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Erdwärme statt Erdgas: Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad soll klimafreundlich heizen
24 Sonden, 210 Meter tief: Eine Schule bei Karlsruhe soll mit Erdwärme heizen und rund 300 Tonnen CO₂ jährlich sparen.
Von Andre ·
Rund 210 Meter tief sollen sie in den Boden reichen, 24 Stück an der Zahl – und am Ende eine ganze Schule wärmen. Der Landkreis Karlsruhe will die Wärmeversorgung der Ludwig-Guttmann-Schule in Karlsbad auf erneuerbare Energien umstellen. Den Grundsatzbeschluss dafür hat der Ausschuss für Umwelt und Technik des Landkreises am 15. Oktober gefasst. Er begrüßte dabei auch die Förderung durch das Bundesumweltministerium, die das Vorhaben als Modellprojekt unterstützt.
Gebohrt wird allerdings noch nicht. Als Nächstes schreibt die Verwaltung die Ingenieurleistungen in einem förmlichen Vergabeverfahren aus. Einen Termin für Baubeginn oder Fertigstellung nennt der Landkreis bislang nicht.
Eine Schule mit besonderem Auftrag Die Ludwig-Guttmann-Schule ist ein sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Die Stammschule liegt am Ende des Karlsbader Ortsteils Langensteinbach direkt am Waldrand, dazu kommen Außenstellen unter anderem in Gaggenau, Karlsruhe und Kronau.
Ihren Namen trägt die Schule nach Sir Ludwig Guttmann. Der Neurologe und Neurochirurg legte die Grundlagen für die Behandlung von Menschen mit Querschnittslähmung. Aus den von ihm 1948 ins Leben gerufenen Stoke Mandeville Games gingen die heutigen Paralympics hervor. Zur Schule gehört auch ein Therapiebad. Die neue Anlage muss also nicht nur Klassenzimmer warm halten, sondern auch das Bad zuverlässig versorgen.
Alte Heizung, zu groß geworden Der Anlass für den Umbau ist ganz praktisch: Die bisherige Heizanlage ist rund 30 Jahre alt und zunehmend störanfällig. Dazu kommt ein Umstand, der eigentlich eine gute Nachricht ist. Seit dem Abschluss einer umfassenden energetischen Sanierung im Jahr 2024 braucht die Schule weniger Wärme – die alte Anlage ist für den gesunkenen Bedarf schlicht überdimensioniert. Künftig soll die Schule laut Bundesumweltministerium kein Erdgas mehr einkaufen müssen.
Zwei Sorten Wärmepumpen und Strom vom Dach Das Konzept setzt auf ein Team aus vier Wärmepumpen. Zwei Sole-Wasser-Wärmepumpen holen die Wärme aus der Erde, erschlossen über ein Feld aus 24 Erdsonden mit jeweils rund 210 Metern Tiefe – zusammengerechnet rund fünf Kilometer. Zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen zusätzlich die Außenluft. Pufferspeicher sollen für einen geregelten und ausfallsicheren Betrieb sorgen. Laut Bundesumweltministerium arbeitet das System mit natürlichen Kältemitteln.
Einen Zusatznutzen bringt die Anlage im Sommer: Dann kann sie die Räume auch temperieren. Die Erdwärmesonden nehmen in der warmen Jahreszeit Hitze auf und geben die Wärme im Winter wieder ab – der Boden wird so zu einer Art Speicher. Den Strombedarf der Wärmepumpen sollen Photovoltaikanlagen auf den vorhandenen Dächern decken. Umsetzen soll sie nach den Plänen des Landkreises eine Bürgerenergiegenossenschaft.
Was die Umstellung bringen soll Die Erwartungen sind deutlich: Die Treibhausgasemissionen der Wärmeerzeugung sollen um rund 95 Prozent sinken, jährlich sollen laut Landkreis rund 300 Tonnen CO₂ eingespart werden. Die laufenden Energiekosten sollen sich etwa halbieren.
Insgesamt kostet das Projekt rund 1,9 Millionen Euro. Rund 1,32 Millionen Euro übernimmt der Bund aus dem Programm „Investive kommunale Klimaschutz-Modellprojekte“ der Nationalen Klimaschutzinitiative – das sind 70 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Landkreis trägt rund 580.000 Euro selbst.
Das Vorhaben hat einen längeren Vorlauf. Im Oktober 2024 reichte das Landratsamt gemeinsam mit der Umwelt- und Energieagentur Kreis Karlsruhe eine Projektskizze ein, im August 2025 folgte der Förderantrag, im Dezember 2025 der Zuwendungsbescheid. Im Mai 2026 überreichte Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesumweltminister, die Förderurkunde in Karlsbad. Das Projekt sei „aus gemeinschaftlichem Engagement erwachsen“, sagte sie dabei.
Wärme aus der Tiefe, mit etwas Geduld Wann die erste Sonde im Boden steckt, ist noch offen. Die Richtung aber steht: Eine Schule, deren Namensgeber Menschen mit Behinderung neue Wege eröffnet hat, will sich vom Erdgas verabschieden – und ihre Wärme künftig aus Erde, Luft und Sonne holen.
Themen: Erdwärme, Geothermie, Klimaschutz, Schule, Karlsbad, Erneuerbare Energien, CO2-Einsparung
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