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Europas großer Stromplan: Wie die EU jährlich 260 Milliarden Euro sparen will
Heizen, fahren und produzieren – künftig soll deutlich mehr davon mit Strom funktionieren. Die EU-Kommission will den Elektrifizierungsgrad Europas bis 2040 verdoppeln. Das könnte fossile Importe drastisch verringern, Energiepreise stabilisieren und neue Industrien stärken. Doch der Erfolg hängt an einer entscheidenden Frage: Wird Strom tatsächlich bezahlbarer?
Von Max ·
Europas Strom wird sauberer – der Energieverbrauch bleibt fossil Die Voraussetzungen haben sich verbessert: Fast die Hälfte des in der EU verbrauchten Stroms stammt inzwischen aus erneuerbaren Energien. Zusammen mit Kernenergie wird ein großer Teil der Stromerzeugung durch heimische, emissionsarme Quellen gedeckt.
Gleichzeitig sind Verkehr, Gebäude und Industrie weiterhin stark von Öl und Gas abhängig. Im Jahr 2024 musste die EU rund 57 Prozent ihres Energiebedarfs durch Nettoimporte decken. Den größten Anteil daran hatten Öl und Erdgas.
Die Elektrifizierung soll den zunehmend saubereren Strom deshalb stärker in Autos, Heizungen und Fabriken bringen.
Bis zu 260 Milliarden Euro weniger für Energieimporte Nach Modellrechnungen der EU-Kommission könnten die europäischen Gasimporte bis 2040 um mehr als 70 Prozent und die Rohölimporte um mehr als 40 Prozent sinken.
Dadurch könnte Europas jährliche Rechnung für fossile Energieimporte im Jahr 2040 um bis zu 260 Milliarden Euro niedriger ausfallen. Auch die jährlichen CO₂-Emissionen könnten gegenüber dem heutigen Stand um mehr als zwei Milliarden Tonnen zurückgehen.
Diese Zahlen sind jedoch keine garantierten Einsparungen. Sie setzen voraus, dass Europa gleichzeitig in erneuerbare Energien, Stromnetze, Speicher, Gebäude und Industrieanlagen investiert.
Wärmepumpen als Schlüssel für Gebäude Besonders groß ist das Potenzial im Gebäudebereich, der etwa die Hälfte des europäischen Gasverbrauchs verursacht. Wärmepumpen können aus einer Kilowattstunde Strom ein Mehrfaches an Wärme erzeugen und arbeiten damit deutlich effizienter als klassische Gasheizungen.
Die Kommission möchte die Zahl der jährlich installierten Wärmepumpen von rund 2,4 Millionen im Jahr 2025 auf vier Millionen im Jahr 2030 steigern. Langfristig könnten etwa 100 Millionen Anlagen in Europa betrieben werden.
Unter günstigen Bedingungen können Haushalte ihre Heizkosten deutlich senken. Wie groß die Ersparnis tatsächlich ausfällt, hängt jedoch vom Gebäude, der Dämmung, der Anlage sowie den Strom- und Gaspreisen ab.
Deshalb sollen Wärmepumpen mit Gebäudesanierungen, Solaranlagen, Speichern und intelligenter Steuerung kombiniert werden.
Elektroautos sollen den Ölverbrauch senken Auch der Verkehr soll wesentlich stärker elektrifiziert werden. Elektrofahrzeuge nutzen Energie deutlich effizienter als Verbrenner und können besonders bei günstigen Ladepreisen niedrigere laufende Kosten verursachen.
Um den Umstieg zu erleichtern, schlägt die Kommission steuerliche Anreize für elektrische Firmenfahrzeuge, Förderungen für gebrauchte Elektroautos und soziale Leasingangebote für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen vor.
Gleichzeitig muss die Ladeinfrastruktur ausgebaut werden – nicht nur für Autos, sondern auch für Lastwagen, Schiffe und den öffentlichen Verkehr.
Saubere Technik soll bezahlbarer werden Viele elektrische Technologien verursachen geringe Betriebskosten, sind beim Kauf aber vergleichsweise teuer. Gerade Haushalte mit hohen Heiz- oder Mobilitätskosten können sich Wärmepumpen, Elektroautos oder Solaranlagen häufig nicht ohne Unterstützung leisten.
Die EU-Kommission setzt deshalb auf Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und soziale Leasingmodelle. Haushalte könnten technische Anlagen gegen bezahlbare Monatsraten nutzen, ohne die gesamte Investition sofort finanzieren zu müssen.
Die Unterstützung soll insbesondere Menschen erreichen, die ohne Förderung nicht auf saubere Technik umsteigen könnten.
Auch Europas Industrie soll elektrischer werden Nach Einschätzung der Kommission sind rund 60 Prozent des industriellen Energieverbrauchs, der heute mit Brennstoffen gedeckt wird, technisch bereits elektrifizierbar.
Besonders geeignet sind Prozesse in der Lebensmittel-, Papier-, Textil- und Chemieindustrie. Industrielle Wärmepumpen, Elektrokessel, Lichtbogenöfen und Wärmespeicher könnten dort große Mengen Erdgas ersetzen.
Für extrem hohe Temperaturen und bestimmte chemische Prozesse werden jedoch weiterhin andere Lösungen wie Wasserstoff benötigt.
Der Strompreis entscheidet Ob sich Haushalte und Unternehmen für elektrische Technologien entscheiden, hängt stark vom Preis ab. In vielen EU-Staaten ist Strom gemessen am Energiegehalt deutlich teurer als Gas. Ein erheblicher Teil der Stromrechnung besteht aus Netzentgelten, Steuern und Abgaben.
Die Kommission will deshalb die steuerliche Benachteiligung von Strom verringern und fossile Subventionen schrittweise abbauen. Wärmepumpen, Solaranlagen und Speicher könnten zugleich durch niedrigere Steuern attraktiver werden.
Der Plan kann nur funktionieren, wenn sauberer Strom nicht nur verfügbar, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig ist.
Stromnetze müssen schneller wachsen Eine stärkere Elektrifizierung erhöht den Strombedarf erheblich. Dafür werden zusätzliche Leitungen, Umspannwerke, Speicher und Netzanschlüsse benötigt.
Elektroautos, Wärmepumpen und Batterien sollen möglichst dann Strom nutzen, wenn viel Wind- oder Solarenergie vorhanden ist. Dynamische Tarife und intelligentes Laden könnten Verbrauchsspitzen reduzieren und den Netzausbau begrenzen.
Auch bidirektionales Laden spielt eine Rolle: Elektroautos könnten künftig zeitweise Strom in Häuser oder Stromnetze zurückspeisen.
Ein Fahrplan, noch kein verbindliches Gesetz Das Ziel von 46 Prozent Elektrifizierung ist bislang nicht verbindlich. Der Aktionsplan ist zunächst ein politischer Fahrplan, der noch geprüft und in konkrete europäische sowie nationale Regelungen übersetzt werden muss.
Entscheidend wird sein, ob die Mitgliedstaaten Genehmigungen beschleunigen, Stromnetze ausbauen, Investitionen ermöglichen und den Umstieg für Haushalte und Unternehmen bezahlbar gestalten.
Gelingt das, könnte Europa einen großen Teil des Geldes, das heute für Öl und Gas ins Ausland fließt, in heimische Energieanlagen, Handwerksbetriebe, Industrie und Infrastruktur investieren.
Die Technologien sind größtenteils vorhanden. Nun kommt es darauf an, sie so einzusetzen, dass sauberer Strom zur günstigeren und praktischeren Alternative wird.
Faktencheck Europa soll nicht zu 100 Prozent elektrifiziert werden. Vorgeschlagen wird ein Stromanteil von rund 46 Prozent am Endenergieverbrauch bis 2040.
Die möglichen Einsparungen von bis zu 260 Milliarden Euro jährlich sind Modellrechnungen und keine garantierte Summe.
Auch das Ziel von 46 Prozent ist bisher nicht rechtsverbindlich, sondern Teil eines politischen Fahrplans.
Europas großer Stromplan: Wie die EU jährlich 260 Milliarden Euro sparen will