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Digitaler Zwilling Hamburg: Wie die Stadt Schattenwurf und Starkregen digital durchspielt
Das neue Zentrum Digitaler Zwilling bündelt Hamburgs virtuelle Stadtmodelle. Was Bürger davon schon heute nutzen können.
Von Michael Beier ·
Wirft ein geplanter Neubau am Nachmittag einen langen Schatten auf die Nachbarhäuser? Verstellt er eine Sicht, die den Anwohnern wichtig ist? In Hamburg können Planerinnen und Planer in der Verwaltung das am Rechner prüfen, schon in einem frühen Planungsstadium. Die Stadt baut den Einsatz sogenannter Urbaner Digitaler Zwillinge aus, teilte die Senatskanzlei am 20. Oktober mit.
Ein Digitaler Zwilling ist ein digitales Abbild der Stadt, in dem Daten aus vielen Quellen zusammenlaufen. So lässt sich durchspielen, was ein neues Gebäude in seiner Umgebung verändert, wo Starkregen oder Hitze besonders stark wirken und wie sich Verkehr, Lärm und Wind verhalten. Hamburg hat dafür 2026 das Zentrum Digitaler Zwilling gegründet. Es sitzt im Amt für IT und Digitalisierung der Senatskanzlei und koordiniert Strategie und Umsetzung. Technisch federführend ist der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung (LGV).
Nicht ein Zwilling, sondern viele Laut Senatskanzlei steckt hinter dem Namen kein einziges Gesamtmodell, sondern ein Geflecht aus vielen Fachzwillingen, etwa für Stadtplanung, Umwelt, Mobilität und Hafen. Sie greifen auf gemeinsame Daten, Standards und Schnittstellen zurück. Der „Digitale Zwilling Hamburg“ ist der Rahmen darüber.
Neu ist der Zwillingsfonds. Mit ihm fördert die Stadt Digitale Zwillinge nach Angaben der Senatskanzlei seit diesem Jahr erstmals zentral. Das Geld geht an Fachbehörden, Landesbetriebe und öffentliche Unternehmen, die vorhandene Anwendungen weiterentwickeln oder neue Einsatzfelder erschließen wollen. Welche Vorhaben schon unterstützt werden, nennt die Mitteilung nicht.
Eine Summe nennen weder Pressemitteilung noch Fonds-Seite der Stadt. Wie der NDR berichtet, stehen für den Ausbau der Digitalen Zwillinge in diesem und den kommenden beiden Jahren laut Chief Digital Officer Christian Pfromm insgesamt neun Millionen Euro zur Verfügung. Staatsrat Jan Pörksen, Chef der Senatskanzlei, verspricht sich davon eine gemeinsame Datengrundlage, schnellere Abstimmungen und eine bessere Qualität der Planungen.
Was Hamburger davon haben Am greifbarsten ist das Geoportal der Stadt. Die ganze Stadt lässt sich dort öffentlich als digitales 3D-Modell erkunden. Außerdem liegen dort Karten der Umweltbehörde, mit denen sich nachsehen lässt, wie es in der eigenen Umgebung um Starkregen und Hitze steht.
Die Starkregengefahrenkarte gibt es seit Mai 2024 für das gesamte Stadtgebiet. Sie simuliert Regenfälle unterschiedlicher Stärke und zeigt, wie hoch das Wasser stehen und wie schnell es fließen kann. HAMBURG WASSER hat sie im Auftrag der Umweltbehörde entwickelt und betont, sie bleibe „eine modellhafte Annäherung an die Realität“. Wer darin eine Gefährdung sieht, sollte das Gebiet genauer betrachten, denn Bordsteinkanten oder Hofeinfahrten fehlen womöglich noch.
Für die Hitze gibt es die Stadtklimaanalyse von 2023. Sie zeigt für ganz Hamburg, wo sich Quartiere an heißen, windarmen Sommertagen besonders stark aufheizen können. Ihr Raster ist zehn Meter fein, die Ergebnisse stehen als Kartenebenen im Geoportal.
Für Bauvorhaben nutzt die Verwaltung den 3DProjektplaner der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. Er richtet sich an Planerinnen und Planer in Behörden. Sie können Entwürfe im 3D-Stadtmodell skizzieren, Geodaten wie Lärmkarten oder Denkmalkartierungen einblenden und Schattenwurf oder Sichtbeziehungen prüfen. Entwickelt wurde er im Projekt „Connected Urban Twins“, in dem Hamburg von 2021 bis 2025 mit Leipzig und München an Digitalen Zwillingen arbeitete. Die Stadt erwartet, dass mögliche Konflikte so früher auffallen und Verfahren zügiger laufen.
Mitreden mit Bildern statt nur mit Plänen Digitale Zwillinge seien schon in rund 140 Bürgerbeteiligungsverfahren eingesetzt worden, berichtet der NDR. Pörksen sagt, das führe dazu, dass Bürgerinnen und Bürger „sehr viel deutlicher sehen können, wie wird das denn mal aussehen, was wird das bedeuten“. Bei Verfahren über DIPAS lassen sich Karten, Luftbilder, Pläne, 3D-Modelle und Geodaten ansehen, Rückmeldungen gehen ortsgenau ein.
Nicht alle Daten sollen ins Netz. Pörksen sagte laut NDR, die Stadt mache nicht jeden Trinkbrunnen und jede Stromleitung öffentlich; geschützte Daten blieben geschützt.
Zum Selbstausprobieren 3D-Modell der Stadt und weitere Karten: Geoportal Hamburg Starkregengefahrenkarte: Wasseratlas im Geoportal Aktuelle Beteiligungsverfahren: DIPAS navigator Überblick zu Zentrum und Zwillingsfonds: digital.hamburg.de
Themen: Digitaler Zwilling, Zentrum Digitaler Zwilling, Geoportal Hamburg, 3DProjektplaner, Bürgerbeteiligung, Stadtentwicklung, Starkregen, Senatskanzlei Hamburg
Digitaler Zwilling Hamburg: Wie die Stadt Schattenwurf und Starkregen digital durchspielt