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Eine Milliarde Euro bis 2035: So will Mecklenburg-Vorpommern seine Kliniken fit machen
SPD, Linke und Grüne wollen bis 2035 eine Milliarde Euro in Kliniken stecken – kein Standort soll schließen. Noch ist es ein Plan.
Von Max ·
Weite Wege, kleine Orte, viel Landschaft: Wer in Mecklenburg-Vorpommern krank wird, ist darauf angewiesen, dass das nächste Krankenhaus nicht zu weit weg ist. Genau hier setzt ein Vorhaben an, das SPD, Linke und Grüne als künftige Regierungspartner Ende Oktober 2026 vorgestellt haben. Bis zum Jahr 2035 sollen Landes- und Bundesmittel von zusammen einer Milliarde Euro in die Kliniken des Landes fließen. Wichtig vorab: Noch ist das ein Plan aus den Koalitionsverhandlungen, beschlossen ist er nicht.
Wer verhandelt – und wie weit ist es? Nach der Landtagswahl vom 20. September 2026 verhandeln SPD, Linke und Grüne über ein gemeinsames Regierungsbündnis. Die Gespräche in Schwerin haben Mitte Oktober begonnen und sind inzwischen in der Endphase. Den Koalitionsvertrag sollen die drei Partner am Wochenende vor dem 17. November bestätigen – bis zu diesem Tag muss der Landtag laut Landesverfassung eine Regierungschefin oder einen Regierungschef wählen. Erst danach können die Vorhaben in Haushalt und Gesetze übersetzt werden.
Wofür das Geld gedacht ist Die Milliarde ist für Investitionen vorgesehen, nicht für den laufenden Betrieb. Den müssen nach den Worten von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) weiterhin die Krankenkassen bezahlen. Mit dem Investitionsgeld sollen sich die Häuser auf kommende Veränderungen einstellen können, etwa auf die Krankenhausreform. Schwesig sprach davon, die Kliniken „zukunftsfest“ zu machen. Die Grünen-Politikerin Claudia Müller nannte als ein Beispiel den Hitzeschutz in Krankenhäusern.
Kein Standort soll schließen Die vielleicht wichtigste Botschaft für Menschen auf dem Land: Die künftigen Koalitionspartner wollen keinen Krankenhausstandort schließen. So soll auch auf dem Land eine Grundversorgung erhalten bleiben. Komplexe Behandlungen sollen die großen Häuser übernehmen – die Maximalversorger in Schwerin und Neubrandenburg sowie die Universitätskliniken in Rostock und Greifswald.
Ein Planungsrahmen dafür existiert bereits: Im Mai 2026 hat das Gesundheitsministerium den Rahmenplan des neuen Krankenhausplans in Kraft gesetzt. Statt nach Bettenzahlen wird darin künftig nach bundeseinheitlichen Leistungsgruppen geplant, und die Daseinsvorsorge gerade im ländlichen Raum soll stärker zählen. Welches Krankenhaus welche Leistungen übernimmt, soll laut Ministerium im vierten Quartal 2026 festgelegt werden.
Mehr Geld für den ärztlichen Nachwuchs Krankenhäuser brauchen nicht nur moderne Gebäude, sondern auch Ärztinnen und Ärzte. Deshalb geht es in den Plänen auch um Medizinstudierende im Praktischen Jahr. Bisher bekommen sie im Land nach Angaben des Linken-Politikers Hennis Herbst rund 400 Euro im Monat plus ein kleines Essensgeld. Die Koalition will diese Vergütung auf ein Niveau anheben, das bundesweit konkurrenzfähig ist – damit junge Medizinerinnen und Mediziner nach dem Studium im Land bleiben. Fortgeführt werden soll außerdem die Landarztquote, die sich an angehende Medizinstudierende richtet, die sich verpflichten, später im ländlichen Raum zu arbeiten.
Zu den weiteren Vorhaben gehört ein zweites sogenanntes Childhood-Haus in Vorpommern. Solche Einrichtungen sollen Kinder schützen, die sexuelle Gewalt erlebt haben; ein erstes Haus dieser Art gibt es bereits im Westteil des Landes.
Was noch offen ist Wie genau die Milliarde aufgebracht und verteilt wird, ist noch nicht im Detail bekannt. Schwesig hatte schon bei einer ersten Zwischenbilanz Mitte Oktober betont, dass die Kassen knapp sind. Einsparpotenzial sieht sie unter anderem in der Verwaltung, etwa durch Digitalisierung und einfachere Antragsverfahren. AfD-Fraktionschef Enrico Schult signalisierte Zustimmung zu einzelnen Punkten wie der besseren Vergütung im Praktischen Jahr, verlangte aber konkretere Angaben zu Umsetzung und Finanzierung.
Trotzdem ist die Richtung eine gute Nachricht für ein Flächenland: Statt über Schließungen wird über Investitionen, Hitzeschutz und Nachwuchs gesprochen. Ob daraus Wirklichkeit wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen – mit dem Koalitionsvertrag und danach mit den Haushaltsberatungen.
Themen: Kliniken MV, Mecklenburg-Vorpommern, Gesundheitsversorgung, Krankenhausreform, Investitionen, Ärztenachwuchs
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