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EU-Arktis-Gipfel: Warum Merz und Europas Partner jetzt im hohen Norden handeln
In Rovaniemi berät Europa über die Zukunft der Arktis – zwischen Sicherheit, Forschung, Rohstoffen und Klimaschutz.
Von Tobias ·
Merz beim EU-Arktis-Gipfel: Europa sucht eine gemeinsame Linie für den hohen Norden Rovaniemi liegt nur wenige Kilometer südlich des Polarkreises. An diesem Montag wird die finnische Stadt jedoch nicht nur zum Tor nach Lappland, sondern zum Treffpunkt einer europäischen Debatte, die weit über den hohen Norden hinausreicht.
Bundeskanzler Friedrich Merz nimmt dort gemeinsam mit europäischen Staats- und Regierungschefs sowie Vertretern der EU-Institutionen am European Arctic Summit teil. Gastgeber ist Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo. Das Ziel des Treffens: Europas gemeinsamen strategischen Ansatz für die Arktis weiterzuentwickeln.
Plötzlich liegt die Arktis mitten in Europas Zukunft Lange wirkte die Arktis aus mitteleuropäischer Perspektive wie eine weit entfernte Welt aus Eis, Forschungsschiffen und Polarstationen. Diese Zeiten sind vorbei.
Die Region wird wirtschaftlich, wissenschaftlich und sicherheitspolitisch immer bedeutender. Die Bundesregierung nennt unter anderem Rohstoffe, Handel, Raumfahrt und Forschung als Bereiche mit wachsender Bedeutung. Gleichzeitig verändert der Klimawandel die Bedingungen im hohen Norden und macht bislang schwer zugängliche Gebiete und Seewege erreichbarer.
Damit verändert sich auch Europas Blick auf die Region: Statt einzelner Initiativen soll stärker darüber gesprochen werden, welche Rolle die Europäische Union langfristig spielen will.
Finnlands Regierungschef Orpo bezeichnet die Arktis inzwischen als einen immer wichtigeren Teil des europäischen Sicherheitsumfelds. Für die EU gehe es dabei zugleich um Stabilität, Sicherheit und nachhaltige Entwicklung.
Europa arbeitet ohnehin an einem neuen Arktis-Kurs Der Gipfel kommt nicht zufällig zu diesem Zeitpunkt. Die Europäische Union überarbeitet 2026 ihre bisherige Arktispolitik aus dem Jahr 2021.
Der bisherige Ansatz konzentriert sich auf drei große Bereiche: Klima- und Umweltschutz, nachhaltige Entwicklung sowie Frieden und internationale Zusammenarbeit . Durch die veränderte geopolitische Lage sollen nun unter anderem Sicherheit, Verteidigung, Konnektivität und wirtschaftliche Sicherheit stärker berücksichtigt werden.
Die EU-Kommission hatte dafür zuvor eine öffentliche Konsultation gestartet. Beteiligen konnten sich nicht nur Regierungen und Unternehmen, sondern ausdrücklich auch Wissenschaft, Zivilgesellschaft sowie indigene und lokale Gemeinschaften.
Genau darin liegt eine der Chancen des neuen europäischen Ansatzes: Die Arktis soll nicht ausschließlich durch die Brille von Rohstoffen oder Sicherheit betrachtet werden.
Sicherheit trifft Forschung und Klimaschutz Am Sonntagabend begann das Treffen mit einem gemeinsamen Arbeitsessen. Am Montag stehen aktuelle Entwicklungen, Sicherheitsfragen und die künftige Rolle der Europäischen Union in der Arktis im Mittelpunkt.
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nimmt an den Beratungen teil. Ihr Programm umfasst neben der eigentlichen Gipfelsitzung auch Gespräche über die zukünftige Rolle und die Aktivitäten der EU in der Region.
Dabei lässt sich kaum über die Zukunft der Arktis sprechen, ohne über das Klima zu sprechen.
Nach Angaben des Arctic Council erwärmte sich die Arktis zwischen 1979 und 2023 ungefähr dreimal so schnell wie der globale Durchschnitt . Copernicus-Daten zeigen ebenfalls, dass die Erwärmungsrate dort deutlich über dem weltweiten Mittel liegt.
Das bedeutet: Forschung in der Arktis ist nicht nur Forschung über eine entfernte Region. Veränderungen bei Meereis, Gletschern, Permafrost und Ökosystemen können Auswirkungen weit über den Polarkreis hinaus haben.
Warum eine gemeinsame europäische Linie sinnvoll ist Gerade weil so unterschiedliche Interessen zusammenkommen, kann eine engere europäische Abstimmung einen Unterschied machen.
Forschungseinrichtungen benötigen langfristige Kooperationen und verlässliche Daten. Unternehmen brauchen klare Regeln für Investitionen und Rohstoffe. Bewohnerinnen und Bewohner der Region brauchen Infrastruktur und wirtschaftliche Perspektiven. Gleichzeitig müssen empfindliche Ökosysteme geschützt werden.
Die EU versucht deshalb zunehmend, diese Themen nicht getrennt voneinander zu behandeln.
Der hohe Norden könnte damit zu einem Beispiel dafür werden, wie Sicherheit, Wissenschaft, Wirtschaft und Nachhaltigkeit gemeinsam gedacht werden können , statt gegeneinander ausgespielt zu werden.
Das klingt weniger spektakulär als ein Wettlauf um neue Seewege oder Rohstofflager. Langfristig könnte genau diese Zusammenarbeit jedoch die wichtigere Entwicklung sein.
Noch kein fertiger Beschluss Wichtig ist allerdings: Am Morgen des 14. September läuft der Gipfel noch. Eine endgültige neue EU-Arktisstrategie oder ein abschließender gemeinsamer Gipfelbeschluss ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht.
Der European Arctic Summit ist vielmehr Teil eines größeren politischen Prozesses, in dem Europa seine Position im hohen Norden neu bestimmt. Die EU selbst bestätigt, dass die Überarbeitung ihrer Arktispolitik 2026 läuft und die Gespräche in Rovaniemi in diesen Prozess einfließen sollen.
Damit beginnt in Rovaniemi möglicherweise weniger eine völlig neue Geschichte als etwas mindestens ebenso Wichtiges: Europa versucht, bei einer Region, deren Bedeutung schnell wächst, frühzeitig gemeinsam zu handeln .
EU-Arktis-Gipfel: Warum Merz und Europas Partner jetzt im hohen Norden handeln