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Eine seltene Erfolgsgeschichte: Das Ozonloch ist so klein wie seit Jahrzehnten kaum
Das Ozonloch über der Antarktis war 2025 ungewöhnlich klein. Dahinter steckt eine seltene globale Erfolgsgeschichte.
Von Ulrike ·
Das Ozonloch 2026 ist ungewöhnlich klein – und zeigt, dass Umweltschutz wirken kann Es gibt Umweltprobleme, bei denen Fortschritte erst nach Jahrzehnten sichtbar werden. Die Ozonschicht gehört dazu. Neue Messungen zeigen nun: Das Ozonloch über der Antarktis ist 2026 so schwach ausgeprägt wie seit vielen Jahren nicht mehr. Und dahinter steckt nicht nur günstiges Wetter, sondern auch eine der bemerkenswertesten internationalen Umweltaktionen der vergangenen Jahrzehnte.
Nach dem neuen Ozon- und UV-Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gehörte der Ozonabbau 2025 und 2026 zu den geringsten seit Beginn der ausgeprägten antarktischen Ozonverluste Anfang der 1990er-Jahre. Sowohl die Ausdehnung als auch die Stärke des Ozonlochs lagen bereits das zweite Jahr in Folge deutlich unter dem Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2010.
Weniger Ozonverlust über der Antarktis Besonders deutlich wird die Entwicklung bei einer Größe, die Forschende als „Ozonmassendefizit“ bezeichnen. Sie beschreibt vereinfacht, wie viel Ozon innerhalb des Ozonlochs im Vergleich zu normalen Bedingungen fehlt.
Im letzten Jahr erreichte dieses Defizit maximal 36,7 Millionen Tonnen . Der Durchschnitt der Jahre 1990 bis 2010 lag dagegen bei rund 50,1 Millionen Tonnen . Das Defizit war damit mehr als ein Viertel kleiner. Die WMO zählt die Saison 2025 je nach verwendeter Messgröße zu den viert- bis fünftschwächsten seit 1992.
Auch Messungen von NASA und NOAA zeigen denselben Trend. Zwischen dem 7. September und dem 13. Oktober 2025 hatte das Ozonloch im Durchschnitt eine Fläche von rund 18,7 Millionen Quadratkilometern – damit war es nach dieser Messmethode das fünftkleinste seit 1992. Seine größte Tagesausdehnung erreichte es am 9. September mit etwa 22,9 Millionen Quadratkilometern .
Das klingt zunächst immer noch gewaltig – und das ist es auch. Die entscheidende Nachricht ist deshalb nicht, dass das Ozonloch verschwunden wäre. Sondern: Der langfristige Trend bewegt sich langsam in die richtige Richtung.
Warum ein Abkommen von 1987 heute noch wirkt Die Geschichte beginnt Jahrzehnte früher. Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, wurden lange unter anderem in Kühlschränken, Klimaanlagen, Spraydosen und Schaumstoffen eingesetzt.
Gelangen solche Stoffe in die Stratosphäre, können sie Chlor und Brom freisetzen. Diese Elemente lösen chemische Reaktionen aus, bei denen Ozon zerstört wird. Besonders über der Antarktis entstehen im kalten Winter ideale Bedingungen für diesen Prozess.
1987 einigte sich die internationale Gemeinschaft deshalb auf das Montrealer Protokoll . Schritt für Schritt wurden zahlreiche ozonschädigende Stoffe weltweit eingeschränkt oder verboten.
Heute sind nach Angaben des UN-Umweltprogramms nahezu 99 Prozent der regulierten ozonschädigenden Stoffe aus der Produktion beziehungsweise Nutzung genommen worden.
Das Bemerkenswerte daran: Jahrzehnte später lässt sich die Wirkung in der Atmosphäre tatsächlich messen.
Seit ihrem Höchststand um das Jahr 2000 ist die Belastung durch ozonschädigende Stoffe in der antarktischen Stratosphäre laut NOAA um ungefähr ein Drittel zurückgegangen. Viele dieser Stoffe bleiben allerdings mehrere Jahrzehnte, manche sogar noch länger in der Atmosphäre. Genau deshalb verläuft die Heilung so langsam.
Ein kleines Ozonloch ist nicht jedes Jahr garantiert Ganz so einfach wie „Verbot beschlossen, Ozonloch wird jedes Jahr kleiner“ funktioniert die Atmosphäre allerdings nicht.
Temperaturen, Luftströmungen und vor allem der Polarwirbel über der Antarktis beeinflussen die Größe des Ozonlochs erheblich. Ein relativ schwacher Polarwirbel und höhere Temperaturen in der Stratosphäre dürften zusätzlich geholfen haben. Deshalb kann es auch während der langfristigen Erholung wieder Jahre mit größeren Ozonlöchern geben.
Ein einzelnes gutes Jahr wäre daher noch kein Beweis für eine dauerhafte Heilung. Entscheidend ist der Trend über Jahrzehnte – und genau dieser zeigt inzwischen nach oben.
Wann könnte sich die Ozonschicht vollständig erholt haben? Die großen wissenschaftlichen Bewertungen zum Montrealer Protokoll rechnen damit, dass die Ozonschicht bei Einhaltung der heutigen Regeln ungefähr auf das Niveau von 1980 zurückkehren könnte:
weltweit außerhalb der Polarregionen etwa 2040 ,
über der Arktis ungefähr 2045 ,
über der Antarktis etwa 2066 .
Gerade am Südpol dauert es besonders lange, weil dort der Ozonabbau am stärksten war und langlebige Chlor- und Bromverbindungen nur sehr langsam aus der Atmosphäre verschwinden.
Das bedeutet auch: Die Aufgabe ist noch nicht abgeschlossen.
Die Ozonschicht ist der Sonnenschutz unseres Planeten Ozon in der Stratosphäre übernimmt eine erstaunlich praktische Aufgabe: Es absorbiert einen erheblichen Teil der energiereichen ultravioletten Strahlung der Sonne.
Weniger Ozon bedeutet mehr UV-Strahlung an der Erdoberfläche. Übermäßige UV-Belastung erhöht unter anderem das Risiko für Hautkrebs und Augenschäden und kann zudem Pflanzen und Ökosysteme beeinträchtigen.
Interessanterweise bedeutet eine sich erholende Ozonschicht deshalb nicht automatisch, dass die UV-Belastung überall sofort sinkt. Wolken, Sonnenscheindauer, Höhe und Breitengrad spielen ebenfalls eine Rolle. Die WMO berichtet beispielsweise, dass die UV-Strahlung in Teilen Europas seit Mitte der 1990er-Jahre trotz Ozonerholung zugenommen hat – vor allem durch weniger Bewölkung und mehr Sonnenschein.
Sonnenschutz bleibt also eine ziemlich gute Idee.
Warum das Hoffnung macht Die Entwicklung der Ozonschicht zeigt etwas, das bei globalen Umweltproblemen leicht vergessen wird: Internationale Maßnahmen können messbar funktionieren – selbst wenn die Ergebnisse erst Jahrzehnte später sichtbar werden.
Wissenschaft identifizierte die Ursache. Staaten verständigten sich auf gemeinsame Regeln. Industrie und Technik entwickelten Alternativen. Und ein weltweites Messnetz überprüft bis heute, ob die Maßnahmen tatsächlich wirken.
Das Resultat ist keine schnelle Wunderheilung. Es ist etwas vielleicht Wertvolleres: ein langfristiger, messbarer Fortschritt.
Was wir daraus mitnehmen können Das Ozonloch ist noch da. Die Ozonschicht ist noch nicht vollständig regeneriert. Und natürliche Schwankungen werden weiterhin gute und schlechte Jahre produzieren.
Doch über all diesen Schwankungen zeichnet sich inzwischen ein klareres Bild ab: Ein Umweltproblem, das vor wenigen Jahrzehnten noch immer größer wurde, bewegt sich langsam zurück.
Die Atmosphäre reagiert nicht schnell. Aber sie reagiert.
Und manchmal ist genau das eine ziemlich gute Nachricht.
Eine seltene Erfolgsgeschichte: Das Ozonloch ist so klein wie seit Jahrzehnten kaum