Politik | Wirtschaft | Finanzen
EU und Kanada schmieden „Allianz für die Zukunft“: Digitalhandel, Rohstoffe, Forschung
Beim Gipfel in Montreal rücken EU und Kanada enger zusammen – mit ersten Abkommen und konkreten Zielen für junge Menschen.
Von Max ·
Zwischen Europa und Kanada liegt ein Ozean – politisch wird der Abstand gerade kleiner. Beim Gipfeltreffen der Europäischen Union mit Kanada am 29. und 30. Oktober 2026 in Montreal haben beide Seiten eine neue Partnerschaft gestartet: die „Allianz für die Zukunft“. Für die EU waren Ratspräsident António Costa und Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angereist, Gastgeber war Kanadas Premierminister Mark Carney.
Was die Allianz umfassen soll Bundeskanzler Friedrich Merz begrüßte den Schritt. In einer Erklärung der Bundesregierung spricht er von einem „völlig neuen Kapitel“ in den Beziehungen zu einem der engsten Verbündeten Europas und von einer einzigartigen Verbindung zu einem Partner außerhalb der EU. Die Initiative werde „alle Aspekte unserer Partnerschaft umfassen“, so Merz. Genannt werden vier Felder: Sicherheit und Verteidigung, Wachstum und Beschäftigung, nachhaltige Entwicklung sowie der Austausch zwischen den Menschen beider Seiten. Als Fundament nennt der Kanzler gemeinsame Werte und Vertrauen in einer unsicherer gewordenen Welt.
Erste konkrete Ergebnisse Zum Abschluss des Gipfels veröffentlichten EU und Kanada eine siebenseitige gemeinsame Erklärung, wie die kanadische Nachrichtenagentur The Canadian Press berichtet. Sie setzt auf engere industrielle Zusammenarbeit und besser verzahnte Lieferketten. Dazu kommen mehrere Vereinbarungen:
ein neues Abkommen über den digitalen Handel, das unter anderem über Online-Zahlungen den Verkauf im Internet nach Europa erleichtern soll eine Vereinbarung, nach der die Europäische Investitionsbank Projekte für kritische Rohstoffe in Kanada finanzieren kann Zugang für kanadische Forschende im Bereich künstliche Intelligenz zu europäischen Supercomputern Carney fasste den Nutzen knapp zusammen: „less red tape, more growth, more opportunity“ – weniger Bürokratie, mehr Wachstum, mehr Chancen. Außerdem bekennen sich beide Seiten dazu, die Welthandelsorganisation zu reformieren statt sie zu ersetzen, und wollen mehr gegen Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt tun.
Chancen für junge Menschen Besonders greifbar könnte die Allianz für Studierende werden: Ziel ist ein vollständiger Beitritt Kanadas zum EU-Austauschprogramm Erasmus+, nach Angaben eines kanadischen Regierungsvertreters Mitte 2027. Beim großen EU-Forschungsprogramm Horizon Europe, an dem Kanada bereits teilnimmt, strebt das Land bis 2028 die volle Mitgliedschaft an. Geprüft wird zudem eine neue Partnerschaft für die Mobilität junger Menschen, die Arbeiten und Studieren auf der jeweils anderen Seite erleichtern soll.
Ein Bund mit langer Geschichte Ganz neu ist die Nähe nicht. Die formellen Beziehungen zwischen der EU und Kanada reichen bis 1959 zurück. Nach Angaben der kanadischen Regierung ist die EU Kanadas zweitgrößter Handelspartner für Waren und Dienstleistungen, mit einem Volumen von rund 178 Milliarden kanadischen Dollar im Jahr 2025. Bereits im Juni 2025 hatten beide Seiten eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet.
Was noch offen ist Vieles an der Allianz ist bislang Absicht, nicht Beschluss. Erasmus+ und Horizon Europe sind Ziele mit Zeitplan, die Jugendmobilität wird erst geprüft. Über einen Status Kanadas als „assoziiertes Mitglied“ der EU wurde zwar gesprochen, doch mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, leisten laut The Canadian Press deutlichen Widerstand. Auch die Anerkennung der kanadischen CO₂-Bepreisung durch die EU ist noch nicht abgeschlossen, die Gespräche gelten aber als weit fortgeschritten. Weitere Details sollen im kommenden Jahr folgen: Im Frühjahr soll Carney an einer Sitzung der EU-Kommission teilnehmen, im Juni ist er beim Europäischen Rat zu Gast.
Die gute Nachricht bleibt: Zwei enge Partner bauen ihre Zusammenarbeit bewusst aus – mit ersten handfesten Abkommen und einem Zeitplan für die nächsten Schritte.
Themen: EU Kanada, Allianz für die Zukunft, Digitalhandel, Rohstoffe, Erasmus+, Jugendmobilität, Internationale Zusammenarbeit
EU und Kanada schmieden „Allianz für die Zukunft“: Digitalhandel, Rohstoffe, Forschung