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Eulen zu Halloween: Warum die Nachtjäger lautlos fliegen und den Kopf so weit drehen
Lautloser Flug, Blick über die Schulter, schaurige Rufe: Was hinter den Eulen-Mythen steckt – und warum Staunen lohnt.
Von Andre ·
Wenn in diesen Nächten Kürbisse leuchten und Kinder als Gespenster um die Häuser ziehen, gehört ein Geräusch fast schon zur Kulisse: ein langgezogenes, zitterndes „Huu-hu-huhuhuhuu“ aus dem dunklen Park. Was nach Gruselfilm klingt, ist schlicht ein Waldkauz bei der Arbeit. Die Deutsche Wildtier Stiftung nimmt Halloween zum Anlass, mit einigen hartnäckigen Eulen-Mythen aufzuräumen – und zeigt, dass die Wahrheit über die Nachtvögel spannender ist als jede Spukgeschichte.
Konzert im Herbst: Warum der Waldkauz jetzt so oft ruft Ab Ende Oktober und den ganzen November hindurch sind Waldkäuze besonders häufig zu hören. Das hat handfeste Gründe: Die Vögel stecken ihre Reviere ab und suchen Partner. Vor allem das Männchen meldet sich mit dem bekannten, bebenden Ruf, das Weibchen ruft ein kurzes „Ku-witt“. Für menschliche Ohren klingt das wie „Komm mit!“ – und das nährte früher den Aberglauben, Eulen kündigten den Tod an. Man brachte sie sogar mit Seuchen und Bränden in Verbindung und verfolgte sie deshalb.
Heute weiß man es besser. Der Waldkauz ist die häufigste Eulenart in Deutschland, Schätzungen gehen von mehreren Zehntausend Brutpaaren aus. Er lebt in Laub- und Mischwäldern, aber auch in Gärten mit alten Bäumen, und ist in Städten oft in Parks und auf Friedhöfen zu Hause. Seinem Revier bleibt er ein Leben lang treu. Wer also in einer klaren Herbstnacht ein Rufduett hört, erlebt keine Spukszene, sondern ein Stück heimischer Natur ganz aus der Nähe.
Flüstern statt Flattern: das Geheimnis des lautlosen Flugs Viele Eulen jagen nahezu geräuschlos – eine Fähigkeit, die sie ihrem besonderen Gefieder verdanken. An der Vorderkante der Flügel sitzt ein kammartiger Saum aus feinen, borstenartigen Strukturen, die Federoberfläche ist samtig, und die Hinterkanten laufen in weichen Fransen aus. Zusammen glätten diese Strukturen den Luftstrom und dämpfen das Rauschen, das bei anderen Vögeln entsteht. So bemerken Mäuse, die Hauptbeute, den Angreifer oft erst, wenn es zu spät ist. Neben Mäusen stehen auch Vögel und Insekten auf dem Speiseplan.
Das Prinzip fasziniert längst auch die Technik. Forschende der University of Cambridge um Nigel Peake haben das Eulengefieder genau untersucht und daraus Beschichtungen für Rotorblätter entwickelt. Bereits 2015 machte eine im 3D-Drucker hergestellte Variante ein Windturbinenblatt im Windkanal um zehn Dezibel leiser, ohne die Aerodynamik nennenswert zu verschlechtern. Die Beschichtung sollte damals noch weiter optimiert werden; denkbar sind solche Lösungen auch für Flugzeuge oder Computerlüfter – ein schönes Beispiel dafür, wie viel die Natur der Ingenieurskunst voraushat.
Blick über die Schulter – aber keine volle Umdrehung Eulen können ihren Kopf um bis zu 270 Grad drehen. Nötig ist das, weil ihre Augen fest in den Augenhöhlen sitzen und sich kaum bewegen lassen. Eine besonders bewegliche Halswirbelsäule und flexible Blutgefäße gleichen diese Einschränkung aus. Eine komplette 360-Grad-Drehung, wie sie manche Geschichten behaupten, gehört allerdings ins Reich der Mythen.
Gewölle: Ein Schatz für die Forschung Kleine Beutetiere verschlingen Eulen häufig im Ganzen. Was sich nicht verdauen lässt – Knochen, Schädel, Fell –, würgen sie später als kompaktes Päckchen wieder heraus, das sogenannte Gewölle. Für Fachleute ist das ein wertvoller Fund: Aus den Resten lässt sich ablesen, was die Eulen gefressen haben und welche Kleintiere in einem Lebensraum vorkommen.
Nicht jede Eule ist ein Nachtschwärmer Zehn Eulenarten brüten in Deutschland, darunter Waldkauz, Waldohreule, Schleiereule, Steinkauz und Uhu. Die meisten sind in der Nacht oder in der Dämmerung unterwegs, aber nicht alle. Die seltene Sumpfohreule jagt auch tagsüber über Feuchtwiesen und Moore. Und der Sperlingskauz, die kleinste heimische Eule und kaum größer als eine Faust, ist ebenfalls bei Tageslicht aktiv, vor allem in den Morgen- und Abendstunden.
Und es gibt sogar eine Erfolgsgeschichte: Der Uhu, mit bis zu 70 Zentimetern Körpergröße die größte Eule des Landes, war in Deutschland fast ausgestorben und ist inzwischen wieder heimisch.
Staunen statt Gruseln Ob lautlose Jäger, Kopfkünstler oder nächtliche Sänger: Eulen sind keine Unglücksboten, sondern hoch spezialisierte Tiere, die direkt vor unserer Haustür leben. Wer in den kommenden Wochen abends durch einen Park oder am Waldrand spaziert, hat gute Chancen, einen Waldkauz zu hören. Ein kurzer Moment Stille genügt – und aus dem Halloween-Grusel wird ein echtes Naturerlebnis.
Themen: Eulen, Waldkauz, Lautloser Flug, Kopfdrehung, Naturerlebnis, Tierwelt, Mythen
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