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Erstes Date: Warum weniger Beeindrucken besser ankommt
Was anziehen? Worüber reden? Und wohin bloß mit den Händen, wenn plötzlich drei Sekunden Stille entstehen? Beim ersten Date wollen viele möglichst gut ankommen. Die Forschung zeigt jedoch: Gerade ein paar erstaunlich einfache Dinge machen Begegnungen angenehmer – und Perfektion gehört nicht dazu.
Von Madalina ·
Erstes Date: Warum weniger Beeindrucken oft besser ankommt Das Hemd noch einmal wechseln. Kurz das Dating-Profil überfliegen. Im Kopf drei interessante Gesprächsthemen bereithalten.
Und dann sitzt man plötzlich gegenüber, der Kaffee kommt – und selbst die harmlose Frage „Wie war dein Tag?“ fühlt sich für einen Moment an wie der mündliche Teil einer Abschlussprüfung.
Erste Dates haben eine kleine Gemeinheit: Wir sollen möglichst natürlich wirken – ausgerechnet in einer Situation, in der wir besonders darüber nachdenken, wie wir wirken .
Die Forschung hält dafür eine angenehme Überraschung bereit.
Ein gelungenes erstes Date braucht offenbar deutlich weniger Inszenierung, als wir glauben.
Die interessanteste Person muss nicht die sein, die am meisten erzählt Wer sympathisch wirken möchte, könnte versuchen, besonders witzig, interessant oder souverän aufzutreten.
Doch manchmal funktioniert genau das Gegenteil besser: Interesse zeigen, statt Eindruck machen zu wollen.
Karen Huang und Kollegen untersuchten, wie Fragen Gespräche beeinflussen. Das Ergebnis: Menschen, die ihrem Gegenüber mehr Fragen stellten, wurden anschließend stärker gemocht. Besonders hilfreich waren sogenannte Anschlussfragen – also Fragen, die wirklich auf das eingehen, was gerade gesagt wurde.
Der Unterschied ist klein, aber spürbar.
„Ich war letztes Jahr in Portugal.“
„Ach, schön.“
Gespräch beendet.
Oder:
„Was hat dir dort besonders gefallen?“
Schon öffnet sich eine neue Tür.
Was nach einer simplen Gesprächstechnik klingt, vermittelt etwas viel Grundsätzlicheres: Ich höre dir zu. Und das, was du erzählst, interessiert mich.
Smalltalk ist nicht oberflächlich. Er ist die Eingangstür Über Wetter, Urlaub oder das Restaurant zu sprechen, ist also keineswegs ein missglückter Start.
Smalltalk erfüllt eine Funktion. Zwei Menschen prüfen zunächst vorsichtig: Wie reagiert der andere? Wie fühlt sich die Stimmung an? Gibt es Humor, Neugier, Ruhe?
Erst danach wird es meist persönlicher.
Und genau dort kann Nähe entstehen.
Der Psychologe Arthur Aron und sein Team ließen einander unbekannte Menschen Fragen beantworten, die nach und nach persönlicher wurden. Diese schrittweise Selbstoffenbarung führte in den Experimenten zu stärker empfundener Nähe als ein rein oberflächliches Gespräch.
Eine Meta-Analyse von Nancy Collins und Lynn Miller kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Persönliche Selbstoffenbarung und Sympathie hängen miteinander zusammen.
Die Betonung liegt allerdings auf schrittweise .
Niemand muss beim ersten Cappuccino die vollständige emotionale Autobiografie seit der Grundschule präsentieren.
Nähe funktioniert eher wie ein Dimmer als wie ein Lichtschalter.
Man muss nicht beide denselben Lieblingsfilm haben „Du magst Italien? Ich auch!“
„Du hörst Indie? Ich auch!“
„Du hasst Rosinen? Unglaublich – ich auch!“
Gemeinsamkeiten fühlen sich beim Kennenlernen wunderbar an. Deshalb liegt der Gedanke nahe, dass möglichst viele davon automatisch zu größerer Anziehung führen.
So einfach ist es offenbar nicht.
Speed-Dating-Forschung von Paul Tidwell, Paul Eastwick und Eli Finkel zeigte: Für anfängliche romantische Anziehung spielte die wahrgenommene Ähnlichkeit eine größere Rolle als die objektiv gemessene Ähnlichkeit.
Mit anderen Worten: Entscheidend ist nicht unbedingt, ob zwei Lebensläufe möglichst viele identische Kästchen enthalten.
Wichtiger kann das Gefühl sein: Wir verstehen einander.
Das ist eine angenehme Nachricht für alle, die beim Date feststellen, dass der andere Jazz liebt, während man selbst bereits bei einem fünfminütigen Saxofonsolo nervös wird.
Unterschiede sind nicht automatisch ein Problem.
Manchmal machen sie ein Gespräch überhaupt erst interessant.
Der größte Kritiker sitzt oft auf dem Heimweg neben uns Das Date ist vorbei.
Die Haustür fällt ins Schloss.
Und plötzlich beginnt im Kopf die Wiederholung.
War der Witz zu albern? Habe ich zu viel erzählt? Warum habe ich diese Geschichte erwähnt? Und was bedeutete eigentlich dieses kurze Zögern bei der Verabschiedung?
Dieses gedankliche Nachspiel kennt die Psychologie erstaunlich gut.
Erica Boothby und Kollegen fanden in mehreren Untersuchungen etwas, das sie „Liking Gap“ nannten: Nach Gesprächen unterschätzten Menschen regelmäßig, wie sympathisch ihr Gegenüber sie tatsächlich gefunden hatte.
Wir beurteilen unseren eigenen Auftritt offenbar kritischer, als andere es häufig tun.
Das erklärt vielleicht, warum ein Date sich auf dem Heimweg plötzlich mittelmäßig anfühlen kann, obwohl der andere gerade einer Freundin schreibt: „War wirklich schön.“
Das Handy darf Pause haben – aber nicht wegen eines Dating-Mythos Ein häufig gehörter Rat lautet: Smartphone weg vom Tisch.
Das ist als Zeichen von Aufmerksamkeit durchaus sinnvoll. Wissenschaftlich sollte man daraus allerdings kein Naturgesetz machen.
Einige frühere Studien hatten vermutet, dass bereits ein sichtbares Smartphone die Qualität eines Gesprächs beeinträchtigen könne. Spätere Replikationsforschung konnte diesen Effekt jedoch nicht zuverlässig bestätigen.
Die bessere Begründung ist deshalb viel einfacher:
Wer ständig aufs Display schaut, signalisiert dem anderen möglicherweise, dass gerade noch etwas Interessanteres passieren könnte.
Und bei einem ersten Date gibt es vermutlich angenehmere Botschaften.
Vielleicht ist genau das die beste Vorbereitung Ein erstes Date ist keine Prüfung auf Charme, Schlagfertigkeit oder perfekte Körpersprache.
Es ist auch kein Vorstellungsgespräch mit Kerzenlicht.
Zwei Menschen versuchen lediglich herauszufinden, wie es sich anfühlt, eine Stunde miteinander zu verbringen.
Wer aufmerksam zuhört, echte Fragen stellt, etwas von sich zeigt und kleine Pausen aushält, macht deshalb bereits ziemlich viel richtig.
Und wenn auf dem Heimweg trotzdem die Stimme im Kopf fragt:
„Warum um alles in der Welt habe ich die Geschichte mit dem kaputten Toaster erzählt?“
Dann lohnt sich vielleicht ein Gedanke an die Liking Gap.
Möglicherweise war genau diese etwas schräge Geschichte der Moment, in dem das Gegenüber dachte:
Endlich jemand, der nicht versucht, perfekt zu sein.