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Ein Sonntag mit 25 Stunden: Was wir mit der Extra-Stunde anfangen können
In der Nacht zum 25. Oktober wurden in Deutschland die Uhren zurückgestellt: Der Sonntag hat 25 Stunden. Ob Schlaf, Spaziergang oder ein gutes Gespräch – die zusätzliche Stunde ist ein schöner Anlass, freie Zeit bewusster zu genießen.
Von Madalina ·
Ein Sonntag mit 25 Stunden: Was wir mit der Extra-Stunde anfangen können Um 2:59 Uhr war es in der vergangenen Nacht beinahe drei Uhr. Doch statt weiterzulaufen, sprang die Uhr zurück auf zwei. In Deutschland endete die Sommerzeit, seitdem gilt wieder die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Das Ergebnis: Der heutige Sonntag, 25. Oktober 2026, hat 25 Stunden.
Eine zusätzliche Stunde zum Schlafen, für einen gemütlichen Morgen oder für etwas, das im Alltag oft zu kurz kommt. Natürlich gewinnen wir dadurch keine zusätzliche Lebenszeit. Trotzdem ist dieser ungewöhnlich lange Sonntag ein schöner Anlass, über etwas nachzudenken, das wir alle brauchen und manchmal vermissen: Zeit für uns selbst.
Und die Glücksforschung liefert interessante Hinweise darauf, was freie Zeit besonders wertvoll macht.
Warum mehr Freizeit nicht automatisch glücklicher macht Wie viel Freizeit haben wir eigentlich? Eine Antwort liefert das Statistische Bundesamt. Nach den revidierten Ergebnissen der Zeitverwendungserhebung 2022 verbringen Menschen ab zehn Jahren in Deutschland an Wochenenden und Feiertagen durchschnittlich 7 Stunden und 45 Minuten täglich mit Freizeitaktivitäten .
Das klingt nach reichlich Zeit. Allerdings umfasst die Statistik ganz unterschiedliche Tätigkeiten, vom Fernsehen über Sport bis zu sozialen Kontakten. Außerdem sagt ein Durchschnitt wenig darüber aus, wie unterschiedlich Menschen ihren Alltag erleben.
Denn freie Zeit ist nicht automatisch erholsame Zeit.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 liefert dazu eine spannende Erkenntnis. Forschende um die Psychologin Marissa Sharif analysierten Daten von 35.375 Menschen in den USA und führten zusätzlich zwei Experimente durch.
Dabei zeigte sich: Wer sehr wenig frei verfügbare Zeit hat, berichtet häufig von geringerem Wohlbefinden. Doch mit jeder zusätzlichen freien Stunde steigt die Zufriedenheit nicht unbegrenzt weiter.
Es kommt also nicht nur darauf an, wie viel Freizeit wir besitzen. Auch die Art, wie wir sie erleben und gestalten, spielt eine Rolle.
Das kleine Glück hat sogar einen wissenschaftlichen Namen Ein warmer Kaffee am Fenster. Das Rascheln von Herbstlaub beim Spaziergang. Ein Lieblingslied, das zufällig im Radio läuft.
Solche Momente gehen im Alltag leicht unter, besonders wenn unsere Gedanken schon beim nächsten Termin sind.
In der Psychologie gibt es für das bewusste Wahrnehmen und Auskosten positiver Erlebnisse einen Begriff: Savoring .
Dahinter steckt eine einfache Idee. Statt einen angenehmen Augenblick nur nebenbei zu erleben, schenken wir ihm bewusst Aufmerksamkeit.
Dass sich dieses Verhalten auf unser Wohlbefinden auswirken kann, zeigt eine 2026 veröffentlichte Metaanalyse. Forschende werteten 20 randomisierte Studien mit insgesamt 4.805 Teilnehmenden aus. Im Durchschnitt zeigten gezielte Übungen zum bewussten Genießen positiver Erfahrungen günstige Effekte auf das emotionale Wohlbefinden.
Die Ergebnisse unterschieden sich allerdings zwischen den Studien. Eine Garantie, dass jeder bewusst genossene Kaffee glücklicher macht, lässt sich daraus nicht ableiten.
Dennoch ist die Erkenntnis ermutigend: Wir können üben, angenehme Erfahrungen bewusster wahrzunehmen.
Und dafür braucht es nicht unbedingt einen besonderen Anlass.
Warum ein gutes Gespräch den Sonntag bereichern kann Vielleicht ist die schönste Verwendung für die zusätzliche Stunde auch ein Anruf bei einem lieben Menschen. Oder ein längeres Gespräch beim Frühstück.
Dass soziale Begegnungen mit unserem Wohlbefinden zusammenhängen, ist wissenschaftlich gut untersucht.
Besonders interessant ist eine Studie der Psychologinnen Gillian Sandstrom und Elizabeth Dunn aus dem Jahr 2014. Sie fanden positive Zusammenhänge nicht nur bei engen sozialen Beziehungen. Auch alltägliche Begegnungen mit Bekannten standen mit mehr Wohlbefinden in Verbindung.
Die Untersuchung beweist zwar nicht, dass jedes Gespräch automatisch glücklicher macht. Sie zeigt aber, dass auch scheinbar nebensächliche Kontakte eine Bedeutung für unser soziales und emotionales Erleben haben können.
Es braucht also nicht immer einen aufwendig geplanten Ausflug. Manchmal ist schon die Gelegenheit zu einem entspannten Gespräch etwas Wertvolles.
Eine Stunde, die nichts leisten muss Und wie lässt sich der heutige Sonntag nun besonders schön gestalten?
Vielleicht, indem wir einfach länger schlafen. Vielleicht mit einem ausgiebigen Frühstück, einem Spaziergang durch den herbstlichen Park oder einem Buch, das schon viel zu lange auf dem Nachttisch liegt.
Wer Lust auf Gesellschaft hat, kann die Stunde mit Familie oder Freunden verbringen. Wer gerade Ruhe braucht, darf sie ebenso gut für sich behalten.
Das Entscheidende: Aus der zusätzlichen Stunde muss keine neue Aufgabe werden.
Nicht alle Menschen können den heutigen Tag frei gestalten. Wer arbeitet, Angehörige betreut oder andere Verpflichtungen hat, gewinnt dadurch nicht automatisch eine Stunde Freizeit.
Doch der Gedanke lässt sich auf jeden anderen Tag übertragen. Auch eine kleine Pause kann Gelegenheit sein, etwas Angenehmes bewusst wahrzunehmen.
Vielleicht liegt darin die schönste Erkenntnis dieses ungewöhnlich langen Sonntags.
Wir müssen nicht jede freie Minute verplanen, um sie sinnvoll zu verbringen. Manchmal reicht es, einen schönen Augenblick nicht zu übersehen.
Denn was die Zeit besonders wertvoll macht, ist nicht allein ihre Dauer, sondern auch das, was wir mit ihr erleben. Und dafür braucht es zum Glück keinen Sonntag mit 25 Stunden.
Themen: Extra Stunde, Freizeit bewusst genießen, Wohlbefinden, Savoring, Sonntag, Zeit für sich
Ein Sonntag mit 25 Stunden: Was wir mit der Extra-Stunde anfangen können