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Eintopfzeit: Warum die DGE mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte empfiehlt
Mindestens eine Portion Hülsenfrüchte pro Woche empfiehlt die DGE, gegessen wird hierzulande deutlich weniger. Dabei liefern Linsen und Bohnen reichlich Eiweiß und Ballaststoffe. Was in ihnen steckt, warum gründliches Kochen zählt und was gegen Blähungen hilft.
Von Ulrike ·
Sechseinhalb Kilogramm: So viele Hülsenfrüchte kämen pro Kopf und Jahr zusammen, wenn alle die Mindestmenge der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) einhielten. Das hat die Verbraucherzentrale Niedersachsen hochgerechnet. Tatsächlich landen in Deutschland im Schnitt nur ein bis zwei Kilogramm auf dem Teller.
Die Lücke ist also groß, der Weg dorthin aber überschaubar: ein Topf pro Woche. Und dafür ist gerade die passende Zeit. Es wird früh dunkel, die Nächte werden kälter, und das Wochenende bietet die Ruhe für alles, was länger köcheln darf.
Eine Portion, und die Woche ist geschafft Die DGE rät gesunden Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren, mindestens einmal pro Woche Hülsenfrüchte zu essen. Eine Portion entspricht laut dem Ernährungsportal DEBInet zum Beispiel 125 Gramm gegarten oder rund 70 Gramm getrockneten Bohnen, Erbsen oder Linsen. Als Grund nennt die Fachgesellschaft, was in den Körnern steckt: viel Eiweiß, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe sowie sekundäre Pflanzenstoffe.
Was die Körner mitbringen Konkret wird es in einer Übersicht des Verbands für Unabhängige Gesundheitsberatung (UGB) aus dem Jahr 2019. Getrocknete Linsen kommen dort auf 24 Gramm Eiweiß und 17 Gramm Ballaststoffe je 100 Gramm, weiße Bohnen auf 21 und 23 Gramm, Kichererbsen auf 19 und 16 Gramm. Die Werte schwanken je nach Sorte und Anbaugebiet. Für die 70-Gramm-Portion Linsen ergibt das rechnerisch rund 17 Gramm Eiweiß und 12 Gramm Ballaststoffe.
Die Fasern binden Wasser. Das bringt den Darm in Schwung, sättigt besser und bremst den Anstieg des Blutzuckers. Beim Eiweiß lohnt sich ein Blick auf die Beilage: Bei der Aminosäure Methionin schwächeln Hülsenfrüchte, bei Lysin sind sie stark. Getreide bringt das umgekehrte Profil mit. Linsen und Brot ergänzen sich also tatsächlich.
Medizin ist das alles nicht. Der UGB weist selbst darauf hin, dass sich gesundheitliche Wirkungen in Studien kaum einzelnen Lebensmitteln zuordnen lassen. Sicher ist: Hülsenfrüchte können eine abwechslungsreiche Ernährung gut ergänzen. Praktisch für den Vorrat sind sie auch: Die Verbraucherzentrale Südtirol beschreibt getrocknete Ware als preiswert im Einkauf. Trocken, dunkel und in verschließbaren Behältern hält sie bis zu zwei Jahre.
Kochen ist hier Pflicht Roh sind die meisten Hülsenfrüchte keine gute Idee. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor dem Lektin Phasin: Schon ein paar rohe Samen lösen oft Bauchschmerzen und Übelkeit aus. Schwere Verläufe sind möglich, bei großen Mengen im Extremfall sogar tödliche, Kinder sind besonders gefährdet. Die Entwarnung gleich hinterher: Hitze zerstört Lektine, ausreichend erhitzte Hülsenfrüchte sind gut bekömmlich.
Getrocknete Kichererbsen und Kidneybohnen sollten laut BfR mindestens fünf Stunden einweichen. Danach kommt das Einweichwasser weg, gekocht wird in frischem Wasser. Für frische Hülsenfrüchte gilt die Faustregel: mindestens 30 Minuten kochen. Als Minimum, damit Phasin zuverlässig zerstört wird, nennt die Verbraucherzentrale Niedersachsen 15 Minuten bei 100 Grad. Sanftes Dünsten oder Dämpfen eignet sich für die meisten nicht.
Das Kompetenzzentrum für Ernährung an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft nennt in seinem Kompendium von 2018 als Anhaltspunkt 8 bis 12 Stunden Einweichzeit und 90 bis 120 Minuten Garzeit für Kidney- und weiße Bohnen und für Kichererbsen. Tellerlinsen brauchen 20 bis 30 Minuten, geschälte rote Linsen nur 5 bis 10.
Bei Linsen sind sich die Fachstellen beim Einweichen nicht einig. Das BfR zählt getrocknete Linsen ausdrücklich dazu, das Kompendium und die Verbraucherzentrale Niedersachsen halten es nicht für nötig; das Kompendium stuft die Lektine in Linsen zudem als für Menschen nicht giftig ein. Unstrittig bleibt: durchgaren. Hülsenfrüchte aus der Dose sind bereits gegart und lassen sich nach gründlichem Spülen direkt verwenden, so die Verbraucherzentrale Südtirol.
Hat jemand versehentlich rohe Bohnen gegessen oder bemerkt nach zu kurzem Garen Beschwerden, rät das BfR, umgehend ein Giftinformationszentrum anzurufen.
Damit es im Bauch ruhig bleibt Für den schlechten Ruf der Bohne sorgen Oligosaccharide wie Raffinose und Stachyose. Der Mensch kann sie nicht aufspalten, also übernehmen das Bakterien im Dickdarm, und dabei entstehen Gase. Das bayerische Kompendium nennt mehrere Gegenmittel:
Einweich- und Dosenflüssigkeit wegschütten, denn darin landet ein Teil dieser Zucker bei starker Neigung zu Blähungen das Kochwasser nach der halben Garzeit gegen heißes Wasser tauschen Hülsenfrüchte pürieren oder zu geschälten Sorten greifen, etwa roten und gelben Linsen mit Kümmel, Fenchel, Anis, Kreuzkümmel, Majoran oder Bohnenkraut würzen; nur Kümmel darf mitkochen, der Rest kommt erst am Ende dazu klein anfangen und die Menge langsam steigern, denn die Verdauung gewöhnt sich Bleiben Beschwerden trotzdem stark oder dauerhaft, ist ein ärztlicher Rat sinnvoll. Das gilt auch, wenn bestimmte Erkrankungen eine angepasste Ernährung verlangen.
Linsen von hier, Erbsen im Aufwind Woher die Linsen stammen, zeigt eine Mitteilung des Julius Kühn-Instituts (JKI) von 2024: Rund 40.000 Tonnen importiert Deutschland jährlich, nur etwa vier Prozent der Linsen auf deutschen Tellern wachsen im Land. Der heimische Anbau umfasst rund 2.000 Hektar, meist ökologisch, etwa auf der Schwäbischen Alb, im Heckengäu, in Franken und in Hohenlohe. Im Projekt WiLGeR arbeitet das JKI mit Partnern daran, Winterlinsen züchterisch zu verbessern.
Auch auf dem Acker insgesamt tut sich etwas. Das Statistische Bundesamt rechnet nach vorläufigen Schätzungen vom Mai 2026 mit größeren Flächen als 2025: Erbsen zur Körnergewinnung legen demnach um 6,6 Prozent auf 147.400 Hektar zu, Ackerbohnen um 5,9 Prozent auf 70.300 Hektar. Nicht alles davon landet im Kochtopf, in Bayern etwa waren Erbsen und Ackerbohnen laut Kompendium vor allem Tierfutter. Einen Vorteil haben die Pflanzen in jedem Fall: Mithilfe von Bakterien an ihren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft, weshalb sie im Biolandbau zu jeder Fruchtfolge gehören.
Wer am Freitagabend Bohnen in eine Schüssel Wasser legt, hat am Samstag den ersten Schritt zum Eintopf schon hinter sich.
Themen: Hülsenfrüchte, Linsen, Bohnen, Eintopf, DGE-Empfehlung, Ballaststoffe, pflanzliches Eiweiß, Blähungen
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