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Deutsche Digitale Bibliothek: Von 5,6 Millionen auf über 45 Millionen Objekte
Ende 2012 startete die Deutsche Digitale Bibliothek mit rund 5,6 Millionen Objekten aus 90 Einrichtungen. 2023 waren es über 45 Millionen aus rund 780 Häusern. Gemälde, Akten, Filme und alte Zeitungen lassen sich dort kostenlos durchstöbern.
Von Tobias ·
Eine Kerze von der Leipziger Montagsdemo. Ein Tanzschuh mit Riemchen. Ein Gedicht mit dem Titel „Am 17. August 1848“. Und ein PC-Terminal mit dem Namen „Lauer Frosch 2 in 1“. Was nach dem Inhalt eines sehr gut sortierten Dachbodens klingt, sind Objekte, die die Deutsche Digitale Bibliothek Anfang November 2026 auf ihrer Startseite als Neuzugänge zeigt.
Dahinter steht eine Idee, die seit mehr als einem Jahrzehnt still und beständig wächst: Alles, was Bibliotheken, Archive, Museen und andere Sammlungen in Deutschland bewahren, soll an einer Stelle im Netz auffindbar sein. Für alle, kostenlos.
Klein angefangen Ende 2012 ging das Portal online. Zum Start standen dort rund 5,6 Millionen digitale Objekte aus 90 Einrichtungen bereit. Der damalige Kulturstaatsminister Bernd Neumann traute der Plattform zu, zum virtuellen „kulturellen Schaufenster“ Deutschlands zu werden.
Das Schaufenster füllte sich zügig. Anfang 2018 waren bereits über 24 Millionen Dokumente online. Im Frühjahr 2023, kurz vor einem großen Umbau der Website, meldete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mehr als 45 Millionen Kulturobjekte aus rund 780 Kultur- und Wissenseinrichtungen. 60 Partnerinstitutionen waren neu dabei und brachten zusammen rund 500.000 digitale Objekte mit.
Und das Wachstum geht weiter: Wer Anfang November 2026 die Suche der Bibliothek ohne Suchbegriff startet, bekommt gut 63 Millionen Treffer angezeigt.
Was man dort findet Die Bandbreite ist groß. Die Bibliothek selbst nennt Gemälde, Bücher, Musikstücke, Skulpturen, Filme, Fotografien, Akten und Baudenkmäler. Dazu kommen kuratierte Zugänge: mehr als 20 Dossiers zu einzelnen Themen und, laut Stand von 2023, über 170 virtuelle Ausstellungen; die Themen bereiten Partnereinrichtungen aus ganz Deutschland auf. Ein Dossier trägt etwa den Titel „Kurios, kurios! Die Welt als Wunderkammer“, ein anderes widmet sich queerem Kulturerbe.
Unter dem Dach der Bibliothek sind außerdem eigene Fachportale entstanden. Das Archivportal-D bündelt digitales Archivgut aus ganz Deutschland. Nach eigenen Angaben sind knapp 270 Archive beteiligt, mit mehr als 170.000 Beständen und über 36 Millionen Objekten. Themenportale führen etwa zur Weimarer Republik oder zur Wiedergutmachung nach der NS-Zeit.
Zeitungen von 1671 bis 1950 Besonders reizvoll für alle, die gern in der Vergangenheit stöbern: das Deutsche Zeitungsportal. Seit Oktober 2021 bietet es einen gemeinsamen Zugang zu historischen Zeitungen aus den Jahren 1671 bis 1950. Zum Start umfasste es 247 Zeitungen mit 591.837 Ausgaben und rund 4,46 Millionen Seiten aus neun Bibliotheken.
Das Schöne daran: Man muss die Seiten nicht einzeln durchblättern. Nach Angaben des Portals haben rund 90 Prozent aller Ausgaben einen durchsuchbaren Volltext. So kann man etwa gezielt nach dem eigenen Heimatort oder einem Ereignis suchen. Die Volltexte stammen von den beteiligten Häusern und werden unverändert übernommen; je nach Digitalisierungsprojekt schwankt ihre Qualität deshalb.
Ebenfalls seit 2021 gibt es ein Portal für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten. Es startete mit rund 8.000 Nachweisen.
Viele Häuser, ein Netz Getragen wird das Projekt von einem Kompetenznetzwerk aus 18 Einrichtungen, darunter die Deutsche Nationalbibliothek, das Bundesarchiv, das Deutsche Museum und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Gefördert wird die Bibliothek vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien; im Kuratorium sitzen Bund, Länder und der Deutsche Städtetag. Zugleich ist sie der deutsche Beitrag zur europäischen Kulturplattform Europeana.
Für Nutzerinnen und Nutzer bleibt das Angebot unkompliziert: Stöbern kostet nichts, ist werbefrei und funktioniert ohne Anmeldung. Wer im Zeitungsportal Favoritenlisten anlegen und teilen möchte, kann sich ein kostenloses Konto einrichten.
Ein Gedächtnis, das mitwächst Hinter jeder Zahl stecken Menschen in Archiven, Museen und Bibliotheken, die scannen, beschreiben und Daten aufbereiten. Heute reicht ein Browser, um eine Kerze von der Montagsdemo zu betrachten oder in einer Zeitung aus der Kaiserzeit zu blättern.
Ein Tipp zum Ausprobieren: einfach den eigenen Wohnort oder den Familiennamen ins Suchfeld tippen. Gut möglich, dass dabei etwas auftaucht, von dem man nicht wusste, dass es existiert.
Themen: Deutsche Digitale Bibliothek, Online-Archiv, Kulturerbe, Historische Zeitungen, Kostenlos, Digitalisierung
Deutsche Digitale Bibliothek: Von 5,6 Millionen auf über 45 Millionen Objekte