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Coaches Welcome in Billstedt: Wie Hamburg Zugewanderten den Einstieg als Fußballtrainer erleichtert
Acht Teilnehmende, ein sonniger Kunstrasen in Billstedt: Der Lehrgang „Coaches Welcome“ bereitet Zugewanderte auf ein Traineramt im Fußballverein vor.
Von Michael Beier ·
Ohne Ehrenamtliche an der Seitenlinie rollt im Vereinsfußball kein Ball. Ein kleiner Lehrgang im Hamburger Osten zeigt, wo neue Trainerinnen und Trainer herkommen können: aus einer Gruppe, die im Ehrenamt bislang selten vertreten ist. Mitte Oktober kamen beim SC Vorwärts-Wacker 04 in Billstedt acht Teilnehmende zusammen, um bei „Coaches Welcome“ die Grundlagen des Trainerhandwerks zu lernen.
Ein Einstieg ins Ehrenamt Hinter dem Angebot stehen der Hamburger Sportbund (HSB) und der Hamburger Fußball-Verband (HFV). Es gehört zum Programm „Integration durch Sport“ und richtet sich laut HSB an Zugewanderte und Menschen mit Migrationsgeschichte, die wenig Deutsch sprechen oder das deutsche Sportsystem noch kaum kennen. Laut HFV ist diese Gruppe im Ehrenamt bislang unterrepräsentiert. Der HSB beschreibt „Coaches Welcome“ als sportartspezifische Vorausbildung, die er gemeinsam mit verschiedenen Fachverbänden umsetzt. Im Fußball wurde das Format nach Angaben des HFV vor knapp zehn Jahren gestartet.
Der Lehrgang fand an einem Wochenende statt, am 16. und 17. Oktober. Am Samstagvormittag ging es bei Sonnenschein auf den Kunstrasenplatz.
Kleine Tore, leichte Bälle, ein Ball für jedes Kind Auf dem Platz übten die Teilnehmenden, wie Training mit Kindern aussehen kann: verkleinertes Spielfeld, kleinere Tore, leichte Bälle – und jedes Kind soll einen eigenen Ball bekommen. Fragen gab es reichlich, etwa wie alt die Kinder in der G-Jugend sind, welche Ballgröße passt oder wie man eine Trainingseinheit aufbaut.
Geleitet wurde der Kurs von Christoph Kroll. Der 56-Jährige spricht Deutsch, Englisch und Russisch und hat früher unter anderem bei den polnischen Klubs Górnik Zabrze und Piast Gliwice gespielt. Einige Teilnehmende trifft er später im Anschlusslehrgang „Basis Coach“ wieder. Sein Fazit fällt knapp aus: „Wir gewinnen Fachkräfte.“
Viele Wege an die Seitenlinie Die Beweggründe der Teilnehmenden sind so unterschiedlich wie ihre Lebenswege. Abdou, 32, stammt aus Frankreich und lebt seit 21 Monaten in Hamburg. Sein Sohn spielt am Osdorfer Born Fußball, und Abdou möchte ihn trainieren – dort gebe es „viele Kinder, wenig Trainer“. Der 17-jährige Bismellah vom FC St. Pauli will Trainer werden, am liebsten für Kinder. Farid, 34, musste seine eigene Spielerkarriere wegen Verletzungen beenden und hat die C-Lizenz im Blick. Realistisch ordnet er ein: „Dieser Kurs ist vielleicht 20 Prozent auf dem Weg zum Trainer.“ Suay, 29, vom FC Bergedorf 85 wollte ursprünglich nur den „Welcome Coach“ machen – jetzt will er auch den „Basis Coach“ anschließen.
Was nach dem Kurs kommt Am Ende erhielten alle ein Teilnahme-Zertifikat. Eine Trainerlizenz ist das noch nicht, aber ein erster Schritt: Wer weitermachen will, kann den Lehrgang „Basis Coach“ besuchen. Außerdem können sich die Teilnehmenden in eine Liste eintragen, um bei Vereinstrainern zu hospitieren und später als Co-Trainer einzusteigen – eine Möglichkeit, Erfahrung zu sammeln, bevor man selbst Verantwortung für eine Mannschaft übernimmt.
Für Hamburgs Vereine ist das eine gute Nachricht, für die Teilnehmenden ebenso. Cemil Coskun, Jugendvorstand des gastgebenden Vereins, betont das große Interesse, den HFV zu unterstützen, und wünscht sich das Angebot „in der ganzen Stadt“. Die nächste Schulung findet am 13. und 14. November beim Harburger Turnerbund von 1865 statt. Einen Link zur Anmeldung veröffentlicht der HFV auf seiner Website.
Themen: Coaches Welcome, Hamburger Fußball-Verband, Hamburger Sportbund, Integration durch Sport, Billstedt, Kinderfußball, Ehrenamt, Trainerausbildung
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