ein. Im Viertelfinale wartet am 10. September Europameister Belgien.
Warum Frauenbasketball plötzlich viel sichtbarer ist Ganz plötzlich kommt diese Entwicklung allerdings nicht.
In den vergangenen Jahren haben mehrere Erfolge dafür gesorgt, dass deutscher Frauenbasketball deutlich häufiger auf der großen Sportbühne auftaucht. Bei den Olympischen Spielen 2024 nahm die deutsche Frauen-Nationalmannschaft erstmals am olympischen Basketballturnier teil – und erreichte gleich das Viertelfinale.
Fast gleichzeitig schrieb Deutschlands 3x3-Team Sportgeschichte. Svenja Brunckhorst, Sonja Greinacher, Marie Reichert und Elisa Mevius gewannen in Paris olympisches Gold. Es war die erste deutsche Olympiamedaille überhaupt in einer Basketballdisziplin.
Hinzu kommen Spielerinnen wie Leonie Fiebich, Luisa Geiselsöder oder Frieda Bühner , die inzwischen auch in der nordamerikanischen WNBA auflaufen. Spitzenbasketball der Frauen wird dadurch für deutsche Fans sichtbarer – und bekommt Gesichter, Namen und Geschichten.
Frieda Bühner brachte die Veränderung vor der WM bemerkenswert auf den Punkt: Deutschland sei traditionell ein Fußballland. Umso außergewöhnlicher sei es, inzwischen diese Unterstützung für Basketball zu erleben.
Ein Rekord mit Wirkung über das Turnier hinaus Natürlich macht ein ausverkauftes Turnier noch keinen dauerhaften Boom. Entscheidend wird sein, ob Vereine, Liga, Nachwuchsarbeit, Sponsoren und Medien das gestiegene Interesse auch nach der WM nutzen können.
Doch genau darin liegt die vielleicht schönste Nachricht dieses Rekords: Menschen kommen nicht nur zu einer Veranstaltung, weil sie „Frauenbasketball unterstützen“ wollen. Sie kommen, weil sie hochklassigen Sport sehen möchten.
Die Tribünen werden voller, deutsche Spielerinnen spielen international auf höchstem Niveau, und eine Generation junger Basketballerinnen erlebt gerade, dass große Arenen keineswegs ausschließlich den Männern gehören.
Mehr als 200.000 verkaufte Tickets sind deshalb nicht nur ein Rekord.
Sie sind vor allem ein ziemlich lautes Zeichen dafür, dass Frauenbasketball in Deutschland aus seiner Nische herausspielt.
Frauen-Basketball im Höhenflug: Heim-WM in Berlin knackt historischen Zuschauerrekord