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Dino-Killer entschlüsselt: Dieser seltene Asteroid veränderte die Erde
Vor 66 Millionen Jahren veränderte ein gewaltiger Asteroid das Leben auf der Erde. Nun ist es einem internationalen Forschungsteam gelungen, seinen chemischen Fingerabdruck genauer denn je zu entschlüsseln. Winzige Nickelspuren deuten darauf hin, dass der Dino-Killer zu einer außergewöhnlich seltenen und ursprünglichen Klasse von Himmelskörpern gehörte.
Von Tobias ·
Ein kosmischer Fingerabdruck: Forschende kommen dem Dino-Killer näher als je zuvor Von dem Asteroiden selbst ist fast nichts mehr übrig. Als der mehrere Kilometer große Himmelskörper vor rund 66 Millionen Jahren auf der heutigen Halbinsel Yucatán einschlug, verdampfte er nahezu vollständig. Doch eine winzige chemische Spur überdauerte die Jahrmillionen – verteilt in einer dünnen Tonschicht, die heute an vielen Orten der Erde zu finden ist.
Genau diese Spur hat ein internationales Forschungsteam nun untersucht. Mithilfe hochpräziser Messungen von Nickel-Isotopen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die wahrscheinliche Zusammensetzung des Chicxulub-Asteroiden deutlich genauer eingrenzen. Das Ergebnis: Der Himmelskörper ähnelte mit hoher Wahrscheinlichkeit einem sogenannten CO-Chondriten , einer besonders seltenen Gruppe kohlenstoffhaltiger Meteorite. Die Studie erschien am 17. Juli 2026 im Fachjournal Science Advances .
Spurensuche in einer weltweiten Tonschicht Für ihre Untersuchung analysierten die Forschenden Ablagerungen von der Kreide-Paläogen-Grenze, kurz K–Pg-Grenze. Diese geologische Schicht entstand unmittelbar nach dem Einschlag und markiert den Übergang zwischen dem Zeitalter der Dinosaurier und der anschließenden Erdneuzeit.
Die untersuchten Proben stammen aus Dänemark, Spanien und Italien. In ihnen befinden sich nur äußerst geringe Mengen außerirdischen Materials – Überreste des Asteroiden, die sich nach dem Einschlag über den gesamten Planeten verteilten. Das Team verglich die Nickel-Isotopenwerte dieser Ablagerungen mit einer umfangreichen Sammlung verschiedener Meteoritenarten aus dem frühen Sonnensystem.
Isotope sind unterschiedliche Varianten eines chemischen Elements. Ihre charakteristischen Verhältnisse können wie ein Fingerabdruck wirken: Verschiedene Asteroidenfamilien entstanden in unterschiedlichen Bereichen und unter unterschiedlichen Bedingungen des jungen Sonnensystems. Entsprechend unterscheiden sich auch ihre Isotopensignaturen.
Die Werte aus der K–Pg-Grenzschicht passten am besten zu einer Mischung aus irdischem Material und einem Asteroiden mit der Zusammensetzung eines CO-Chondriten. Andere zuvor diskutierte Gruppen kohlenstoffreicher Chondrite konnten dadurch weniger wahrscheinlich gemacht werden.
Ein außergewöhnlich seltener Besucher CO-Chondrite gehören zu den ursprünglichsten bekannten Materialien unseres Sonnensystems. Sie wurden seit ihrer Entstehung vergleichsweise wenig verändert und bewahren deshalb Informationen aus einer Zeit, in der sich Planeten und Asteroiden gerade erst formten.
Schon kohlenstoffhaltige Chondrite insgesamt sind selten: Sie machen nur etwa fünf Prozent der auf der Erde untersuchten Meteorite aus. CO-Chondrite bilden wiederum lediglich einen kleinen Teil dieser Gruppe. Dass ausgerechnet ein solcher Himmelskörper die Erde traf, macht den Chicxulub-Einschlag auch aus kosmischer Sicht zu einem ungewöhnlichen Ereignis.
Streng genommen ist die häufig verwendete Bezeichnung „Dino-Killer-Meteorit“ dabei etwas ungenau. Der Körper bewegte sich vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre als Asteroid durch den Weltraum. CO-Chondrite sind Meteorite, deren Zusammensetzung Forschende als Vergleichsmaterial für bestimmte Asteroidentypen nutzen.
Die Studie identifiziert zudem nicht den exakten Ausgangsasteroiden oder seine frühere Umlaufbahn. Sie zeigt vielmehr, welcher bekannten Materialklasse der Einschlagskörper sehr wahrscheinlich ähnelte.
Kam der Asteroid aus den äußeren Regionen des Sonnensystems? Bereits 2024 hatten Analysen von Ruthenium-Isotopen gezeigt, dass der Chicxulub-Asteroid zu einem kohlenstoffreichen Typ gehörte und sein Material vermutlich ursprünglich jenseits der Jupiterbahn entstanden war. Die neue Nickel-Analyse verfeinert dieses Bild nun und grenzt die wahrscheinliche Zusammensetzung auf einen CO-Chondriten ein.
Wo sich der Asteroid unmittelbar vor seinem Weg zur Erde befand, ist weiterhin offen. Als mögliche Herkunftsregionen gelten äußere, trümmerreiche Bereiche des Sonnensystems oder der äußere Asteroidengürtel in der Nähe des Jupiter. Die genaue kosmische Reiseroute lässt sich aus den bisherigen Daten noch nicht rekonstruieren.
Klar ist jedoch: Der ungefähr zehn bis 15 Kilometer große Asteroid raste mit einer geschätzten Geschwindigkeit von rund 64.000 Kilometern pro Stunde auf die Erde zu. Sein Einschlag hinterließ den etwa 200 Kilometer großen Chicxulub-Krater, der heute unter Sedimenten und dem Meer vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán verborgen liegt. Etwa drei Viertel aller damaligen Arten verschwanden, darunter sämtliche nicht zu den Vögeln gehörenden Dinosaurier.
Weniger Schwefel im Asteroiden als angenommen Die genaue Zusammensetzung des Asteroiden ist nicht nur für seine Herkunft entscheidend. Sie hilft auch dabei, besser zu verstehen, warum der Einschlag derart verheerende Folgen hatte.
CO-Chondrite enthalten vergleichsweise geringe Mengen flüchtiger Stoffe wie Wasser, Kohlenstoff, Zink und insbesondere Schwefel. Damit dürfte der Asteroid selbst weniger Schwefel auf die Erde gebracht haben, als bei anderen diskutierten Asteroidentypen zu erwarten gewesen wäre.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Schwefel beim anschließenden Klimachaos keine Rolle spielte. Der Asteroid traf auf schwefelhaltige Gesteinsschichten der Yucatán-Region und schleuderte gewaltige Mengen verdampften und pulverisierten irdischen Materials in die Atmosphäre.
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung schätzte die beim Einschlag freigesetzte Schwefelmenge auf durchschnittlich rund 67 Milliarden Tonnen – deutlich weniger als in manchen älteren Modellen. Die neue Identifizierung eines relativ schwefelarmen Asteroidentyps stärkt daher die Annahme, dass ein großer Teil der klimawirksamen Stoffe aus den getroffenen Gesteinen und nicht aus dem Himmelskörper selbst stammte.
Feiner Staub könnte die entscheidende Rolle gespielt haben Besonders wichtig war wahrscheinlich der gewaltige Schleier aus feinem Gesteinsstaub. Modellierungen aus dem Jahr 2023 zeigen, dass mikroskopisch kleine Silikatpartikel den sogenannten Einschlagswinter über längere Zeit aufrechterhalten konnten. Der Staub verringerte die Sonneneinstrahlung, kühlte die Erde ab und beeinträchtigte die Photosynthese – mit dramatischen Folgen für Nahrungsketten an Land und in den Ozeanen.
Die neue Studie liefert dazu ein weiteres Puzzleteil: Wenn der Asteroid selbst relativ arm an Schwefel und anderen flüchtigen Stoffen war, rücken der pulverisierte Untergrund, der aufgewirbelte Staub und die beim Einschlag verdampften irdischen Gesteine noch stärker in den Mittelpunkt.
Dabei ersetzt der neue Befund frühere Erklärungsmodelle nicht vollständig. Vielmehr hilft er, die Bedeutung der verschiedenen Faktoren – Staub, Schwefelaerosole, Ruß, Dunkelheit und Abkühlung – genauer zu gewichten.
Aus wenigen Atomen entsteht ein Bild der Vergangenheit Das Bemerkenswerte an der Entdeckung ist weniger eine spektakuläre neue Fundstelle als die Präzision moderner Wissenschaft. Aus Material, das nur noch einen winzigen Anteil des ursprünglichen Asteroiden enthält, lässt sich nach 66 Millionen Jahren seine wahrscheinliche Herkunftsklasse bestimmen.
Nickel-Isotope könnten künftig auch dabei helfen, andere große Einschläge der Erdgeschichte zu untersuchen. Damit lässt sich nicht nur rekonstruieren, welche Arten von Himmelskörpern die Erde getroffen haben, sondern auch, welche Folgen ihre unterschiedliche Zusammensetzung für Klima, Umwelt und Leben hatte.
So wird eine dünne Tonschicht zu einem Archiv des Sonnensystems – und aus kaum messbaren Spuren entsteht Schritt für Schritt ein immer klareres Bild eines der folgenreichsten Tage der Erdgeschichte.
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