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Fika: Was wir von Schwedens Kaffeepause lernen können
Fika ist in Schweden mehr als Kaffee und Kuchen: eine feste Pause zum Reden, in manchen Betrieben sogar zweimal am Tag. Am 7. November hat dort auch die klebrige Kladdkaka ihren Tag. Was wir uns abschauen können, samt Rezept für den Küchentisch.
Von Madalina ·
In Schweden kann man Kaffee trinken, oder man kann fika. Das zweite ist die schönere Verabredung. Das Wort ist Hauptwort und Tätigkeit zugleich und meint eine Pause mit Kaffee oder einem anderen Getränk, etwas zu essen und vor allem: Gesellschaft.
Für einen Novembertag, an dem es früh dunkel wird, ist das genau die richtige Idee. Zumal die Schweden am 7. November auch noch Kladdkakans dag begehen, den Tag ihres klebrigen Schokoladenkuchens. Eine kleine Kulturreise also, für die der Küchentisch reicht. Und der Kuchen schmeckt natürlich auch einen Tag später noch.
Ein Wort mit vertauschten Silben Schon der Name ist ein kleines Sprachspiel. Fika soll durch Umstellen der Silben aus „kaffi“ entstanden sein, einer älteren Form des schwedischen Worts für Kaffee. In der Bedeutung „Kaffee trinken“ ist es seit 1910 belegt.
Der Kaffee selbst hatte es in Schweden lange nicht leicht. Zwischen der Mitte des 18. und dem frühen 19. Jahrhundert wurde er fünfmal verboten. Zunächst drohte die Beschlagnahmung von Tassen und Geschirr, später sogar Haft. Viele fanden trotzdem Wege, an Kaffee zu kommen. Im 19. Jahrhundert machten dann die Konditoreien Kaffee und Kuchen unter Freunden zum festen Ritual. Heute zählt Schweden zu den größten Kaffeekonsumenten der Welt.
Eine Pause mit festem Platz im Tag Wie fest die Pause zum schwedischen Alltag gehört, zeigt ein Blick auf das nationale Portal zum immateriellen Kulturerbe, das unter anderem das Nordiska museet und das Institut Isof gemeinsam betreiben: In seinem Verzeichnis steht Fika als landesweite Essens- und Sozialtradition. Vorschläge dafür kann jeder Interessierte einreichen, eine Auszeichnung ist der Eintrag also nicht. Laut dem Eintrag treffen sich in vielen Betrieben die Beschäftigten vormittags und nachmittags in einem gemeinsamen Raum; Visit Sweden schreibt etwas vorsichtiger, manche Betriebe hätten sogar zwei feste Pausen. Richtig populär soll die Pause in den 1960er-Jahren geworden sein, als Kaffeepausen in Tarifverträge aufgenommen wurden.
Einen Eindruck davon gibt ein Erfahrungsbericht auf einem Blog der Universität Münster: Eine Praktikantin der Deutsch-Schwedischen Handelskammer in Stockholm schilderte 2019, dass ihre Abteilung jede Woche Fika hielt, mit selbst Gebackenem.
Wer es festlich mag, hält sich an „sju sorters kakor“, die sieben Sorten Kekse. Sieben gelten als genau richtig: Weniger wirkt knauserig, mehr angeberisch.
Was wir uns abschauen können Das Schöne: Fika kommt fast ohne Regeln aus. Die schwedische Tourismusorganisation Visit Sweden rät im Wesentlichen zu vier Dingen, die jeder sofort umsetzen kann.
Nicht hetzen: Die Pause ist keine Aufgabe, die man abhakt. Das Handy weglegen und wirklich da sein. Den Ort frei wählen: Büro, Küche, Café oder draußen, alles zählt. Wer eingeladen ist, bringt etwas Gebackenes mit. Dazu kommt das, was in vielen schwedischen Betrieben Alltag ist: Die Pause hat eine feste Zeit und findet gemeinsam statt.
Dass sich das auch hierzulande lohnen kann, legen Aussagen aus der deutschen Arbeitsforschung nahe. Johannes Wendsche von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sagt in einem Interview zum Pflegealltag, dass schon kurze Erholungsphasen viel ausmachen: „Oft reicht schon ein kurzes Durchschnaufen.“ Teampausen haben für ihn zudem „offenbar eine stark identitätsstiftende Funktion“. Eine Studie, die speziell der Fika eine Wirkung bescheinigt, haben wir allerdings nicht gefunden. Vielleicht ist das auch gar nicht nötig: Ein Kaffee mit jemandem, den man mag, braucht keinen Wirkungsnachweis.
Der Kuchen, der klebrig sein soll Bleibt die Kladdkaka, deren Name vom schwedischen „kladdig“ für klebrig kommt. Außen hat sie eine dünne Kruste, innen bleibt sie weich. Der Trick liegt im Weglassen: Anders als viele andere Kuchen kommt sie ohne Backpulver aus.
Woher sie stammt, ist bis heute nicht sicher geklärt. Eine Spur führt nach Paris: Die Journalistin Margareta Wickman soll dort in einem Restaurant bei einem Flohmarkt einen Schokoladenkuchen gegessen, das Rezept mitgenommen und Ende der 1970er-Jahre in Schweden veröffentlicht haben. Die andere Version führt nach Örebro, wo Gudrun Isaksson in den 1930er-Jahren bei einem amerikanischen Brownie-Rezept das schwer erhältliche Backpulver weggelassen haben soll; für sie gibt es aber weniger feste Belege. Auch der Ehrentag ist kein alter Brauch: Er soll aus einem Gespräch in den sozialen Medien entstanden sein und wird oft auf 2008 datiert. Dem Kuchen schadet das nicht.
Zum Nachbacken hier die Mengen aus dem Rezept auf der schwedischen Website des Molkereiunternehmens Arla: 100 Gramm Butter, 2½ Deziliter Zucker (etwa 225 Gramm), 2 Eier, 1 Deziliter Weizenmehl (etwa 60 Gramm), 3 Esslöffel Kakao und 1 Teelöffel Vanillezucker.
Den Ofen auf 175 Grad vorheizen (160 Grad Umluft), eine Springform von etwa 24 Zentimetern Durchmesser fetten und mit Bröseln ausstreuen. Die Butter in einem Topf schmelzen und vom Herd nehmen, Zucker und Eier gut unterrühren, dann die übrigen Zutaten dazugeben. Den Teig in die Form füllen und auf der mittleren Schiene etwa 15 Minuten backen. Fertig ist der Kuchen, wenn die Ränder fest sind und die Oberfläche eine dünne Kruste hat, die Mitte aber noch wackelt und klebrig ist. Lieber etwas zu früh herausnehmen, denn er gart in der Restwärme nach.
Das Rezept sieht vor, den Kuchen auskühlen zu lassen und mit Puderzucker und Schlagsahne, Eis oder Beeren zu servieren; Visit Sweden empfiehlt ihn dagegen warm. Beides ist erlaubt. Hauptsache, es sitzt jemand mit am Tisch.
Themen: Fika, Kladdkaka, Schweden, Kaffeepause, Kladdkakans dag, Kultur, Rezept, Pausenkultur