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Deutschlands Müllberg schrumpft – und zwar deutlich
Die eigene Mülltonne sieht vielleicht noch genauso voll aus wie immer. Trotzdem ist Deutschlands gesamter Abfallberg überraschend stark geschrumpft: 2024 fiel so wenig Abfall an wie seit 2009 nicht mehr. Dahinter steckt eine Entwicklung, die größer ist als unsere graue Tonne.
Von Silvia ·
Deutschlands Müllberg schrumpft – und zwar deutlich Man trägt den Müllbeutel zur Tonne und denkt nicht unbedingt: „Deutschland wird gerade richtig gut im Müllsparen.“ Trotzdem zeigt eine neue Zahl des Statistischen Bundesamtes etwas Überraschendes: 2024 fiel in Deutschland so wenig Abfall an wie seit 2009 nicht mehr.
Insgesamt waren es rund 362,7 Millionen Tonnen – 17,4 Millionen Tonnen oder 4,6 Prozent weniger als 2023. Seit dem Höchststand von 417,2 Millionen Tonnen im Jahr 2018 ist das Abfallaufkommen damit um rund 13 Prozent gesunken.
Der größte Müllberg steht nicht in unserer Küche Wer bei Abfall zuerst an Verpackungen, Bananenschalen und Versandkartons denkt, übersieht den größten Posten der Statistik: Die Hälfte des deutschen Abfallaufkommens stammt aus dem Bau.
2024 entfielen rund 182,8 Millionen Tonnen auf Bau- und Abbruchabfälle – etwa Beton, Ziegel, Straßenaufbruch und Bodenaushub. Gegenüber dem Vorjahr sank diese Menge um 8,1 Prozent.
Das erklärt einen großen Teil des gesamten Rückgangs.
Gleichzeitig landet viel dieses Materials nicht einfach auf der Deponie. 2024 nahmen Bauschuttaufbereitungs- und Asphaltmischanlagen knapp 76 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchmaterialien an. Beton, Ziegel oder Asphalt können dort aufbereitet und beispielsweise erneut als Baustoff eingesetzt werden.
Aus einer alten Straße kann also tatsächlich wieder ein Stück neue Straße entstehen.
Weniger Abfall heißt nicht automatisch mehr Nachhaltigkeit Ganz so einfach ist die Geschichte allerdings nicht.
Der Rückgang bei den Bauabfällen dürfte auch mit der schwächeren Baukonjunktur zusammenhängen. 2024 ging die Zahl der genehmigten Wohnungen deutlich zurück. Wenn weniger gebaut und umgebaut wird, entsteht naturgemäß auch weniger Bauschutt.
Auch beim Begriff Verwertung lohnt sich ein genauer Blick. Insgesamt wurden 2024 rund 82 Prozent der Abfälle verwertet. Dazu zählen sowohl stoffliche Verwertung als auch die Nutzung von Abfällen zur Energiegewinnung.
Doch Verwertung bedeutet nicht automatisch hochwertiges Recycling. Gerade bei Bauabfällen weist das Umweltbundesamt darauf hin, dass Materialien beispielsweise auch für Verfüllungen oder im Deponiebau eingesetzt werden können.
Die größere Herausforderung lautet deshalb: alte Baustoffe möglichst so aufzubereiten, dass sie tatsächlich neue Rohstoffe ersetzen.
Und unsere eigene Mülltonne? Hier fällt die Bilanz weniger spektakulär aus.
Die Haushalte produzierten 2024 sogar etwas mehr Müll . Insgesamt wurden 37,7 Millionen Tonnen Haushaltsabfälle eingesammelt – rund 452 Kilogramm pro Kopf und 2,8 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Wer beim Blick in die eigene volle Mülltonne also keinen großen Fortschritt erkennt, liegt damit gar nicht falsch.
Trotzdem zeigt die Entwicklung etwas Wichtiges: Die größten Stellschrauben liegen nicht nur bei einzelnen Haushalten, sondern auch auf Baustellen, in Unternehmen und bei der Frage, wie Materialien produziert, genutzt und wiederverwendet werden.
Deutschland hat sein Müllproblem damit keineswegs gelöst. Doch der langfristige Rückgang zeigt, dass Abfallmengen veränderbar sind.
Beton kann ein zweites Leben bekommen. Alte Straßen können Teil neuer Straßen werden. Und aus dem, was gestern noch als Rest galt, kann morgen wieder ein Rohstoff entstehen.
Vielleicht ist genau das die gute Nachricht: Ein Müllberg wirkt ziemlich unbeweglich – aber er muss es nicht bleiben.