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Einfach mal nichts tun: Wie kurze Pausen Stress senken und dem Kopf neue Kraft geben
Schon wenige Minuten Innehalten können Müdigkeit senken, Stress dämpfen und dem Gehirn Raum zum Sortieren geben.
Von Madalina ·
Die unterschätzte Kraft der Pause: Warum Innehalten Körper und Psyche spürbar guttut Termine, Nachrichten, E-Mails, Podcasts, soziale Medien – selbst in unseren Pausen passiert erstaunlich viel. Dabei spricht einiges dafür, zwischendurch tatsächlich einmal nichts erledigen zu müssen. Schon kurze Unterbrechungen können Müdigkeit verringern und neue Energie bringen. Und selbst das Gehirn scheint vermeintliche Leerlaufzeiten sinnvoll zu nutzen.
Eine Pause muss dafür weder nach Räucherstäbchen duften noch eine halbe Stunde dauern. Manchmal reichen ein paar Minuten, in denen wir aufhören, sofort auf den nächsten Reiz zu reagieren.
Pausen sind keine verlorene Zeit Dass Unterbrechungen im Alltag guttun können, ist inzwischen recht gut untersucht. Eine Meta-Analyse im Fachjournal PLOS ONE wertete 22 unabhängige Stichproben mit insgesamt 2.335 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus. Untersucht wurden sogenannte Mikropausen von höchstens zehn Minuten.
Das Ergebnis: Die kurzen Unterbrechungen steigerten das Gefühl von Energie und reduzierten Müdigkeit – jeweils mit kleinen, aber statistisch belastbaren Effekten. Einen generellen Produktivitätsschub fanden die Forschenden dagegen nicht. Bei anspruchsvollen Denkaufgaben waren längere Erholungsphasen teilweise sinnvoller.
Das ist vielleicht gerade die angenehmste Botschaft: Eine Pause muss sich nicht dadurch rechtfertigen, dass wir danach noch schneller arbeiten. Erholung darf zunächst einfach Erholung sein.
Während wir ruhen, arbeitet das Gedächtnis weiter Auch aus der Gedächtnisforschung kommt ein interessanter Hinweis. Unter dem Begriff „wakeful rest“ untersuchen Wissenschaftler ruhige Wachphasen nach dem Lernen – also Zeiten ohne Schlaf, aber auch ohne anspruchsvolle neue Aufgaben.
Eine 2025 veröffentlichte Meta-Analyse fasste 37 Studien mit 63 Experimenten zusammen. Demnach unterstützten solche Ruhephasen die Speicherung neu gelernter Informationen. Der Effekt war sogar bei späteren Gedächtnistests noch nachweisbar.
Das bedeutet nicht, dass fünf Minuten aus dem Fenster schauen plötzlich zum Gedächtnistraining werden. Die Ergebnisse zeigen aber: Wenn äußerlich wenig geschieht, herrscht im Kopf keineswegs zwangsläufig Stillstand. Das Gehirn nutzt reizärmere Zeiten offenbar auch, um Erlebtes und Gelerntes weiterzuverarbeiten.
Innehalten lässt sich trainieren Eine Pause kann außerdem mehr sein als bloß das Unterbrechen der Arbeit. Wer seine Aufmerksamkeit bewusst auf den Atem, den Körper oder die Umgebung richtet, bewegt sich bereits in Richtung Achtsamkeit oder sogenannter Grounding-Techniken.
Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt solche einfachen Übungen zur Stressbewältigung. Schon wenige Minuten regelmäßiger Praxis können ausreichen, um Techniken wie bewusstes Atmen, Wahrnehmen der Umgebung oder das Benennen eigener Gedanken einzuüben.
Die Grundidee ist erstaunlich unspektakulär: bemerken, was gerade passiert, statt automatisch darauf zu reagieren.
Auch für umfassendere Achtsamkeitsprogramme gibt es wissenschaftliche Hinweise auf positive Effekte. Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health fasst Studien zusammen, nach denen achtsamkeitsbasierte Verfahren unter anderem bei Stress, Angst und depressiven Symptomen helfen können. Gleichzeitig warnt die Institution vor überzogenen Versprechen: Studien unterscheiden sich stark in Qualität, Dauer und Methode.
Zwei Minuten können ein Anfang sein Für eine kleine Alltagspause braucht es deshalb weder Meditationskissen noch App.
Der Bildschirm kann für einen Moment dunkel bleiben. Beide Füße stehen auf dem Boden. Ein paar ruhige Atemzüge folgen. Dann wandert die Aufmerksamkeit bewusst in den Raum: Was ist zu sehen? Was ist zu hören? Wie fühlt sich der Boden unter den Füßen an?
Genau solche einfachen Wahrnehmungsübungen beschreibt auch die WHO als Möglichkeit, sich in belastenden Situationen wieder stärker im gegenwärtigen Moment zu orientieren.
Und wer nach zwei Minuten wieder weitermachen möchte, darf das selbstverständlich. Aus der Pause muss kein weiteres Optimierungsprojekt werden.
Die Kunst besteht vielleicht nicht im Langsamerwerden Unser Alltag wird vermutlich nicht plötzlich frei von Terminen, Smartphones und To-do-Listen. Innehalten bedeutet daher auch nicht zwangsläufig, das gesamte Leben radikal zu entschleunigen.
Es kann viel kleiner beginnen: zwischen zwei Videokonferenzen nicht sofort zum Handy greifen. Nach dem Lernen ein paar Minuten sitzen bleiben. Beim Kaffee nicht gleichzeitig Nachrichten lesen. Auf dem Weg zur nächsten Aufgabe einmal bewusst wahrnehmen, wie man sich eigentlich gerade fühlt.
Solche Momente verändern nicht automatisch das Leben. Aber sie können kleine Inseln schaffen, in denen Körper und Kopf nicht sofort wieder die nächste Aufgabe bekommen.
Und manchmal ist genau das überraschend erholsam.
Was du tun kannst Probiere heute eine Zwei-Minuten-Pause ohne Bildschirm : nichts lesen, nichts beantworten, nichts erledigen. Atme ruhig, spüre die Füße auf dem Boden und nimm einige Geräusche oder Gegenstände in deiner Umgebung bewusst wahr. Wer unter anhaltenden oder starken psychischen Beschwerden leidet, sollte solche Übungen allerdings als Ergänzung verstehen und professionelle Unterstützung nutzen.
Einfach mal nichts tun: Wie kurze Pausen Stress senken und dem Kopf neue Kraft geben